Lärmschutzwall in Neuperlach Flüchtlings-Mauer: Jetzt patrouilliert ein Sicherheitsdienst

November 2016: Die Mauer wird gebaut - und die Debatte um Verhältnismäßigkeit und Symbolik nimmt Fahrt auf. Foto: dpa

Flüchtlinge wohnen immer noch keine hinter dem umstrittenen Schutzwall - die Stadt sieht trotzdem Bedarf für mehr Ordnung

München - Perlacher Bezirksausschuss-Politiker schaffen es eher selten europaweit in Fernsehen und Zeitungen. Guido Bucholtz ist das im Herbst 2016 gelungen. Mit einem Video - und mit einem Vergleich.

Der Lokalpolitiker hatte ein Filmchen über die Lärmschutzwand in Neuperlach gedreht. Sie sollte Anwohner vor dem Lärm jugendlicher Flüchtlinge schützen. Sehr grau und sehr groß und sehr abstoßend sah die Mauer in dem Film aus. Und groß war sie objektiv - mit vier Metern höher als die Berliner Mauer, wie Buchholtz in dem Video anmerkte.

"Stadt baut Mauer gegen Flüchtlinge", titelte die Abendzeitung. Und eine heftige Debatte darüber begann, welche Symbolik mit dem 200.000 Euro-Wall einhergehe - und ob man spielende Jugendliche wirklich mit meterhohen Wänden abschotten sollte. Viele Monate später ist die Unterkunft immer noch nicht bezogen. Stattdessen schützt die Stadt nun die Mauer mit einem Sicherheitsdienst.

Sprayer hatten schon in den Tagen der großen Mauer-Debatte im Herbst für Aufregung gesorgt, weil sie den Schutzwall wie auch die Wände von Nachbar-Häusern besprüht hatten.

Nun stehen Statemens wie "Build bridges, not walls" (baut Brücken, keine Mauern) und "Walls create Strangers" (Mauern schaffen Fremde) auf den Steinen. Die Stadtverwaltung lässt diese Sprühereien stehen - weil sie bei Entfernen gleich neue Slogans befürchtet.

Stadttessen hat man die Mauer nun unter Objektschutz gestellt. Ein privater Sicherheitsdienst kontrolliert mehrmals täglich. Die Kosten: rund 1.600 Euro im Monat. Bis September soll das so gehen.

Es wird nun also ernsthaft patroulliert an der Mauer. Das hätten sich Kleinkunst-König Till Hofmann und seine Mitstreiter wie Jimmy Hartwig auch nicht träumen lassen, als sie im Herbst satirisch einen "Checkpoint Ali" errichteten, um gegen die Mauer zu protestieren. Die Stadt hatte stets darauf verwiesen, dass das Flüchtlingsheim ohne den Lärmschutz gar nicht hätte gebaut werden dürfen.

160 Minderjährige sollen nun übrigens doch nicht mehr einziehen. Sondern nur noch 80. Guido Bucholtz, der videodrehende Lokalpolitiker, sagt immer noch: "Die Mauer war und ist überflüssig." Nur den Berliner-Mauer-Vergleich, den bereut er. "Das war unglücklich."

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