Dieser Tage hört man immer wieder, dass Flüchtlinge hier in Deutschland Smartphones vom Staat finanziert bekämen. Dieses Vorurteil ist ebenso falsch wie fremdenfeindlich motiviert. Wir klären auf, weshalb Flüchtlinge Handys brauchen und wo sie herkommen.

München – "Warum haben viele Flüchtlinge Handys?" Diese Frage steht inzwischen sogar auf der offiziellen Homepage der Landeshauptstadt München in der Rubrik "Informationen und Fakten". Grund dafür sind zahlreiche Artikel und Kommentare im Internet, die suggerieren, dass deutsche Staatsbürger Smartphones und die dazugehörigen Verträge von ihrem eigenen Geld bezahlen müssten, während  Flüchtlingen alles geschenkt wird.

Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus. Mobilfunkverträge zählen nicht zu den Leistungen, die Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland erhalten. Handys oder Smartphones ebenso nicht.

Woher bekommen die Flüchtlinge ihre Handys?

Wieso laufen dann so viele Asylbewerber mit Handys rum? Diese Frage ist sehr leicht zu beantworten und offenbart die Not der Flüchtlinge und Vertriebenen: Sie begeben sich auf eine Reise um die halbe Welt, um Krieg und Zerstörung zu entgehen. Dabei können sie nur das nötigste mit sich führen, kaum mehr, als in einen Rucksack und die Jackentaschen passt. Das Mobiltelefon ist dabei der letzte Draht in die Heimat, zu Familie und Freunden.

Aber ein Smartphone ist heutzutage schon lang nicht mehr nur ein Telefon. Man kann damit Nachrichten verschicken, navigieren, sich informieren und sogar Worte übersetzen. All dies sind Dinge, die im Großstadtdschungel oder im Urlaub praktisch sind. Auf der Flucht werden sie überlebenswichtig.

Und spätestens an diesem Punkt dürfte klar werden: Die meisten Flüchtlinge haben ihre Handys und Smartphones aus der Heimat mitgebracht und nicht hier in Deutschland bekommen. Es handelt sich dabei auch nicht um tolle Apple iPhones oder Samsung Galaxies, sondern um uralte klassische Handys wie die scheinbar unzerstörbaren Nokias und günstige Smartphones, die speziell für Dritte-Welt-Märkte produziert werden.

Nur sehr wenige bekommen hier in Deutschland Handys geschenkt. Und auch dann kommen die nicht vom Staat, sondern von Hilfsorganisationen. Die sammeln alte Handys, die Deutsche spenden, wenn sie sich alle zwei Jahre ein neues Top-Smartphone kaufen und dann fürs Vorgängermodell keine Verwendung mehr haben. Und durch diese Spende ermöglichen sie den Flüchtlingen, Kontakt mit der Heimat zu halten.

Wer bezahlt den Flüchtlingen die Handyverträge?

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, erhält lediglich ein paar lebensnotwendige Grundleistungen: Nahrung, Unterkunft, Kleidung, ein paar Utensilien für die Körperpflege, und die allernötigsten Gebrauchs- und Verbrauchsgüter für den Haushalt. Hinzu kommt ein Taschengeld von 140 Euro im Monat.

Von diesen 140 Euro finanzieren die Flüchtlinge unter anderem ihre Handyverträge. Und diese Verträge zählen zu den miesesten im deutschen Mobilfunk-Business. Da die Flüchtlinge die simpelsten Grundanforderungen der klassischen Mobilfunk-Provider, nämlich festen Wohnsitz und einen einwandfreien Schufa-Eintrag, nicht erfüllen können, bekommen sie dort auch keine Verträge. Stattdessen müssen sie sich auf kleinere Provider mit schlechten Konditionen einlassen.

So warnt die Verbraucherzentrale Kaiserslautern beispielsweise vor vielen schwarzen Schafen in der Branche: Sie würden die Sprachprobleme der Flüchtlinge ausnutzen, um ihnen überteuerte Verträge mit langen Laufzeiten anzudrehen.

Da kleine Tarife (mehr gibt das Taschengeld ja gar nicht her) nur geringes oder oftmals gar kein Internet-Volumen beinhalten, ist es selbst für Flüchtlinge mit Smartphone schwer, online nach Informationen zur Lage in der Heimat zu suchen, Übersetzungs-Tools zu nutzen oder Messaging-Dienste wie Skype oder WhatsApp zu nutzen. Sie nutzen daher oft als einzige Alternative öffentliche Hotspots wie es sie beispielsweise an Bahnhöfen gibt.

Keine Flüchtlings-Handys aus Steuergeldern

Unterm Strich bleibt daher die Erkenntnis: Ja, Flüchtlinge haben Handys und Smartphones. Aber die haben sie entweder selbst gekauft oder von mitfühlenden Deutschen geschenkt bekommen. Kein Cent aus Steuergeldern wurde investiert, um Afghanen, Syrer, oder sonstige Flüchtlinge mit irgendwelchen Hightech-Gadgets auszurüsten. Und für die Verträge müssen sie einen großen Teil ihres geringen Taschengeldes aufwenden.

Wer anderslautende Behauptungen aufstellt, tut dies aus einem einzigen Grund: Um Ressentiments und Fremdenhass zu schüren.

Und wer sie weiterverbreitet, tut das entweder aus demselben Grund, oder weil er es nicht besser weiß.

In letzterem Fall hoffen wir, mit diesem Artikel geholfen zu haben. In ersterem Fall dürften Logik und Argumente leider (wie immer) erfolglos bleiben.