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Klassik Dieses Eichkatzerl beerbt die Netrebko

Robert Braunmüller, vom 30.01.2012 16:28 Uhr
Klassische Form-Schönheit: Olga Peretyatko hat nicht nur eine grandiose Stimme, sondern beherrscht auch Sprachfärbungen. Foto: Sony
Klassische Form-Schönheit: Olga Peretyatko hat nicht nur eine grandiose Stimme, sondern beherrscht auch Sprachfärbungen. Foto: Sony

Gleißende Höhen, funkelnde Koloraturen: Olga Peretyatko ist der neue Klassik-Superstar

Während Moskau weiter üppige Matronen mit noch üppigerem Vibrato zu uns sendet, hat sich St. Petersburg zur nördlichsten Musikmetropole Italiens gewandelt. „La bellezza del canto” nennt sich die erste Platte von Olga Peretyatko. Sie hat am Mariinski-Theater ausnahmsweise nicht als Putzfrau begonnen, sondern 15-jährig im Kinderchor und setzt nun zum Höhenflug an.

Natürlich spekuliert sie auf den Netrebko-Effekt. Mit hochgesteckten dunklen Haaren sieht sie ihrer Kollegin ziemlich ähnlich. Die gleichen Rollen singt sie auch: Arien aus Massenets „Manon”, Donizettis „Lucia di Lammermoor”, Verdis „Rigoletto” und (als Zugabe) „Je veux vivre” aus Gounods „Roméo et Juliette" entflammten am Sonntag den ausverkauften Herkulessaal.

Die Peretyatko ist keine Zwitschermaschine, die nur mit gut geölter Technik brilliert. Ihre Stärken sind gleißende Höhen und funkelnde Koloraturen, noch mehr aber überrascht die Macht ihrer sehr kontrolliert eingesetzten Riesenstimme. Wenn sie die Figuren etwas weniger püppchenhaft, frecher und eine Spur persönlicher anlegen würde, wäre die Freude über diese Sängerin noch größer.

Bei der Puppe Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen” störte das nicht. Es folgte eine von Michael Güttler lieblos dirigierte und vom Münchner Rundfunkorchester vor allem laut gespielte „Fledermaus”-Ouvertüre. Dann begann das Staunen erst richtig: In Adeles „Spiel ich die Unschuld vom Lande” bekam die Russin sogar das Wort „Eichkatzerl” fehlerfrei heraus – und das trotz eines Studiums in Berlin. Nach zwei regulären Zugaben erzwang das Publikum die Wiederholung einer Arie aus Rossinis „Turco in Italia”. Diese Russin muss sich nicht in Olga Eichkatzerl umtaufen lassen. Wer diese bemerkenswerte Stimme gehört hat, merkt sich ihren zungenbrecherischen Namen freiwillig.

Olga Peretyatkos CD „La bellezza del canto” bei Sony

Kommentare (3)
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FEB
08
15:52 Uhr, geschrieben von alex
Großer Respekt und Danke!
Nicht, dass ich jetzt eingebildet werde! Aber es freut mich doch, dass ein Berufsredakteur und Kulturfachmann mir Laien, der klassischen Gesang mag, antwortet! Ja, ich habe den Artikel mißverstanden! Mea culpa! In unserer Zeit, das wissen Sie besser als ich, dauern Karrieren oft immer kürzer! In der Tat, Frau Netrebko möchte ich in dramatischen und hochdramatischen nicht hören. Das hielte ihre Stimme nicht aus! Zudem, auch da haben Sie Recht, Frau Peretyatko macht laut Foto wirklich auf Netrebko! Weiter viel Freude bei Ihrem schönen Beruf ! Freundliche Grüsse. alex
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FEB
06
13:20 Uhr, geschrieben von Robert Braunmüller
zu alex
Lieber Alex, die Netrebko will in Zukunft stärker dramatische Rollen singen. Angesichts dieses Fachwechsels darf schon ein bißchen über eine Nachfolge spekuliert werden. Nur in dem Sinn ist das gemeint, vielleicht aber nicht deutlich genug formuliert. Zumal Frau Peretyatko es auf ihren Bildern anlegt, der Netrebko zu gleichen. Davon abgesehen halte ich sie für eine bemerkenswerte Sängerin.
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FEB
01
08:40 Uhr, geschrieben von alex
Wie bitte?
Es ist gerade knapp 10 Jahre her, dass Frau Netrebko bei den Salzburger Festspielen in Mozarts`s Don Giovanni ihren großen Durchbruch hatte! Sicher, es kommt gottlob immer guter Nachwuchs, aber warum bezeichnen Sie Frau Peretyatko bereits als Nachfolgerin von Frau Netrebko? Das Feuilleton der AZ habe ich seit meiner Gymnasiakzeit in Erinnerung als ein äußertst lesenswertes Medium, weit überhalb des sogenannten Boulevards!
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