Kriminelle Methoden Telefonterror & Co: So dreist agieren die Schlüsseldienst-Abzocker

Ein 24-Stunden Schlüsseldienst zockte eine Rentnerin erbarmungslos ab. Foto: dpa/ az

Die schwarzen Schafe unter den Notdiensten zocken nicht nur ihre Kunden ab, einige gehen sogar mit kriminellen Methoden gegen ihre seriöse Konkurrenz vor.

München – Satte 410,66 Euro verlangte der Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes dafür, dass er die Tür einer kranken Rentnerin (73) öffnete, die sich nachts in Moosach ausgesperrt hatte. Der horrende Preis der Firma Souridas ist offenbar kein Einzelfall. Nach dem AZ-Bericht meldeten sich Münchner, von denen unseriöse Schlüsseldienste sogar über 500 Euro für eine einfache Türöffnung forderten. „Furchtbar, was manche ,Firmen’ sich da erlauben“, sagte ein AZ-Leser empört.

Die schwarzen Schafe unter den Schlüssel(not)diensten machen auch ihren seriösen Konkurrenten das Leben schwer. Ein Insider aus der Branche berichtet der AZ von kriminellen Machenschaften einzelner Firmen, die offenbar bundesweit agieren. „Dass diese Firmen Mitarbeiter losschicken, die tausende Hauseingänge und Briefkästen mit ihren Telefonnummern zupflastern und dabei seriöse Unternehmen verdrängen, ist ja noch harmlos“, sagt der Münchner, der aus Angst vor Racheakten seinen Namen nicht nennen möchte. Bei ihm kostet eine einfache Türöffnung nach eigener Aussage maximal 120 Euro. „Als ich mal deren Aufkleber überklebt habe, wurde ich monatelang terrorisiert.“

Der Münchner berichtet, dass massenweise SMS mit Angabe seiner Mobilfunknummer verschickt wurden. Der Inhalt der SMS lautete in etwa: Es ist etwas Schlimmes passiert. Bitte ruf mich sofort an! „Da viele Leute auf so eine SMS zurückrufen, wurde meine Nummer monatelang blockiert. Kunden kamen gar nicht mehr zu mir durch. 200 bis 500 Anrufe bekam ich pro Tag. Ich war mit meinen Nerven am Ende.“

Seine Recherche ergab, dass die Anrufer zuvor fast alle Kleinanzeigen auf Ebay geschaltet und dafür ihre Handynummer angegeben hatten. Die Nummern wurden offenbar missbraucht.

Ein anderer Schlüsseldienst-Kollege berichtete der AZ, dass sein Telefon „angezapft“ worden sei. „Wenn ich einen Mitarbeiter zu einem Auftrag schickte, war der andere schon da.“

Zwei der Unternehmer haben wegen den kriminellen Machenschaften Anzeige erstattet. Doch passiert ist bislang nichts. „Die Anzeige wegen Nachstellung mit den Terror-SMS wurde vor zwei Wochen eingestellt. Im Fall der Computersabotage habe ich auch nichts mehr gehört“, sagte der enttäuschte Handwerker am Freitag zur AZ.

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