Kundgebung gegen Gipfel in Elmau Großdemo in München: 40.000 gegen sieben

Großdemonstration in München gegen den G7-Gipfel: Die Bilder von der Protestkundgebung. Foto: Daniel von Loeper

Der Gipfel auf Schloss Elmau treibt in München Massen zur Großdemonstration auf die Straße – es bleibt friedlich. Nur am Hauptbahnhof kommt es zu einem kleinen Zwischenfall.

München - Kinder im Leiterwagerl und in der Kraxn, Omas mit Sonnenhüten, junge Männer mit selbstgemalten Schildern, Senioren und Studenten, Bankler und Bauern: Der Protest ist vielfältig. Und er ist friedlich. Rund 40.000 Menschen sind nach Angaben der Veranstalter am Donnerstag zur Großdemo in der Münchner Innenstadt gekommen.

Unter dem Motto „TTIP stoppen – Klima retten – Armut bekämpfen“ protestierten sie anlässlich des G7-Gipfels ab Sonntag auf Schloss Elmau. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen und Parteien hatten dazu aufgerufen. Und der Zuspruch war enorm: Die Demo startete um 14 Uhr am Stachus mit 12.000 Teilnehmern. Auf dem Weg über den Altstadtring schlossen sich immer mehr Menschen an. Den Höchststand meldete die Polizei gegen 16.30 Uhr mit rund 35.000 Menschen. Die Veranstalter schätzen sogar 5.000 Protestler mehr. Angemeldet waren lediglich 15.000.

Den ganzen Nachmittag ist der Protest kreativ und bunt: Demonstranten singen, trommeln und recken Transparente in die Höhe. Sie üben Kritik, vor allem am G7-Treffen, aber auch am geplanten Freihandelsabkommen TTIP mit den USA, an Gentechnik bei Lebensmitteln, an Rüstungsexporten, an mangelhaftem Naturschutz und an einer ungerechten, die Armut verschärfenden Weltwirtschaft. Auch Gegner der dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen sind dabei.

Auch aus dem Umland, etwa aus Altötting, Freising oder Bad Tölz, sind viele Menschen nach München gekommen. Mehrere Traktoren fahren mit und haben große Spruch-Schilder an der Gabel: „Power to the Bauer“, steht auf einem.

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Es ist ein gewaltloser, anständiger Protest, der trotzdem von einem großen Polizeiaufgebot begleitet wird. Schon morgens sind die Polizeibusse mit insgesamt rund 3000 Einsatzkräften angerückt. Einsatzfahrzeuge sind am Hofgarten stationiert worden. Die Polizisten haben sich an der Theresienwiese gesammelt und in den Seitenstraßen entlang an der Demo-Route positioniert. Viele davon in schwerer, schwarzer Schutzkleidung. Im Vorfeld der Großdemo hatte die Polizei befürchtet, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte. Gewaltsamer Protest wie zuletzt bei der Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main – das war das Schreckensszenario. Es trat nicht ein. Am frühen Nachmittag werden aber schon wieder die ersten Einsatzkräfte abgezogen.

Die Polizei lobt und die Feuerwehr zapft frisches Wasser

Einer der Polizisten in schwarzer Schutzkleidung sagt am Rande der Demo: „Ich komme aus Hamburg, da sind wir etwas ganz anderes gewohnt.“ Auch Münchens Polizeisprecher Wolfgang Wenger zeigt sich positiv beeindruckt von den Demonstranten. Er sagt: „Wir freuen uns über das vorbildliche Verhalten. Die Demonstranten haben sich klar von Gewalt distanziert, das ist ein gutes Zeichen für die nächsten Tage.“

Gegen 17 Uhr gibt es noch eine Abschlusskundgebung am Odeonsplatz. Die meisten Demonstranten sind auch hier noch dabei – trotz der doch recht anständigen Hitze. Damit bei den hohen Temperaturen in der prallen Sonne niemand austrocknet, hat die Feuerwehr kurz zuvor an der Ecke vom Thomas-Wimmer-Ring zur Maximilianstraße einen Hydranten geöffnet und Wasser ausgeschenkt. Viele Demonstranten nehmen dieses Angebot dankend an.

Ein kleinerer Zwischenfall ereignet sich gegen 14.30 Uhr am Hauptbahnhof. Wie die Bundespolizei meldet, klettern zwei Demonstranten in der Gleishalle an einer Fassade empor und überdecken eine Molkereiwerbung mit einem Transparent. Das sogenannte Höheninterventionsteam der Bundespolizei kümmert sich darum. Mit einer Hebebühne werden die Kletterer wenig später von der Wand heruntergeholt. Auch diese Aktion verläuft gewaltfrei.

 

 

 

 

 

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