Kritik an Seehofer Ist der "Tag der Franken" der "Tag der CSU"?

Wenn schon CSU beim Fest, dann Politiker aus Franken, fordert die „Partei für Franken“. Infrage kämen Finanzminister Söder (r.) oder Innenminister Herrmann (2.v.r.), hier beim letztjährigen „Tag der Franken“. Foto: dpa

Ist der "Tag der Franken" der "Tag der CSU"? Das zumindest findet die "Partei für Franken". Seehofer und Co. würden sich nur selbst beweihräuchern, sticheln die Kritiker.

Nürnberg - Am Montag haben die Veranstaltungen zum "Tag der Franken" begonnen: Ausstellungen, Vorträge, Gottesdienste, Feste, Konzerte und Stadtführungen. Das Programm rund um das Motto "Patente Franken – Fränkische Patente" ist riesig. Egal ob Ober-, Mittel- oder Unterfranken – der gesamte Norden Bayerns beteiligt sich daran. Insgesamt gibt es über 100 Einzelveranstaltungen.

So weit so gut. Bis hierhin ist Robert Gattenlöhner noch recht wohlgestimmt. Er ist Bezirksrat von Mittelfranken und Vorsitzender der "Partei für Franken" ("Die Franken"). Wenn er aber an den offiziellen Festakt denkt, der an diesem Sonntag in Hof stattfindet, wird er sauer. Stinksauer. "Dieser Tag ist in den letzten Jahren immer mehr zu einer Selbstbeweihräucherungsveranstaltung der CSU verkommen", schimpft er.

Da stünden Politiker im Vordergrund, die vielleicht einmal im Jahr nach Franken kämen und sich ansonsten nicht für den Norden Bayerns interessierten. Vor allem die jährlich gleiche Rede von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) könne er nicht mehr hören, meint Gattenlöhner. "Franken ist ein starkes Stück Bayern" heiße es da immer. Die Realität sehe dann aber anders aus. Das Süd-Nordgefälle nehme auf allen Ebenen immer weiter zu.

Gattenlöhner fordert eine Neuausrichtung. Der "Tag der Franken" müsse wieder ein "Tag für Franken" werden. Dazu sei es wichtig, die Franken und nicht die CSU in den Mittelpunkt zu stellen. Statt der Bayernhymne wünscht er sich das Frankenlied im Programm, statt Bayernfahnen Frankenflaggen an der Straße.

Verwunderung und Belustigung bei den Organisatoren

Gattenlöhner könne sich sogar vorstellen, im kommenden Jahr "auf eine Einladung des Oberbayern Horst Seehofer" zu verzichten. "Dann lieber Markus Söder als Redner, der ist wenigstens Franke, auch wenn er sich in München gerne als Nordbayer bezeichnet."

Mit einer Mischung aus Verwunderung und Belustigung haben die Organisatoren des diesjährigen "Tags der Franken" auf die Kritik von Gattenlöhner reagiert. Die Forderungen könne man nicht nachvollziehen, heißt es in einer Stellungnahme des Bezirks Oberfranken. Gerade durch das dezentrale Konzept, an dem sich knapp 80 Kommunen beteiligen, könnten sehr viele Bürger direkt erreicht werden.

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Die Ausgestaltung der gesamtfränkischen Aktionswoche und des Festaktes in Hof sei vom Bezirkstag in Oberfranken einstimmig beschlossen worden und werde von allen darin vertretenen Parteien getragen. Von einer "Selbstbeweihräucherungsveranstaltung" könne also nicht die Rede sein.

Auch die Forderung nach einer Ausladung von Horst Seehofer sei nicht nachvollziehbar, heißt es weiter. "Franken ist ein Teil Bayerns. Durch die persönliche Präsenz des Ministerpräsidenten und die traditionelle Einladung zum Staatsempfang wird die Veranstaltung nochmals aufgewertet."

Die CSU-Pressestelle in München wollte die Ausführungen von Gattenlöhner erst gar nicht kommentieren.

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