Kaum vermittelbar Münchens Flüchtlinge: Jobcenter legt Bildungsniveau offen

Das Münchner Jobcenter setzt vor allem auf die Ausbildung der Jugendlichen. Foto: Martin Schutt/dpa

Nur ein kleiner Bruchteil der arbeitslosen Flüchtlinge in München kann eine Ausbildung vorweisen. Der Weg in den Arbeitsmarkt ist lang.

München - Um die Bildung vieler Flüchlinge ist es nicht gut bestellt. Diese Befürchtung stand lange im Raum, nun bestätigen konkrete Zahlen der Bundesagentur für Arbeit die Vermutung.

Im März 2017 waren 9.632 Flüchtlinge beim Jobcenter München. 80 Prozent von ihnen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, bei elf Prozent konnte das Jobcenter keine Angaben machen. Zahlreiche Flüchtlinge bringen Bildungsabschlüsse mit, die in Deutschland nicht anerkannt sind. Nur vier Prozent können tatächlich eine praktische, fünf Prozent eine akademische Ausbildung vorweisen.

Nicht alle der 9.632 erwerbsfähigen Personen müssen sich aktuell einen Job suchen. Darunter sind Frauen mit kleinen Kindern, Auszubildende, Schüler. Arbeitslos gemeldet waren demnach nur 2.750 Flüchtlinge.

Dennoch: Diesen Rückstand aufzuholen, ist eine Mammutaufgabe. Denn viele der Geflüchteten haben nicht mal die nötige Schulbildung, die sie für eine Lehre qualifiziert. Über die Hälfte kann keinen Abschluss vorweisen: 2.698 Personen haben überhaupt keinen, bei 2.611 existieren keine Angaben. Ein Viertel hat einen Hauptschulabschluss, fünf Prozent die Mittlere Reife und drei Prozent eine Fachhochschulreife. Der Anteil der Abiturienten fällt mit 13 Prozent im Vergleich hoch aus.

Es ist ein Marathon

Bis die Menschen tatsächlich in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können, wird also noch einige Zeit vergehen. Integration sei ein Marathon und kein Sprint, teilte ein Sprecher des Jobcenters mit. Viele Flüchtlinge müssen zunächst Deutsch lernen. Arbeitgeber oder Ausbildungsbetriebe verlangen meist Sprachniveau B2. Nur gut ein Drittel der Flüchtlinge beim Jobcenter verfügt jedoch über Sprachkenntnisse ab Niveau A2. In einigen Fällen beginnt der Prozess bei Null, unter den Flüchtlingen sind Analphabeten.

Laut Prognosen der Bundesagentur für Arbeit soll in fünf Jahren rund die Hälfte der Flüchtlinge in Deutschland einen Job aufgenommen haben. Das Jobcenter München sieht sich da auf einem guten Weg: Im vergangenen Jahr fand mehr als ein Viertel der Flüchtlinge über das Jobcenter eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Lesen Sie auch: München platzt - und in der Pampa wird gebaut


Anmerkung der Redaktion: Da bei dieser Thematik erfahrungsgemäß nicht mit einer sachlichen Diskussion zu rechnen ist, sehen wir uns leider gezwungen, die Kommentarfunktion für diesen Beitrag zu deaktivieren.

JETZT LESEN