Noch vor zwanzig Jahren wurde halb so vielen Eltern das Sorgerecht entzogen wie 2011. Der Grund: Gefährdung des Kindeswohls.

Wiesbaden - Deutsche Familiengerichte haben wegen der Gefährdung des Kindeswohls Eltern im vergangenen Jahr nahezu doppelt so oft das Sorgerecht entzogen wie vor zwanzig Jahren.

Anzeige

Etwa 12 700 Kinder waren von dieser Entscheidung betroffen. Das waren rund 5700 mehr als vor 20 Jahren und etwa 4600 mehr als vor 10 Jahren, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch berichtete.

Im Vergleich zum Rekordjahr 2010 waren es zwar 48 Kinder weniger, deren Eltern das Sorgerecht ganz oder teilweise verloren haben. Die Quote stieg aber 2011 erstmals auf zehn von 10 000 Kindern. Im Vorjahr hatte sie noch neun betragen. In den Jahren 1991 bis einschließlich 2004 waren fünf von 10 000 Kindern und Jugendlichen betroffen.

Zum Sorgerecht gehört das Wohlergehen des Kindes und die Verwaltung seines Vermögens. Das Recht kann ganz oder teilweise entzogen werden. Die Familiengerichte können zudem beiden Eltern oder nur einem Elternteil das Sorgerecht aberkennen.

Das Sorgerecht für etwa 9600 Mädchen und Jungen übertrugen die Gerichte im vergangenen Jahr auf die Jugendämter. Bei jedem fünften von ihnen wurde den Ämtern nur das Recht zugesprochen, über den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen. Bei den übrigen 3100 Kindern übernahmen andere Erwachsene oder ein Verein das Sorgerecht.

Das Sorgerecht wird entzogen, wenn die Gefährdung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes anders nicht abzuwenden ist. Rechtsgrundlage ist das Bürgerliche Gesetzbuch.