Kollegen stellen sich auf seine Seite Kritik an Länderspiel: Hat Thomas Müller Recht?

, aktualisiert am 15.11.2016 - 18:18 Uhr
Keine Lust auf Länderspiele wie das 8:0 am Freitag gegen San Marino: Nationalstürmer und Bayern-Star Thomas Müller. Foto: firo/Augenklick

Die Äußerungen des Nationalspielers nach dem 8:0 gegen San Marino sorgen weiter für Diskussionen. Rummenigge fordert eine Vorqualifikation der kleinen Länder: "Es geht immer weniger um Sport".

Rom - Vier Tage danach war Thomas Müller natürlich noch Thema Nummer eins. In Mailand sowieso, wo die deutsche Nationalelf am Dienstagabend ihr Testspiel gegen Italien absolviert, aber auch in München.

Denn dort trat Philipp Lahm, der Kapitän des FC Bayern, vor die Kameras und äußerte sich zur diplomatischen Krise, die Müllers Kritik an WM-Qualifikationsgegner San Marino ausgelöst hatte („Mit professionellem Fußball hatte das nichts zu tun“). Lahm, der Chef-Diplomat des deutschen Fußballs: Wen hätte man besser dazu befragen können?

Lahm hat Verständnis

Doch tatsächlich ließ Lahm Verständnis durchblicken für die Reaktionen, die Müllers Äußerungen hervorgerufen hatten. Der Funktionär Alan Gasperoni hatte in den sozialen Medien einige Spitzen gegen Müller formuliert, er wies darauf hin, dass Müller es nicht geschafft habe, gegen den 201. der Weltrangliste selbst zu treffen. Das Spiel habe außerdem gezeigt, dass sich die Deutschen niemals ändern würden, auch wenn die Geschichte sie gelehrt habe, dass Tyrannei nicht den Sieg garantiere, schrieb Gasperoni unter anderem.

Das Thema sorgt weiter für Diskussionen: Hat Müller recht? Sind Partien gegen Länder wie San Marino überflüssig? Sollten diese Kleinen des Fußballs zunächst eine Qualifikation unter sich spielen, wie es Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge („Es geht immer weniger um Sport, sondern immer mehr um Politik und Finanzen“) in der „Sport Bild“ forderte? „Ich glaube, dass kleine Länder sich auf solche Spiele immer freuen“, sagte Lahm: „Für San Marino war es das wichtigste Spiel in diesem Jahr, vielleicht der letzten Jahre. Sie haben sich sehr darauf gefreut und Fußball ist Freude, Sport ist Freude und das sollte immer im Vordergrund stehen.“ Diplomatisch, aber durchaus mit Nachsicht für die Sichtweise des Außenseiters, der 0:8 gegen die deutsche Nationalelf verloren hatte. Und konträr zur Meinung Rummenigges.

Müller bekommt Zuspruch

Wie der Bayern-Boss hatten sich zuvor auch andere Experten positioniert. Weltmeister Olaf Thon erklärte, er sehe wie Müller keinen Wert in Länderspielen gegen Zwergstaaten wie San Marino. „Das braucht man absolut nicht. San Marino ist glaube ich mit Abstand am schlechtesten“, sagte Thon in der Eurosport-Sendung „kicker.tv – Der Talk“. Auch der ehemalige Bundesliga-Trainer Falko Götz pflichtete den Kritikern wegen der vielen Länderspieltermine bei. „Ich kann den Ärger der Klubs verstehen, denn Verletzungen geschehen gerade in den Länderspielpausen“, sagte er. Bundestrainer Joachim Löw verfüge derzeit kaum über ausgeruhte Stammspieler. „Wann haben unsere Nationalspieler die letzte Ruhephase gehabt? Die kommen von der WM und steigen wenig später in die Vorbereitung ein“, sagte Götz.

Der Bundestrainer selbst hatte Müller nach den Aussagen in San Marino in Schutz genommen. „Wir sind schon mit dem nötigen Respekt in das Spiel gegangen, wie wir es immer tun, auch gegen San Marino“, sagte Löw in Mailand: „Natürlich sind unsere Spieler normalerweise ganz anderes gewöhnt, erstens von der Kulisse und zweitens von Gegnern, die auf höchstem Niveau agieren in der Liga und auch in der Champions League“. Müller habe deshalb „recht“ gehabt, „dass es nicht ein professioneller Gegner war, der große Gegenwehr leisten kann“.

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