Krimi mit Axel Milberg TV-Kritik: So war der Borowski-"Tatort" aus Kiel

Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) stoßen auf einen grausamen Fund - Szene der "Tatort"-Folge "Borowski und das dunkle Netz". Foto: Christine Schroeder/NDR/dpa

Das Darknet tatorttauglich erklärt - darüber freut sich der Zuschauer. Der Kieler "Tatort: Borowski und das dunkle Netz" in der TV-Kritik der Abendzeitung.

Mit diesem Mörder kriegt man richtig Mitleid: Erst wird er – nach vollendetem Mord in einem Fitnessstudio – auf der Flucht mit Hanteln beworfen, dann schneidet ihm in seinem Bordell-Hotelzimmer der Badezimmerspiegel den kleinen Finger ab. Und schließlich fällt eine Horde wütender Frauen über ihn her. Maximilian Brauer spielt diesen Hagen Melzer, den Auftragskiller mit der Wolfsmaske, mit irrem Blick und verrückter Frisur. Und wegen der zahlreichen Schmerzen, die er zu erleiden hat, mit einigem Wolfsgejaule.

Der erste Teil dieses „Tatorts“ (Buch: David Wnendt, Thomas Wendrich, Regie: David Wnendt) gehört ihm. Die kurze Szene im Fitnessstudio gedreht aus der Ego-Shooter-Perspektive und mit bizarr angenehmer Musik – Tarantino hätte seine Freude – bleibt eine Weile im Kopf.

Der zweite Teil gehört dann Axel Milberg und Sibel Kekilli. Halb knurrend, halb fasziniert begibt sich Milberg als Kommissar Borowski mit Sarah Brandt ins Darknet, jenen Teil des Internets, der nur auf Umwegen zu erreichen ist und in dem einiges Gutes, aber eben auch viel Böses stattfindet. Hier eben: Auftragsmorde. Dass es ausgerechnet der Staatsanwalt ist, der die Morde in Auftrag gibt, weiß man spätestens ab der Szene: Der Staatsanwalt prahlt vor der schönen Sarah Brandt mit den vielen Mordversuchen, die er schon überlebt hat – und beißt dann beherzt in Pralinen, die er gerade anonym erhalten hat. So manche Diktatur auf diesem Planeten könnte drastisch abgekürzt werden, wenn die Tyrannen einfach alles futterten, was man ihnen zuschickt.

Lustige Nebenfiguren sind die beiden Herren (Mirco Kreibich, Yung Ngo) von der Abteilung Cybercrime, die ihre Schreibtische in der Mitte einer riesigen Halle aufgestellt haben. „Schakal“ heißt die Software, mit deren Hilfe das Schleswig-Holsteinische Landeskriminalamt dem Verbrechen im Darknet zu Leibe rücken will. „So was haben nicht mal die Bayern“, sagt der LKA-Chef zufrieden.

Aber, so lernen wir: Es gibt viele Verbrecher im Darknet und nur wenige Polizisten, die sie jagen können. „Wir werden hier zugeschissen mit Daten“, fahren sie denn auch Borowski an. Dafür haben sie einen großen roten Knopf, der mit dem Internet verbunden ist. Wenn man den drückt, wird automatisch eine Pizza geliefert. So ganz schlecht geht es den Herren also auch wieder nicht. Und der Zuschauer freut sich über die beiden Fachleute, weil sie ihm – und Borowski – das Darknet tatorttauglich erklären.

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