David Bowie ist tot. 18 Monate lang hatte der Musiker gegen seine Krebserkrankung gekämpft. Im Alter von 69 Jahren hat das "Chamäleon des Pop" ihn schließlich verloren. Auf Twitter zeigen sich die Promis bestürzt über die Todesnachricht.

London - Der Rockmusiker David Bowie ist tot. Der Fernsehsender Sky zitierte am Montag einen Sprecher Bowies, der sagte, ein entsprechender Facebook-Eintrag sei korrekt.

Demnach starb Bowie am Sonntag nach einem 18 Monate langen Kampf gegen den Krebs. Er soll friedlich im Kreise seiner Familie eingeschlafen sein.

Bowies Sohn Duncan Jones schrieb bei Twitter, er sei sehr traurig sagen zu müssen, dass die Todesnachricht wahr sei. Dazu postete er ein altes Bild, auf dem zu sehen ist, wie er als Kleinkind auf Bowies Schultern sitzt.

 

 

David Bowie gehörte zu größten und einflussreichsten Musikern der vergangenen Jahrzehnte. Der Brite hatte erst in der vergangenen Woche ein neues Album herausgebracht: "Blackstar" erschien am Freitag - an Bowies 69. Geburtstag.

 

Prominente entsetzt über Bowies Tod

 

Unmittelbar nach der Nachricht über den Tod von Bowie haben sich Prominente in aller Welt bestürzt geäußert. Musiker Kanye West twitterte: "David Bowie war eine meiner größten Inspirationen, so furchtlos, so kreativ."

 

 

Schauspieler Russell Crowe schrieb bei dem Kurznachrichtendienst: "Ich habe deine Musik geliebt. Ich habe dich geliebt. Einer der größten Unterhaltungskünstler, der je gelebt hat."

 

 

Der Musiker Rea Garvey würdigte Bowies Werk mit diesen Worten: "Die Welt hat heute einen Helden verloren!".

 

 

"Ich habe gerade einen Helden verloren", schrieb auch der britische Komiker Ricky Gervais.

 

 

"Blackstar": So ist das neue Album von David Bowie

Bowie wurde gerne als das "Chamäleon des Pop" bezeichnet. Er selbst wies diesen Vergleich von sich - schließlich passe sich das Chamäleon an seine Umwelt an, bei ihm sei es umgekehrt. Tatsächlich hat Bowie mit seinem Sound und seinen Outfits die Musikwelt mehr als einmal revolutioniert.

Bowie wusste schon als Teenager, dass er zum Superstar werden will. Das Erfolgsrezept fand er allerdings nicht auf Anhieb. Auf dem schlicht "David Bowie" betitelten Debüt-Album spielte Bowie 1967 noch Pop und präsentierte sich auf dem Cover brav mit Pilzkopf. Dass Bowie diesen Flop wohl gleich wieder vergessen wollte, zeigt sich schon daran, dass er den etwas rockigeren Nachfolger 1969 zunächst ebenfalls wieder unter dem Titel "David Bowie" in die Läden stellte.

Besser bekannt ist das Werk heute als "Space Oddity". Der Gleichnamige Song schaffte es auf Platz fünf der britischen Charts, das Album blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Für viele Kritiker gilt Bowies drittes Album "The Man Who Sold The World" als eigentlicher Startschuss seiner Karriere. Musikalisch wandte er sich dem Hardrock zu, optisch experimentierte er erstmals mit androgynen Looks - auf der bekanntesten Variante des Covers räkelt Bowie sich in einem Kleid auf einem Sofa.

 

Durchbruch als Ziggy Stardust

 

Der ganz große Durchbruch kam erst zwei Alben später mit der Erfindung seiner bis heute bekanntesten Bühnenpersönlichkeit: Ziggy Stardust. Nach dem Konzeptalbum "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" (1972) ging Bowie ein Jahr lang in der Rolle des sexuell indifferenten Alien-Rockstars auf Welt-Tournee, am Ende ließ er sein Geschöpf den Bühnentod sterben. Zuvor hatte Ziggy ganz nebenbei geholfen, den Glam Rock aus der Taufe zu heben.

Danach blieb Bowie zunächst mit einigen Variationen dem Glam-Look treu, in der Musik experimentierte er mit Soul und Funk. 1976 trat Bowies wohl schockierendste Figur auf den Plan: The Thin White Duke. Im eleganten 20er-Jahre-Outfit war der Sänger zwar "normaler" gekleidet als je zuvor, dafür sah man seinem ausgemergelten Gesicht inzwischen deutlich den jahrelangen Drogenkonsum an. In wirren Interviews flirtete er darüber hinaus mit dem Faschismus - im Nachhinein führte Bowie sein Gerede ausschließlich auf seine damalige Kokain-Sucht zurück.

 

Neuerfindung in Berlin

 

Um von den Drogen wegzukommen und neue Impulse zu finden, zog Bowie wenig später nach West-Berlin. Dort ließ er sich von der aufblühenden Musikszene zu seiner "Berlin-Trilogie" inspirieren, die Einflüsse aus dem Krautrock und der Elektronik-Pioniere Kraftwerk aufwies. Mit "Heroes" stammt einer von Bowies bekanntesten Hits aus dieser Ära.

In der ersten Hälfte der 80er wurde Bowie musikalisch wieder deutlich zugänglicher und schwamm mit Hits wie "Let's Dance" und "China Girl" ganz oben auf der Pop-Welle mit. Nach einigen Flops wurde es Mitte der 80er ruhig um Bowie, bis er 1989 mit einem völlig unerwarteten Image auftauchte - quasi ohne Image. In der Band Tin Machine wollte er als einer von vier gleichberechtigten Musikern auftreten. 1992 war das Projekt auch schon wieder Geschichte und Bowie widmete sich wieder seiner Solokarriere.

 

Business-Pionier der 90er

 

In den 90ern experimentierte Bowie weiter mit aktuellen Strömungen wie Drum and Bass, blieb in der Musiklandschaft allerdings eher zweitrangig. Wenn es um neue Vermarktungsmodelle ging, war er allerdings vorne mit dabei. Mit den "Bowie Bonds", Anleihen auf zukünftige Einnahmen aus 300 seiner Songs, nahm er auf einen Schlag 55 Millionen US-Dollar ein. Auch gehörte er zu den ersten Stars, die die Wichtigkeit einer Internetpräsenz erkannten. Seine Webseite ging bereits 1996 online.

Nachdem er 2004 während der Tour zu seinem 23. Album "Reality" (2003) auf dem deutschen Hurricane Festival einen Herzinfarkt erlitt, reduzierte Bowie seine Aktivitäten drastisch. Seitdem tritt er nur noch vereinzelt zu besonderen Anlässen auf, und es dauerte bis 2013, ehe er sich mit einem neuem Studioalbum zurückmeldete. "The Next Day" fiel für Bowie-Verhältnisse ungewohnt rückwärtsgewandt aus - vielleicht war es aber auch einfach an der Zeit, in die Rolle des Nostalgikers zu schlüpfen. Das Publikum freute sich unterdessen einfach über das Comeback und bescherte Bowie mit "The Next Day" einige seiner höchsten Chartplatzierungen.