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Kino: "Dame, König, As, Spion" Im Netz des Misstrauens

Volker Isfort, vom 01.02.2012 16:05 Uhr
George Smiley (Gary Oldman) und Control (John Hurt) in einer Szene des Kinofilms Dame, König, As, Spion. Foto: StudioCanal
George Smiley (Gary Oldman) und Control (John Hurt) in einer Szene des Kinofilms "Dame, König, As, Spion". Foto: StudioCanal

Ein Meisterwerk: Tomas Alfredson verfilmt John le Carrés „Dame, König, As, Spion” neu

Als John le Carré Anfang der 60er Jahre seinen Agenten George Smiley erfand, war dieser schon ein Gegenentwurf zu James Bond: Ein Mann, den die eigene Frau immer wieder verlässt und betrügt, unfähig zu sozialen Bindungen oder körperlichen Auseinandersetzungen, getrieben allein von seinem brillanten Intellekt.

Während im Kino die Bondästhetik gefährlich in die Nähe von Computerspielen geraten ist, hat sich die 80-jährige Autorenlegende le Carré als Mitproduzent aufgeschwungen, einer neuen Generation noch einmal zu zeigen, wie ein intelligenter Spionagefilm aussieht. „Dame, König, As, Spion” nach seinem Bestseller aus dem Jahr 1974 ist ein Thriller, der die aktuelle Kino-Konkurrenz alt aussehen lässt.

Die Grundkonstruktion ist einfach: MI6-Chef Control (John Hurt) hat Hinweise darauf, dass ein „Maulwurf” unter seinen engsten Mitarbeitern agiert. Als sein Agent Jim Pridaux (Mark Strong) in Budapest auffliegt, muss Control den Hut nehmen, auch seine rechte Hand George Smiley (Gary Oldman) wird in Rente geschickt. Die jüngeren Karrieristen haben nun das Sagen. Smiley ermittelt allerdings verdeckt weiter, er will den Verräter finden.

Die melancholische Grundatmosphäre des Romans hat Regisseur Tomas Alfredson in den Mittelpunkt seines Meisterwerks gestellt und beklemmend bebildert. Die jazzige Musik von Alberto Iglesias verstärkt den kunstvollen Retro-Charakter des Films.

Im Kalten-Kriegs-Klima aus Angst und gegenseitigem Misstrauen überragt Gary Oldman als maskenhafter Smiley, dessen Selbstkontrolle nur kurz aus den Fugen gerät, als er auf der Silvesterfeier sieht, wie seine Frau seinen Kollegen Bill Haydon (Colin Firth) küsst und er später erfahren muss, dass Control auch ihn, den Ziehsohn, in den Kreis der möglichen Verräter einbezog.

Er habe die Agentenwelt immer als Metapher für die reale Welt gesehen, sagt le Carré. So ist dieser Film eine zeitlose Parabel über Loyalität und Verrat, ein in langsamem Tempo ablaufendes Puzzle mit vielen Zeitsprüngen, das vom Zuschauer allerdings höchste Konzentration erfordert. Derart intelligent ist man im Kino schon lange nicht mehr unterhalten worden.

Kino: Atelier, Cinema (OV), Eldorado, Leopold, Mathäser, Museum Lichtspiele (OmU), Neues Arena
R: Tomas Alfredson (GB, 127 Min.)

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