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Kammerspiele Es bleibt in der Familie

Gabriella Lorenz, vom 03.02.2012 17:00 Uhr
Gerhard Polt war lange Zeit der Familien-Nikolaus der Wells. Er zählt zum Kreis der wechselnden Gäste des Abends in den Kammerspielen. Foto: Anne Kirchbach
Gerhard Polt war lange Zeit der Familien-Nikolaus der Wells. Er zählt zum Kreis der wechselnden Gäste des Abends in den Kammerspielen. Foto: Anne Kirchbach

Franz Wittenbrink, Regisseur legendärer Musikabende, hat für die Kammerspiele etliche Mitglieder des Well-Clans gewonnen

Als Kinder haben sie dieses Lied gehasst: Das bekennen Moni und Stofferl Well unisono. Und doch ist „Fein sein, beinander bleibn” jetzt der Titel eines Hausmusikabends, den sechs der 15 Well-Geschwister mit Regisseur Franz Wittenbrink an den Kammerspielen erarbeiten. Da sind sie nicht die Biermösl Blosn oder die Wellküren, sondern spielen eine Familienaufstellung der besonderen Art: ohne Hellinger-Therapie, dafür mit viel Musik. Sonntag ist Premiere.

Das Titellied beschwört den familiären Zusammenhalt: „Net aussigrasn”, nicht Fremdgehen, warnt es. Aber wie hält man in einer Großfamilie mit 15 Kindern zusammen? Herrscht da Krieg schon im Kinderzimmer? Liebt man sich, hasst man sich? Wer ist am meisten geschädigt? Hatten’s wirklich alle anderen besser? Das hinterfragen Bärbi, Burgi und Moni Well (sie sind die Wellküren) sowie Stofferl und Michael Well. Hans, der dritte der gerade aufgelösten Biermösl Blosn, wollte nicht mitmachen, dafür ist Karli dabei, der viel bei den Guglhupfa und der Tanzlmusi gespielt hat.

Die Idee zu so einem Familienabend ist bereits zehn Jahre alt. Schon damals fragte Stofferl bei Franz Wittenbrink an: Der war ihr Wunsch-Regisseur. Nicht nur wegen seiner wunderbar komischen Liederabende, sondern vor allem, weil er selbst mit 12 Geschwistern groß wurde und die Strukturen eines familiären Großverbundes kennt.

In jeder Familie pflanzt sich eine zentrale Legende immer weiter fort. Bei den Wells ist es die Story, dass die Moni den dreijährigen Stofferl mit einem Schürhaken fast erschlagen hätte. Wie jeder diese Geschichte in der Erinnerung anders erlebt, erzählen sie in sechs Versionen. „Damit kann jeder seine Position erklären”, sagt Moni. „Jetzt, mit über 50, haben wir Distanz dazu und können drüber stehen.”

Den theatralischen Rahmen für diese Familienanalyse bildet eine Musikprobe für ein neues Programm. Alle Well-Kinder haben von klein auf Musik gemacht und sind öffentlich aufgetreten. „Wir haben daheim nie aus Spaß gespielt”, sagt Stofferl, „das waren immer Proben für einen Auftritt.” Nur sind sie halt keine Kinder mehr: „Wir sind alle über 50 und müssen an die Rente denken”, erklärt Moni augenzwinkernd. „Wir tun so, als spielten wir nur noch zum Geldverdienen. Und nehmen auch Aufträge von der Pharma-Industrie an. Dass das Lied dann etwas anders ausfällt als vom Geldgeber gedacht, ist sein Pech.”

Auch der Pfarrer, der zur Eröffnung einer Weihwasser-Pipeline von Tschenstochau nach Altötting eine Wallfahrts-Hymne bestellt hat, wird sich vielleicht wundern: Weihprom statt Gazprom.
Den Pfarrer sowie einen Ex-Schwager spielen alternativ Stefan Merki und Jochen Noch. Der Schwager setzt sich aus dem Publikum heraus gegen wüste Beschimpfungen zur Wehr. Die Eingeheirateten hätten sich oft schwer getan, meint Bärbi: „Man heiratet die ganze Großfamilie mit.”

Im Zentrum der Vorstellung sitzt die 92-jährige Mutter Traudl Well an der Zither. Sie soll, soweit es es ihre Gesundheit erlaubt, immer dabei sein. „Dieser Abend ist ein Geschenk an unsere Mutter”, sagt Stofferl. „Der Papa hat geschrieben und gereimt. Sie hat drauf geachtet, dass wir die Instrumente lernen und regelmäßig üben.” Dazu kommen jeden Abend wechselnde Gäste: Als erster natürlich Gerhard Polt, der Jahrzehnte mit der Biermösl Blosn zusammengearbeitet hat. „Der Gerhard hat fast 20 Jahre in unserer Familie den Nikolaus gemacht”, erzählt Moni, „der hat uns quasi miterzogen.”

46 Instrumente hängen an einer Wäscheleine, die werden alle gebraucht für viele im Gestus der Volksmusik neukomponierte Lieder (meist von Wittenbrink und Stofferl) oder auf Stubnmusi getrimmte Klassik-Bearbeitungen wie ein Quintett aus „Don Giovanni”. Alles gipfelt in einem riesigen musikalischen Streit – da wird nur noch geblasen und gehupt. Aber mit „Fein sein, beinander bleibn” gibt’s dann ein trügerisches Happy End à la „Così fan tutte”. Stofferl grinst: „Je schöner es kracht, desto enger sitzt man danach beisammen.”

Kammerspiele, Sonntag 19 Uhr, ausverkauft, 7., 16., 25., 28. Feb., 20 Uhr (ausverkauft), Vorverkauf für 5., 8., 15., 21., 30. März ab 16. 2., Tel. 233 96 00

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