Gehirnerschütterung, Prellungen, Blutergüsse: Im Allgäu wird eine 15-Jährige beim Klausentreiben von einem Verkleideten angegriffen und übel verprügelt.

Weiler-Simmerberg - Sie kann nicht mehr schlafen. Nachts läuft die 15-Jährige ruhelos in ihrem Zimmer umher. Der Kopf und die Beine schmerzen, ihre Hand kann sie kaum bewegen. „Wenn sie versucht zu schlafen und die Augen zumacht, taucht der Klaus mit seiner dunklen Fratze und den vier Hörnern wieder auf“, so berichtet Jasmins Mutter.

Am Dienstagabend ist ihre Tochter in ihrem Heimatort im Westallgäu in ein Klausentreiben geraten. Was einer der Klausen anschließend mit dem Mädchen anstellte, geriet offensichtlich außer Kontrolle: Mit einem dunklen Fellkostüm getarnt, schlug der kräftige Bursche immer wieder mit einer Eisenkette und einem Stecken auf die Schülerin ein. Die Zottelgestalt mit schwarzweißem Fell ließ Jasmin (Name geändert) auch nicht gehen, als sie schluchzend und tränenüberströmt um Gnade flehte. „Meine Tochter hatte Angst um ihr Leben“, sagte die Mutter zur AZ.

Jasmin wollte mit ihrer Freundin nur schnell zum Drogeriemarkt im Ort laufen, um etwas zu kaufen. Als die Mädchen die ridolin-Holzer-Straße in Weiler-Simmerberg im Westallgäu (6500 Einwohner), entlang gingen, kamen ihnen die lärmenden Klausen entgegen.Der Albtraum, der dann folgte, soll fast 20 Minuten gedauert haben. Zuerst mussten die Mädchen unter Drohgebärden singen – was sie auch taten. Doch dabei blieb es nicht. Insbesondere einer der Klausen, ein etwas dickerer, dunkel Maskierter mit Brille, soll sie erbarmungslos verdroschen haben.

Immer aufs Neue mussten die Freundinnen singen. Dann ließen die Klausen (unter denen auch ein verkleidetes Mädchen war) sie scheinbar gehen – um ihr grausames Spiel wenig später zu wiederholen. Kaum waren Jasmin und ihre Freundin ein paar Meter geflüchtet, holten sie die Klausen wieder ein und fielen dröhnend und höhnend über die Mädchen her.
Der Haupttäter soll gedroht haben: „Ihr kriegt euer Fett weg!“ Vor allem hatte er es offenbar auf Jasmin abgesehen. Als sie weglief, brüllte er ihr hinterher: „Lauf um dein Leben!“ Auch soll er der Schülerin mit den Worten „Du sollst verrecken“ ein Kreuz als Todeszeichen auf den Rücken gemalt haben. „Meine Tochter hatte Angst um ihr Leben“, sagt die Mutter. „Als sie nach Hause kam, hat sie nur noch geweint.“

Im Krankenhaus wurde später eine Gehirnerschütterung, zahlreiche Blutergüsse und eine Prellung der linken Hand diagnostiziert. Auch die Bänder sind überdehnt, die Hand wurde gegipst. Die Eltern erstatteten bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt.

Ein Beamter der zuständigen Polizei in Lindenberg (Telefon 08381-92010) sagt: „Mit Brauchtum hatte das gar nichts mehr zu tun.“ er mit schwarzweißem Fell und Hörnern bekleidete Klaus schlug nach Angaben der Polizei massiv auf das Mädchen ein und fügte der 15-Jährigen Prellungen und Striemen zu.Für die Mutter steht fest: „Nächstes Jahr lasse ich meine Kinder um diese Zeit nicht mehr aus dem Haus.“

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