Lästerattacke Vulgärer Kraftausdruck: Berlusconi beleidigt Merkel

Küsschen links, Küsschen rechts – das war einmal. Italiens Ministerpräsident Berlusconi beleidigt Kanzlerin Merkel heftig. Foto: dpa

Vulgäre Lästerattacke gegen die Kanzlerin: Italiens Regierungschef soll heftige Ausdrücke verwendet haben - einen Begriff, der in sexuellem Kontext steht.

Rom - Das loseste Mundwerk Europas hat wieder zugeschlagen: Ministerpräsident Silvio Berlusconi soll Bundeskanzlerin Angela Merkel als „culona inchiavabile“ bezeichnet haben – eine deftige Beleidigung. Wörtlich übersetzt heißt das „unpackbarer Hintern“. Die AZ hat dazu mehrere italienische Muttersprachler befragt. Sie sagten übereinstimmend, dass der Begriff in sexuellem Kontext verwendet wird. Gemeint ist – vorsichtig formuliert –, dass der Absender des Zitats Geschlechtsverkehr mit dem Angesprochenen für undenkbar hält und dessen Allerwertesten sehr wohlgerundet findet.

Laut der italienischen Zeitung Il Fatto Quotidiano soll Berlusconis verbale Entgleisung in einem abgehörten Telefongespräch mit dem inzwischen verhafteten Unternehmer Giampaolo Tarantini (AZ berichtete) gefallen sein. Die Zeitung habe die Informationen aus zuverlässiger Quelle. Im ersten Bericht dazu wird der Begriff „culona inchiavabile“ noch erwähnt – und auch, dass Berlusconi hinzugefügt habe: „Wenn Merkel das wüsste!“ Im zweiten Text heißt es nur noch, der Leser könne sich die schlimmsten Beleidigungen vorstellen, etwa, dass Merkel „weit entfernt von dem Modell Barbie-Hure“ sei.

Was zunächst als laue Brise durch die Flure des italienischen Parlaments geflirrt ist, hat sich zum handfesten Polit-Orkan entwickelt, so Il Fatto Quotidiano weiter. Der konservative Politiker Rocco Buttiglione fordert schon lautstark Berlusconis Rücktritt. „Das Bild, das da entsteht, ist verheerend“, sagte Buttiglione. Die Glaubwürdigkeit Berlusconis sei stark gesunken.

Die vulgäre Lästerei des Cavalliere lässt sich zwar bisher nicht überprüfen, die Quelle ist anonym. Allerdings sind andere Details aus dem von der Justiz abgehörten Berlusconi-Tarantini-Gespräch an die Öffentlichkeit gelangt, die sich bereits bestätigt haben. So beschimpfte Berlusconi Italien als „Scheißland, das ihn anekelt“. Als das bekannt wurde, ruderte er zurück, sagte, das sei eine dieser Sachen, wie man sie spät abends am Telefon so sagt, in einem entspannten Augenblick. Berlusconi hat ohnehin gerade kein Glück mit abgehörten Telefongesprächen: Gestern wies die Mailänder Ermittlungsrichterin Stefania Donadeo die Staatsanwaltschaft an, Berlusconi wegen Beihilfe zur Veröffentlichung von abgehörten Telefongesprächen in einer Wirtschaftssache anzuzeigen. Damit droht der nächste Prozess.

 

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