Des Zephirs sanftes Wehen: Der Geiger David Garrett und das Verbier Festival Chamber Orchestra mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in der Philharmonie

Es stimmt schon, dass viele Musikkritiker auf David Garrett reagieren wie der Teufel auf Weihwasser. Auch ich gestehe, dass es Damen und Herren der Violine gibt, die meinem Herzen näher stehen. Aber es lohnt es sich, hin und wieder bei einem Konzert dieses Geigers vorbeizuschauen: Denn was er tut, das macht er ehrlich.

Am Sonntag spielte Garrett in der ausverkauften Philharmonie die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi: geradeheraus, frisch mit schönem Ton und ausdrucksstark gestalteten langsamen Sätzen. Garrett verkniff sich die schroffen Härten, die sich seine Kollegen auf alten Instrumenten leisten, er verwandelte den venezianischen Barockmeister aber auch nicht in einen frühen Jazzer.

Es war beste, solide Handwerksarbeit ohne Faxenmacherei, die da geboten wurde. Der Österreicher Christoph Koncz, der im ersten Teil das wackere Verbier Festival Chamber Orchestra dirigiert hatte, saß am ersten Geigen-Pult und las vor jedem Konzert das zugehörige Sonett von Vivaldi. Hätte der Stimmführer der zweiten Geigen der Wiener Philharmoniker den Leuten noch erklärt, dass „Zephyr“ ein poetischer Name für den Westwind mit antiken Wurzeln ist, wäre es richtig perfekt gewesen.

Frisch arrangiert

Im ersten Teil gab es süße Teilchen für Violine: Tartinis „Teufelstriller“-Sonate, einen langsamen Satz aus einem Paganini-Konzert und die 24. Caprice. Garrett erklärte, was es mit Belcanto oder der Virtuosität auf sich hat und würzte mit ein paar Anekdoten nach. Fast alle Stücke waren frisch arrangiert, was Geschmackssache ist. Und als Musikkritiker muss man leider anmerken, dass das Orchester den Solisten mehr als einmal zu übertönen drohte.

Garrett spielt für Leute, die Klassik mögen, aber statt einer ausgewachsenen Symphonie lieber kürzere Stücke hören wollen. In einem solchen Konzert muss sich niemand vom Platznachbarn anpflaumen lassen, wenn er an der falschen Stelle klatscht. Als es mal passierte, erklärte Garrett, dass das zu verschiedenen Zeiten verschieden geregelt war und deshalb alles erlaubt ist, was gefällt.

Eine zweite Zugabe wäre nett gewesen. Und ein weiteres Argument für einen Konzertsaalneubau gab es auch: Bei einem überwiegend von Damen besuchten Abend herrscht im Gasteig ein Mangel an stillen Örtchen, der dem Zivilisationsgrad unserer Stadt nicht angemessen ist. Das mag in eine Konzertkritik nicht passen, aber es ist ein Zustand, der einen ärgert.