Von „Dancing With Myself” bis „White Wedding” – in der Musik-Arena auf Tollwood feiert Billy Idol seine 80er Jahre

Mann müsse unbedingt etwas über den „geilen Bauch” schreiben, sagt die tanzende Dame neben mir. Der Bauch von Billy Idol also, ist unbestritten ein völlig fettfreies Prachtstück. Über dem Bauch beginnt ein Oberkörper, der ebenfalls die Damen seufzen lässt.

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Am Oberkörper hat der liebe Gott muskelrunde Arme angeschraubt. Und weil Gott keine halben Sachen mag, gab er Idol zwei Fäuste, damit er während des Singens rhythmisch in die Luft drohen kann. „Ready Steady Go” rummst das in der Musik-Arena auf Tollwood mit einer alten Generation-X-Nummer los. Ende der 70er war es, da versuchte sich Billy noch als Punk in England.

Nietenjacke, blondierte Aggression, Mikrophonholster, Totenkopfkette trägt Billy heute und für immer. Sein alter Gitarrenfreund Steve Stevens setzt auf Glamrockstyle mit schwarzem Nagellack und Leopardenhemd. Rappelvoll ist das Zelt. „Dancing With Myself”, der Discopunk „Flesh For Fantasy”, das schwüle „Sweet Sixteen”. Am Ende „Rebell Yell” und „White Wedding” – der 56-jährige Idol spielt mit Lust auf seiner 80er-Jahre-Party. An seiner Seite eine Band, die selbst im Angesicht des Todes nicht mit der Wimper zucken würde.

Die musikalische Präzision um den Geschwindigkeitsirrsinn des Steve Stevens wird gekrönt von der Stimme in der Elvis auf Wave trifft, während man so tut, als wäre es Punk. Dieser Sound ist heute noch als Prototyp des toupierten Hard Rocks erkennbar, der wenig später Los Angeles einnahm. Live kann einem ja auch egal sein, dass sich kaum jemand für Idols Comeback-Album von 2005 interessiert.

„L.A. Woman”, dass hier satt stampfend zu „Munich Woman” wird, erinnert an den Exzessgeist der Doors aus dem auch Billy wuchs. Er aber hat Anfang der 80er in Amerika Look und Sound zu einem Poser-Power-Pop verlötet, der in seiner klaren Comicästhetik in jede Disco passte.

Neues ist hier wirklich nicht zu erwarten. Wobei: Die Generation X-Nummer mit der das Konzert beginnt, ist kein Einzelfall: „Love Like Fire”, „Running With The Boss Sound” – die Songs aus der Phase bevor sich Idol erfand, haben eine vergessene Kraft, die dieser Sänger reaktivieren kann. Denn nach überwundener Heroinabhängigkeit hat Billy Idols Erscheinung wieder die Überzeugungskraft eines Terminators.