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Klassik am Königsplatz Tiefkühlkost satt

Robert Braunmüller, vom 01.08.2011 00:00 Uhr
 Foto: dpa
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"Schön wars, aber kalt”, sagte eine Dame beim Rausgehen. Wegen der luftigen Randbebauung ist der Königsplatz ein recht zugiger Konzertsaal. Nur ein paar Schritte weiter Richtung Stiglmaierplatz wird es fühlbar ein paar Grad wärmer. So ungerecht kleinteilig ist unser musikfeindliches Stadtklima.

Freundlicherweise fiel aus den dräuenden Wolken kein Tröpflein. „Ich hätte mich für meine Heimatstadt furchtbar geschämt, wenn wir den Bach runtergegangen wären”, sagte Jonas Kaufmann. Dann grüßte er zur Musikhochschule in die Arcisstraße hinüber, wo er 1994 erfolgreich examiniert wurde. „Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ich einmal hier singen würde!” Eine Ovation der studentischen Zaungäste antwortete ihm vom Dach der Hochschule.

Kaufmann imponierte im „Addio alla madre” aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana” mit einer Italianitá, wie sie kein deutscher Tenor vor ihm je hatte. Auch beim Richard-Tauber-Lied „Du bist die Welt für mich” fühlte er sich sichtlich wohl. Als Zugabe schmetterte er Franz Lehàrs „Freunde, das Leben ist lebenswert” mit einer überschwänglichen Heldenkraft, die nach seinem verschatteten Liederabend im Nationaltheater doch überraschte.

Bei Kartenpreisen von 95 bis 341 Euro regierte überhaupt der Überfluss: Im Unterschied zur Arienabend-Normalroutine drängten sich die Orchesterstücke nicht übermäßig in den Vordergrund. Gounods „Rondo vom Goldenen Kalb” und die Kerkerszene aus Verdis „Troubadour” gab es hochseriös komplett mit dem Philharmonischen Chor.

Sind die Netrebko, ihr Verlobter und Kaufmann wirklich einen Haufen Geld wert, mag sich mancher Zuhausegebliebener fragen. Sie sind es, weil sie das Konzertpodium in jeder Szene in eine Opernbühne verwandeln und jedem Einzelnen der rund 15000 Zuhörer das Gefühl geben, sie würden für ihn persönlich singen.

Beim Duett aus Gershwins „Porgy and Bess” wurde einem warm ums Herz: Hier gab Anna ihrem Verlobten endlich das keusche Küsschen, welches sie vor der Pause in der Szene aus Massenets „Manon” Jonas Kaufmann verweigerte. Die Temperatur stieg bei Erwin Schrotts Zarzuela-Nummer weiter, ehe sie im bombastische Finale aus Gounods plüschigem „Faust” zum offiziellen Beschluss nach zweidreiviertel Stunden wieder leicht um einige Grad abfiel. Viele Zuhörer rannten bibbernd weg, ohne die eilig abgespulten Solo-Zugaben inklusive Tango und „O mio babbino caro” ganz abzuwarten. Ein krönendes Terzett Nummero drei gab das Opernrepertoire ohnehin nicht her.

Die Verstärkung begünstigte die Sänger und ließ die Prager Philharmonie unter Marco Armiliato hart scheppern, wo es auf brillante Höhen ankäme. Das kann „Klassik am Odeonsplatz” besser. Ein paar Nummern wirkten nicht überprobiert, aber das ist bei solchen Events egal. In einem echten Sommer wär’s ein unvergesslicher Abend geworden. Nördlich von Verona ist Musik unter freiem Himmel halt immer eine Wette aufs Wetter. Selbst im Süden soll es manchmal Gewitter geben.

Kommentare (2)
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AUG
01
17:30 Uhr, geschrieben von Hörer
Leistung Kaufmann
Mit "verschattet" ist die schlechte Vorstellung eines Jonas Kaufmann bei seinem Liederabend noch liebevoll umschrieben. Wer so ein großer Star sein will, muss halt auch entsprechend Leistung bringen. Aber für dieses Königsplatz-Event gibt's halt mehr Geld, als von der BSO - und dann ist dort der Hörer der Dumme.
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JUL
31
19:53 Uhr, geschrieben von leonora12
Verschattet?
Wieso verschatteter Liederabend? Waren Sie bei Jonas Kaufmanns Liederabend oder haben sie nur die Artikel ihrer scheinbar nicht sonderlich qualifizierten Kollegen bei anderen Zeitungen gelesen? Ich bin kein Fachmann aber ich fand den Liederabend fantastisch wie auch einige andere Kollegen von Ihnen. z B Mittelbayerische Zeitung: Melodische Bögen wie lange nicht gehört Klassikinfo.de: Fülle des Audrucks
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