Die nordischen Rocker von Sunrise Avenue spielten vergangene Woche auf dem Tollwood - eine AZ-Kritik von Alisa Blöchl.

Rockig bis heiter, trotz Weltuntergangsszenen vor dem Zelt: Bedrohliche Regenwolken türmen sich mehr und mehr über dem Sommertollwood-Gelände auf und einige der Besucher drängen in Richtung der Geherlicher Musik Arena. Pünktlich auf die Minute fängt die für die Allgemeinheit wohl eher unbekannte Band The Pusher an und heizt der Menge mit einem Stilmix zwischen Bon Jovi zu Zeiten von "Slippery when wet" und Nickelback ein.

Anzeige

Die Songtexte animieren zum Mitsingen und bereiten das Publikum Peu à Peu auf den Hauptakt vor: Sunrise Avenue. Punkt halb neun stehen sie dann auch schon auf der Bühne und rocken die ersten drei Songs ohne wirklich ein mal Luft zu holen durch. Leicht verschwizt ergreift dann der Frontmann Samu Haber zum Mikrofon und begrüßt die Menge in einem typischen New Jerseyer Dialekt, Klamotten und Frisur erinnern bei allen Bandmitgliedern eher an California Beach Boys.

Doch bei den Namen stockt man dann: Samu Haber (Gesang und Rhythmus Gitarre), Raul Ruutu (E-Bass und Hintergrundgesang), Sami Osala (Schlagzeug), Riku Rajamaa (Leadgitarre und Hintegrundgesang) und Osmo Ikonen (Keyboard und Hintergrungdgesang). Klar wird einem dieses kleine Paradoxon nach der Erklärung, dass die Jungs gar nicht aus dem großen Land der unbegrenzten Möglichkeiten kommen sondern aus dem kalten, hohen Norden: Finnland. So hoch, wie ihr Heimatland angesiedelt ist, ist auch das gesamte Können der Band.

Selten habe ich eine so junge Band gesehen (aktuelle Besetzung existiert erst seit 2009), die live das umsetzen kann, was sie uns auf ihren Platten verspricht. Der Gesang von Samu Haber klingt (fast) immer wie auf ihren Alben, nur der ein oder ander tiefe Ton rutscht ihm weg. Bemerkenswert ist, dass der Leadsänger einer der wenigen in seiner Musikgeneration ist, der sowohl Gesang als auch noch Gitarre unter einen Hut bringt.

Richtig Spaß macht es, der 5-Mann Kombo zuzusehen, weil keiner im Schatten des anderen steht. Rein stimmlich gesehen nehmen sie sich kaum etwas, ich würde sogar behaupten, dass Osmo Ikonen eine absolute Bereicherung für Haber ist. Sowohl Schlagzeug, als auch Leadgitarre beweisen ihr Können bei dem ein oder anderen Solo. Sunrise Avenue existiert, zwar damals noch mit nahezu komplett anderer Besetzung, seit 2002. 2005 kam der große personelle Umbruch und Samu Haber scharte eine Neuauflage der Band um sich, was letztendlich dann auch zum Durchbruch in der Zeit führte. Ihr erster großer Erfolg kam mit der Singel "Fairytale gone bad", einer Single-Auskopplung aus ihrem ersten Album "On the way to Wonderland".

Popgasm und Out of Style sind Nummer Zwei und Drei in ihre Diskographie. Die aktuelle Tour ist absolut zu empfehlen. Ihr rockiger Sound zwischen Fun Punk, Rockabilly und Rock n' Roll macht in den Ohren richtig Spaß, egal ob man jetzt eingefleischter Teeniefan ist, der jeden Song mitzusingen weiß, oder nur den ein oder anderen Song aus dem Radio kennt. Die Art von Samu Haber die Leute mit Anekdoten und Sprüchen zu unterhalten packt jeden spätestens nach ein paar Songs und wenn ihre Hits wie "I don't dance" oder "Hollywood Hills" gespielt werden, sieht man die Jungs mit einem breiten Grinsen auf der Bühne stehen, denn sie können hören, dass das komplette Publikum so laut mitsingt, wie es nur geht.

Genau dieses Phänomen machen sie sich zu nutze und kaschieren damit geschickt ihre noch etwas kleine Schaffensdauer und beschallen ihr Auditorium mit einem Medley von Queen, Robie Williams über Bob Marley, bis hin zu Bruno Mars und Carly Rae Jepsen. Alles in allem ein super Konzert von einer klasse Band, die ich jedem ans Herz legen kann, der auf den etwas rockigeren Poprock steht.