Kuriose Kurse Gehen auf Pumps: High-Heel-Expertin lehrt wie´s geht

„Was elegant aussieht, ist auch gesund“, predigt die Münchner High-Heel-Lehrerin Edeltraud Breitenberger in ihren Kursen. Ihre Schülerinnen orientieren sich an Stars wie... Foto: dpa

 Damit die Münchnerinnen mit Stöckelschuhen eine ähnlich gute Figur wie Lady Gaga, Kylie Minogue und Eva Longoria machen, gehen sie bei einer High-Heel-Expertin in die Lehre.

Hoch, höher, Promi-Stilettos: Vor allem Hollywoodstars stolzieren in schwindelerregender Höhe über die roten Teppiche. Allen voran: Lady Gaga, die ihre 1,55 Meter Körpergröße so ganz gut verbergen kann. Ebenfalls Höhenluft schnuppern Kylie Minogue, Eva Longoria, Sarah Jessica Parker, Jennifer Lopez, Katy Perry und Katie Holmes, die vor einiger Zeit sogar ihr Töchterchen Suri mit High Heels ausstattete und dafür viel Kritik erntete.

Auch die Münchnerinnen sind bekannt für Absatz-Steigerungen. Damit das auch in der Maximiliansstraße so elegant vonstatten geht wie auf dem Sunset Boulevard, will High-Heel-Lehrerin Edeltraud Breitenberger sorgen. „Was elegant aussieht, ist auch gesund“, behauptet sie. Die Münchnerin wendet sich an Frauen, „die ihre Weiblichkeit unterstreichen, sich beim Gehen auf höheren Absätzen im Körper zu Hause fühlen und körperliche Schäden vermeiden möchten“.

Auch Männer lernen bei ihr laufen: Während sich Transvestiten auf High Heels schulen lassen, wollen „normale“ Männer eleganter werden. „Gehen wie Richard Gere“, verspricht sie diesen Kunden. Eine kleine Pumps-Kunde zuerst: Der Ansatz des Absatzes sollte leicht geschwungen sein, so dass der Stöckel direkt unter der Mitte der Ferse steht. Ist der Absatz zu weit hinten, ist ein Abrollen fast unmöglich – schlecht für die Haltung. Ab zehn Zentimetern, gemessen in der Mitte des Absatzes, beginnt der High Heel. Schummeln mit Plateausohlen gilt nicht: Das Plateau wird abgezogen.

Ab 14 Zentimetern gilt ein Schuh als Fetisch. „Deswegen haben alle Schuhe, die man in normalen Schuhläden kaufen kann, höchstens 13,5 Zentimeter.“ Aber Vorsicht vor zu hohen Stöckeln: „Es gibt für mich keine Frau, die dauerhaft auf mehr als zehn Zentimetern gehen sollte“, sagt die Expertin. „Du brauchst nicht die Höhe, um elegant zu werden.“ Und als Faustregel gilt: Je kleiner der Fuß, desto kleiner sollte der Absatz sein. Also Rücken gerade, Brust raus, Kinn leicht gesenkt, die Fesseln elegant eng beisammen – so sieht der Gang bei den Profis aus.

„Ihr seid Königinnen“, ruft die Bewegungstherapeutin ihren Schülerinnen zu, die die ersten Schritte wagen. „Die Brust betritt zuerst den Raum“, fordert sie. Denn schließlich gehe es auch darum, die Weiblichkeit zu unterstreichen. „Das zu zeigen, gibt Stolz.“ Doch davor müssen die Teilnehmerinnen ganz unten anfangen, bei den Füßen: Der Kurs beginnt mit Fußmassage und Zehentraining. „Der große Zeh ist der Boss der High Heels“, sagt Breitenberger. Ist er stark, hält er das Gleichgewicht. Studentin Carmina Gerz ist geübte High-Heel-Läuferin. „Mich hat hier nicht der Aspekt interessiert, dass ich darauf gehen kann, sondern dass es nicht schädlich ist“, sagt die 32-Jährige.

Auch Pumps-Geübten rät Breitenberger vom täglichen Tragen hoher Schuhe ab – Abwechslung ist besser. „Kein Schuh ist immer gut.“ Orthopäden warnen vor dem regelmäßigen Tragen von Schuhen mit mehr als drei Zentimetern Absatz. „Das Gangverhalten verändert sich dann“, sagt die Chefärztin der zum Rhönklinikum gehörigen Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie in Bad Neustadt, Renée Andrea Fuhrmann. Das belegten Studien. „Wer regelmäßig High Heels trägt – mehr als dreimal in der Woche den ganzen Tag, der wird Probleme bekommen.“

Zehn Prozent von Fuhrmanns Patientinnen kommen mit Problemen durch langjähriges Gehen auf hohen Absätzen. Viele klagen über Spreizfüße, Hallux (Schiefzehe) und Krallenzehen. Nicht nur der Fuß, sondern auch Waden, Knie und Rücken leiden. Das Knie bleibt leicht abgewinkelt, der Druck im Kniescheibengelenk steigt, der Verschleiß könne sogar eine fachärztliche Behandlung nötig machen. Die Rückenmuskulatur werde überlastet. „Tragen von Absatzschuhen über lange Zeit kann zu Rückenschmerzen führen“, sagt die Fußchirurgin. Und Achillessehne sowie Wadenmuskulatur verkürzten sich – beim sogenannten Cinderella-Syndrom tut dann Gehen ohne High Heels weh. „Ich habe viele Patientinnen, die sagen: Ich kann nicht mehr flach laufen.

“ Wie für Sportler sei deshalb für High-Heel-Läuferinnen das Dehnen extrem wichtig. Meist seien es die 40- bis 50-Jährigen, die nach jahrelangem High-Heel-Gehen mit Beschwerden in die Klinik kommen. Die meisten Patientinnen wollten dennoch nicht auf ihre Stöckelschuhe verzichten. In Zukunft könnten die Fälle jedoch abnehmen, denn ausnahmsweise zeigen sich die Jüngeren hier vernünftiger: „Unsere Jugend tendiert eher zum bequemen Schuh.“

Genau das sieht nach Ansicht des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie in Offenbach allerdings anders aus. „Der Trend zum High Heel ist im Moment gerade bei den jungen Mädels sehr ausgeprägt“, sagt Verbandssprecherin Claudia Schulz. „Sie haben wieder Lust, sich feminin anzuziehen.“ Neue Kundschaft für Edeltraud Breitenberger. Sabine Dobel

 

 

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