Krankenpfleger ist ein Beruf mit ziemlich viel Verantwortung – und Nachwuchsproblemen.

Dass mit ihrer Berufswahl etwas nicht stimmte, merkte Jurastudentin Sandra Schmidt in der Uni-Bibliothek. „Ich hab' mir dauernd Medizinbücher ausgeliehen, weil mich das viel mehr interessierte“, sagt sie. Während des Studiums jobbte Schmidt in einer Reha-Klinik. Was zunächst nur zur Studienfinanzierung gedacht war, entpuppte sich als ihr Traumberuf. Sie schmiss ihr Studium und begann eine dreijährige Ausbildung zur Krankenpflegerin.

Krankenpfleger sind die rechte Hand des Arztes in der Klinik: Sie assistieren ihm bei Untersuchungen und verabreichen auf seine Anweisung hin Medikamente. Zu ihren Aufgaben gehört es laut der Bundesagentur für Arbeit, Kranke bei der Körperpflege zu unterstützen, ihnen zum Beispiel beim Aufstehen und Gehen zu helfen und ihnen Essen zu bringen. Gleichzeitig übernehmen sie administrative Aufgaben. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) schätzt, dass bis 2025 rund 193 000 Vollzeit-Krankenpfleger fehlen werden. Er beruft sich auf Berechnungen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesinstituts für Berufsbildung. Beide prognostizieren angesichts von immer mehr älteren Menschen eine steigende Zahl von Pflegebedürftigen in Krankenhäusern und Altenheimen.

Wer den Beruf erlernen will, braucht die mittlere Reife oder einen Hauptschulabschluss mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Nach dem Abschluss müssen Berufstätige mit einem stressigen Arbeitsalltag rechnen. In vielen Kliniken würden Stellen abgebaut. Viele Krankenpfleger klagten über zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten und Überlastung, sagt Andreas Westerfellhaus. Er ist Präsident des Deutschen Pflegerates. Hinzu kommt die Arbeit im Schichtsystem. Die Arbeit mit den Patienten ist durch das viele Heben auch körperlich anstrengend. Zudem arbeiten Krankenpfleger im Schichtdienst. Das schrecke viele junge Leute ab, meint Westerfellhaus. Nach Darstellung von DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel steigen viele Krankenpfleger schon nach wenigen Jahren wieder aus: „Solange die Arbeitsbedingungen nicht nennenswert verbessert werden, verlieren wir die Pflegeschüler schon während der Ausbildung oder kurz danach.“

Neben dem Fachwissen brauchen die Fachkräfte vor allem Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Die Patienten sind auf Hilfe angewiesen, haben eventuell Schmerzen oder Angst vor einem Eingriff. Der Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden erfordert psychische Stabilität. Nach der Krankenpfleger-Ausbildung gibt es für die jungen Menschen vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten. So können Fachkräfte sich etwa auf Wundmanagement, Hygiene, Anästhesie, Intensiv- oder Hospizpflege spezialisieren. Wer das Abitur hat, kann im Anschluss natürlich auch Pflegemanagement oder andere, verwandte Fächer studieren. Sandra Schmidt hat sich nun für einen Bachelor-Studienplatz an einer Hochschule beworben. Wenn es klappt, schnappt die Ex-Studentin neben ihrer Arbeit in der Klinik bald wieder Uni-Luft.