Seit Dienstag offiziell Trotz Kritik: Der Sattlerplatz geht an Hirmer

, aktualisiert am 07.11.2017 - 18:23 Uhr
Der alte Postparkplatz, mittlerweile Sattlerplatz genannt, soll entwickelt werden. Ein Teil von ihm geht an den Münchner Herrenausstatter Hirmer. Das Parkhaus rechts wird abgerissen. Foto: Petra Schramek

Hirmer kriegt den Sattlerplatz: Der Stadtrat segnet hinter verschlossenen Türen den umstrittenen Grundstücks-Deal ab. Kritiker sind entsetzt. Das Rathaus fördere die Kommerzialisierung der Altstadt.

Altstadt - Ein besonderes Schmuckstück ist der Sattlerplatz nicht: ein abbruchreifes Parkhaus, dazu ein alter Postparkplatz. In der Münchner Altstadt ist dieses Grundstück aber eines der wenigen, das man noch überplanen kann.

Das Parkhaus am Färbergraben kommt demnächst weg. Der Grund gehört der Stadt. Und die hat den Großteil davon gestern im Erbbaurecht für 60 Jahre an den Herrenausstatter Hirmer vergeben.

Bereits im Vorfeld war dieser Deal höchst umstritten. Von einer weiteren Kommerzialisierung der Innenstadt war die Rede. Das "Münchner Forum" witterte sogar eine Art Mauschelei. "Die Stadt München wäre als Eigentümerin die Herrin eines Verfahrens gewesen", schreibt das "Forum" in einer Mitteilung, "an dieser Stelle einen Kontrapunkt zu setzen gegen die überkommerzialisierte Innenstadt, wo globale Handelsketten, internationale Anwaltsfirmen und Finanzdienstleister sowie Wohndomizile von mehreren hundert Quadratmetern und untergenutzten Opernwohnungen dabei sind, dem bezahlbaren Wohnen und Leben in der Innenstadt endgültig den Garaus zu machen."

Und weiter: "Denkbar wäre auch, dass an dieser Stelle die Stadt beispielgebend bezahlbares Wohnen in der Altstadt vorbildhaft praktiziert und/oder anderswo verdrängtem traditionellen Versorgungsgewerbe zu günstigen Konditionen - wie im Rathaus am Marienplatz, wie im Ruffinhaus am Rindermarkt - eine neue Heimat bietet. Aber: nichts davon!"

Die Große Koalition aus CSU und SPD drückte den Beschluss trotzdem am Dienstag in einer nicht-öffentlichen Sitzung durch.

Das Grundstück sei wie jedes andere auch ganz regulär ausgeschrieben worden, sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Zudem sei von Anfang an klar gewesen, dass es an ein alteingesessenes Münchner Unternehmen gehen sollte. Und da habe sich eben nur Hirmer beworben.

Der Herrenausstatter will am Sattlerplatz nun sein unweit gelegenes Stammhaus erweitern. Zudem sollen in dem geplanten Neubau Büros und Mietwohnungen entstehen.


AZ-Kommentar: Die mutlose Variante

Vize-Chefredakteur Thomas Müller über den neuen Sattlerplatz.

Eigentlich ist es ein Grund zur Freude: Die alte Hochparkgarage am Sattlerplatz wird endlich abgergissen – ein großer Schandfleck aus der Altstadt verschwindet. Was die Freude freilich trübt: Die Stadt reicht ihren Grund und Boden weiter an einen Investor. Nicht an irgendeinen – an das Münchner Traditionshaus Hirmer. Immerhin. Um dann aber den hinlänglich bekannten Altstadt-Mix aus (unbezahlbarem) Wohnen, (wenig überraschendem) Einzelhandel und (sündteuren) Büros zu errichten. Klingt nach der mutlosen Variante.

Mal ehrlich: Dass der Stadt an dieser Stelle nichts Besseres einfällt als die altbekannte Nutzungs-Trias, ist enttäuschend. Was spräche denn dagegen, an dieser Stelle mal was Neues zu wagen, kleinen Läden oder Handwerkern eine bezahlbare Heimstatt zu errichten? So wie im Ruffinihaus – bloß halt in Neu?

Wenn man sich erinnert, wie groß das Geschrei war und ist beim Umgang des Freistaats mit "seiner" Alten Akademie, so muss man feststellen: Was dem einen seine Akademie, ist dem anderen sein Sattlerplatz.

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