Die Theatergemeinde lud öffentlich ein und die vier OB-Kandidaten von SPD, CSU, Grünen und FDP stellten sich den Fragen über ihre Vorstellungen zur Kulturpolitik in München

"Reden über die Kultur ist immer auch Reden über ihre Förderung", fasst Michael Grill, Geschäftsführer der Theatergemeinde München, zusammen. Der Verein versammelte die vier Kandidaten, die sich im März der Oberbürgermeister-Wahl stellen, zu einer Kultur-Diskussion in der Theaterfabrik.

Grill und Vorsitzende Sibylle Steinkohl befragten die Bewerber, wie sie es mit der Kultur halten. Um nicht gleich zu Beginn der konfliktfrei verlaufenen Debatte über Geld sprechen zu müssen, erkundigte sich Michael Grill nach den persönlichen Bezügen zur Kultur.

Kultur und die Kandidaten: Dieter Reiter (SPD) ist Rocker und spielt "eine laute" E-Gitarre. Josef Schmid (CSU) wiederum ist Schlagzeuger und verdiente mit einer Tanzkapelle sogar Geld. Sabine Nallinger (Grüne) entschied sich mit 14 gegen den Willen der Eltern für die Geige. Nur Michael Mattar (FDP) sieht sich von der Musik von seinen Musiklehrern abgehalten, liebt aber die Literatur und hat mit dem Werk von Thomas Mann auch Zugang zur Symphonik gefunden.

Zweiter Konzertsaal: Als Freund des Philharmonischen ist Mattar auch ein Verfechter des Konzertsaals neben dem Gasteig. In der Diskussion um den Standort machte er sich stark für das Kunstareal, das damit die längst überfällige Aufwertung erfahre. Reiter hingegen warnte davor, "jede Woche einen neuen Standort durchs Dorf zu jagen". Der Gasteig sei "nicht so schlecht".

Künstlerateliers: "Ich kann ,Berlin' nicht mehr hören", stöhnte Mattar, wenn es um Räume für junge Bildende Künstler geht. Hier sehen alle Kandidaten Bedarf an einer besseren Vernetzung der zuständigen Behörden, um den Bestand von geeigneten Gebäuden transparent zu machen. Vertreter der Domagk-Ateliers im Publikum klagten über die Praxis, die Räume auch unter den Nutzern immer wieder neu auszuschreiben. Damit werde die Kontinuität und die Bildung einer Szene erschwert.

Kultur und Tourismus: Vor dem Hintergrund der 2012 gegründeten Tourismus-Initiative München (TIM) forderten die Kandidaten die stärkere Einbeziehung des grossen Kulturangebots in die Stadtwerbung. Hamburg oder Dresden seien auf diesem Gebiet "viel aktiver" und München "besteht nicht nur aus 16 Tagen Oktoberfest".