„A Space Called Public – Hoffentlich Öffentlich“ – das neue Münchner Kunstprojekt

Auf dem Wittelsbacherplatz steht neuerdings ein leeres Podest. Aber nicht, weil das Denkmal Kurfürst Maximilians gestürzt wurde. Neben dem Wittelsbacher-Herrscher gibt es nun noch einen hohen steinernen Sockel, weil Stephen Hall und Li Li Ren die Idee der leerstehenden „Fourth Plinth“ vom Londoner Trafalgar Square nach München mitgebracht haben. Dort steht nämlich seit Mitte 1841 ein Sockel leer, weil die geplante Statue Williams IV. nie ausgeführt wurde. Seit 1999 gehört dieser Sockel der Gegenwartskunst, bis 1. April diesen Jahres trägt er ein etwas anderes Reiterstandbild: Einen goldigen Jungen auf dem Schaukelpferd von Elmgreen & Dragset.

Die beiden sind es auch, die 2013 für München das 1,2 Millionen Euro teure Kunstprojekt „A Space Called Public – Hoffentlich Öffentlich“ kuratieren – und die Hall und Li Li Ren einluden. Der Sockel ist Auftakt für eine Reihe von Installationen und Aktionen, die zwischen Januar und September im Münchner Stadtraum stattfinden werden. Welcher Künstler mit seinem Vorschlag am Ende auf diesen Sockel steigen darf, wird ein Wettbewerb entscheiden, dessen Ergebnis am 12. März bekannt gegeben wird.

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Jetzt sei da erst einmal ein „offener, leerer Raum“ für neue Ideen und das sei doch genau das, was die schockierend teure Stadt München brauche, so Michael Elmgreen. „Forschendes Interesse“ an der Bedeutung des analogen öffentlichen Raumes im digitalen Zeitalter bescheinigte Kulturreferent Hans-Georg Küppers Elmgreen & Dragset, die mit ihrem Prada-Büdchen in der texanischen Wüste berühmt wurden und seitdem immer wieder Kunst im Wortsinn auf die Bühne bringen.

Im Rahmen von „A Space Called Public“ inszenieren sie auch ab 12. März auf dem Odeonsplatz eine Art Rufer in Wüste, der - am Schauplatz des Hitlerputsches von 1923 - täglich um 12 Uhr „Es ist nie zu spät, sich zu entschuldigen“ mahnen wird. Darüber hinaus werden Ed Ruschas Text-Bilder plakatiert, Han Chong wird eine Buddha-Figur auf den Viktualienmarkt stürzen, auf dem Marienhof wird posthum Martin Kippenbergers unsinniges Bauvorhaben „METRO-Net“ realisiert und Kirsten Pieroth wird eine „Berliner Pfütze“ nach München bringen.

Küppers erhofft sich von Elmgreen & Dragsets Projekt, dass München als Kunststadt international für Gesprächsstoff sorgt. Die Kopie der Londoner „Fourth Plinth“ samt Wettbewerb und eine Berliner Pfütze dürften dafür zwar noch nicht genügen. Aber sicher ist, dass „A Space Called Public“ nicht dann als gelungen gelten kann, wenn es möglichst viele Leute gut finden, sondern wenn möglichst viele Menschen überhaupt darauf reagieren.

www.aspacecalledpublic.de

 

 

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