Jubiläums-Serie "70 Jahre AZ" Chefredakteur Michael Schilling: Dafür steht die Abendzeitung

Mit ihrer 70-jährigen Geschichte hat die AZ eine einzigartige DNA, erklärt Chefredakteur Michael Schilling. Foto: AZ

Chefredakteur Michael Schilling über den Charakter der Abendzeitung.

Alter ist ja kein Verdienst. Und 70 Jahre sind kein Anlass, sich zurückzulehnen. Sondern eher für eine Bilanz. Schauen, wo man steht – und was noch kommen mag. Bei der AZ haben wir uns gerade erst wieder zusammengesetzt und überlegt: Kann eine Zeitung überhaupt so etwas wie einen unverwechselbaren Charakter, eine eigene DNA haben? Wir finden: ja. Diese DNA, die der AZ innewohnt, hat fünf Säulen.

Sie ist münchnerisch. Das ist mehr als ein bloßer Hinweis auf ihre Region und ihre Heimat. Münchnerisch sein, das bedeutet auch: gelassen sein, heiter, frei von Neid. Großstädtisch zwar, aber weit entfernt von einer dumpfen Mia-san-mia-Überheblichkeit.

Leben und leben lassen – das führt zur zweiten Säule der AZ: Sie ist kritisch-liberal, alles andere als obrigkeitshörig. Sondern hinterfragend und selbstbewusst, wenn auch nicht im schrillen Nörgelton (den ohnehin niemand 70 Jahre lang ausgehalten hätte, oder?).

Die Abendzeitung soll vielmehr – und das ist die dritte Säule – lebenslustig daherkommen. Ist München zu mögen nicht eine Voraussetzung dafür, in dieser Stadt anzukommen und Erfolg zu haben? In dieser Hinsicht ist die AZ (hoffentlich) vital und jung geblieben.

Zudem möchte die AZ empathisch-begleitend sein. Nah am Leser, nah am Leben – auch und gerade, wenn es sich nicht von seiner freundlichsten Seite zeigt. Davon zeugen etwa die ungezählten Hilfs- und Spendenaktionen der Abendzeitung, bei denen sich ihre Leser stets so vorbildlich engagiert haben.

Die fünfte Säule, die die AZ tragen soll: Sie ist charmant und manchmal auch frech. Nicht im Sinne von rotzig (das Krakeelen überlässt sie anderen auf dem Boulevard, der doch die schönste und nicht die lauteste Straße der Stadt sein soll). Humorvoll darf sie sein, die Abendzeitung, erfrischend und am liebsten hintersinnig.

All das, diese AZ-DNA, ist immer auch ein Anspruch an uns selbst. Ein Anspruch freilich, dem wir vermutlich nicht immer gerecht geworden sind: Mal gab es rotzig-trotzigere Phasen, spätpubertäre Anwandlungen, Zeichen von Midlife-Krise bis hin zum Altersstarrsinn – irgendwie wie im richtigen Leben.

Harte Zeiten gab’s auch, Anfang 2014, mit der Insolvenz und dem Neubeginn unter einem neuen Verleger, der an die AZ geglaubt und ihr wieder eine Zukunft gegeben hat.

Tja, und jetzt also 70. Altersweise ist die AZ auch mit 70 wohl (leider?) nicht – und auch nicht selbstgefällig, wenngleich wir die gute, alte AZ in diesen Tagen ein bisschen feiern werden für ihre 70-jährige Geschichte.

Feiern Sie mit. Denn ohne Sie, unsere Leserinnen und Leser, ohne Ihr Wohlwollen und Ihre Treue, wäre Münchens älteste Boulevardzeitung: längst Geschichte.

Serie 70 Jahre AZ

Erstausgabe als Download: 70 Jahre AZ - So entstand die Abenzeitung

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