Konzert-Kritik aus dem Zenith Motörhead in München: Mit angezogener Handbremse

Getrunken wurde auf der Bühne angeblich nur Wasser: Lemmy Kilmister und Motörhead im Zenith. Foto: Felix Hörhager

Motörhead wollen im Zenith nach zwei Absagen noch einmal eine richtige Rockshow abliefern.

München - Es könnte das letzte Mal gewesen sein. Zweimal wurde diese Tour schon verschoben, manche Besucher hatten ihr Ticket vor mehr als einem Jahr gekauft. Da war auch noch nicht abzusehen gewesen, dass es Ian „Lemmy“ Kilmister, seit fast vierzig Jahren Frontmann von Motörhead, nicht mehr so gut geht.

2013 musste die Band ihren Auftritt beim Wacken Open Air, quasi das Bayreuth der Metal-Fans, nach nicht einmal einer halben Stunde abbrechen. Das mag man bei einem Haudegen wie Lemmy nicht vermuten, der angeblich nach wie vor eine Flasche Whisky am Tag trinkt, aber der Mann wird nächstes Jahr 70. Menschen mit seinem Lebensstil werden normalerweise nur 27.

Egal, ob das mit dem Whisky stimmt oder nicht, das schon lange ausverkaufte Konzert im Zenith hat etwas von einem Krankenbesuch. Dezente Sensationslust liegt in der Luft. Mal sehen, wie lange er durchhält. Witze kursieren: Der Backstagebereich muss erst barrierefrei gemacht werden, der Treppenlift an der Bühne fehlt noch, betreutes Rocken. Trotzdem sind die Erwartungen groß, zum Glauben gehört eben auch das Zweifeln, und Lemmy hatte schon immer etwas von einer Heilsgestalt, nicht nur, weil er an Weihnachten Geburtstag hat.

Ganz unaufgeregt und plötzlich erscheint er dann auch auf der Bühne. „We are Motörhead and we play Rock’n’Roll.“ Der Einstieg sitzt wie immer. Die ersten Songs brettern aus den Boxen, im Zenith steigt die Party. Im Gegensatz zu Lemmy sind Mikkey Dee am Schlagzeug und Phil Campbell an der Gitarre aber auch noch in Topform. Dee hat genug Energie für die ganze Band, und Campbell hätte wahrscheinlich auch einmal ein großer Bluesgitarrist werden können.

Die Band nimmt ihren etwas angeschlagenen Ruf mit Humor und erklärt nach einer halben Stunde ironisch, das Konzert sei vorbei. Ist es natürlich noch lange nicht. Und in den Bechern ist übrigens nur Wasser. Na dann.

Gerockt wird trotzdem mit angezogener Handbremse: Lemmy lallt sich durch Songs, und Ansagen und den Bandklassiker „Ace of Spades“ stimmt er fast zaghaft an. Als würde er wissen, dass er das Bassintro nicht mehr oft live zupfen wird.

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