Konzert in der Philharmonie Regie, Scherze und Wagner – Angela Gheorghiu, die letzte Diva, redet Tacheles über Jonas Kaufmann

Fotos? Bitte nicht! Wie gut, dass es von Angela Gheorghiu schon gute gibt. Foto: Cosmin Gogu/EMI

Keine Sorge, Angela Gheorghiu bleibt Verdi, Donizetti und Konsorten treu. Deren Arien singt sie auch am Donnerstag in der Philharmonie

Auf dem Tisch stehen Obstspießchen. Eine fabelhafte Figur will gepflegt sein, erst recht, wenn man in hautengen Kleidern steckt wie Angela Gheorghiu. Auf Fotos hat sie am Spätnachmittag aber keine Lust mehr. Mit dem Reden sollte sie nach zig Interviews auch aufhören. Doch dann lässt sich die kapriziöse Sängerin doch auf eine temperamentvolle Unterhaltung ein.

AZ: Frau Gheorghiu, Ihr Leben bietet genug Stoff für eine aufregende Oper.

ANGELA GHEORGHIU: Aber das Interessanteste wissen Sie ja noch gar nicht, das hebe ich mir für später auf.

Sie wollen wirklich nichts erzählen? Was war denn das Verrückteste in Ihrem Leben?

Roberto zu heiraten! Aber ich hätte das wissen müssen, alle haben mir gesagt, tu’s nicht.

Immerhin wurde viel über Sie geschrieben, das ist auch PR.

Negative. Etwa bei Absagen, die auf Roberto (Alagna, Anm. d. Red.) zurückgingen, wie in Zeffirellis „Traviata“. Aber das wird nun nach und nach alles herauskommen. Es gab in meinem Leben Momente, da hatten die Menschen eine komplett falsche Vorstellung von mir. Jetzt möchte ich die wahre Angela geben.

Und mit anderen Tenören singen wie Jonas Kaufmann.

Als ich ihn vor einigen Jahren das erste Mal hörte, war ich sofort überzeugt und wollte mit ihm singen. Den Einwurf, er sei nicht bekannt, ließ ich nicht gelten. Ich habe dieser Stimme absolut vertraut, ihn richtig gepusht. Dann kam die „Butterfly“-CD. Und alles, was er in Angriff nahm, war gut. Jetzt bin ich sehr stolz, dass ich ihm vertraut habe.

Jonas Kaufmann ist häufig hier zu hören, was man von Ihnen nicht behaupten kann.

Sie haben hier so verrückte Produktionen. Wenn man mich fragen würde, im „Trovatore“ zu singen – vielen Dank, niemals mit Angela! Wir können mit der Oper doch keine Scherze machen. Bitte nicht, hört auf damit!

Es gibt in München also keine aktuelle neue Produktion, in der Sie singen möchten?

Ich habe da ein paar Ideen. Der Direktor ist ja mein Fan! Ich verehre Nikolaus Bachler, und er verehrt mich. Überall auf der Welt hat er mich schon gesehen. Er kennt mich sehr gut. Wir werden schon etwas finden, denn ich liebe dieses Opernhaus! Es ist so wunderbar, die Akustik ist prima. Und ich mag auch euer Essen.

Sind Sie sicher?

Aber ja, das ist nah am rumänischen Essen: Schwein, Mehlspeisen – wundervoll!

Viele junge Sänger kommen aus Ihrer Heimat, Russland, dem ehemaligen Ostblock. Ist die Ausbildung dort besser?

Nein, überall gibt es gute Sänger, das ist wie mit Perlen. Man weiß einfach nie, wo man sie findet.

Aber in der Top-Liga singen doch zur Zeit viele aus dem Osten.

Klar, weil sie nicht so teuer sind. Zumindest am Anfang.

Was singen Sie denn am Donnerstag?

Ein bisschen von allem.

Konkret?

Mal sehen.

Hatten Sie nie Lust auf ein bisschen Wagner, wenigstens im Wagner-Jahr?

Wenn Wagner heute leben würde, würde ich ihn bitten, etwas für meine Stimme zu schreiben. Oder überhaupt für eine Stimme! Wagner schrieb ja wunderschöne Phrasen, aber als Sänger bezahlt man das teuer. Eigentlich müsste ich Jonas bitten, das zu beenden und nur noch Verdi und Puccini zu singen.

Konzert: Donnerstag, 20 Uhr, singt Angela Gheorghiu in der Philharmonie Arien von Verdi, Massenet, Dvorak – u. a. gemeinsam mit dem Tenor Charles Castronovo. Verlosung: Wir verlosen fünf mal zwei Karten fürs Konzert und fünf signierte CDs „Verdi Heroines“. Wer gewinnen will, ruft heute, Dienstag, 5.11., zwischen 12 und 12.05 Uhr an: Telefon 2377-190.

JETZT LESEN

0 Kommentare