Ob Werbung oder Sportler – es gibt eine neue Bescheidenheit. Außer in der Politik

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Längst schwärmen die Hausfrauen nicht mehr vom weißesten Weiß. Rührende Frühzeit der Reklame. Schon vor Jahrzehnten hat die Werbung begriffen, dass sich die Sachen nicht mit lächerlichen Superlativen verkaufen lassen, sondern besser mit einer Portion Ironie. Egal, ob Waschmittel, Eis oder Autos: der sich kritisch fühlende Konsument kauft lieber Sachen, die sich selbst nicht so ernst nehmen, beziehungsweise die so tun, als ob. Eigenlob stinkt. Nur noch ein paar Therapeuten raten ihren verzagten Patienten, mit diesem Duftstoff ihr Ego zu stärken, um auf diesem Weg vielleicht etwas mehr Wertschätzung von außen zu erhaschen.

Als Muhammad Ali noch Cassius Clay hieß und sich in den frühen 1960er Jahren zum Größten ausrief, hat man das charmant überdreht und witzig gefunden und schon deswegen nicht falsch, weil die Kriegsdienstverweigerung des Besten der Boxer in einem Land der Waffennarren eine Großtat war. Die Spitzensportler sind heute zurückhaltender. Gefeierte Fußballstars, um einen Kommentar gebeten, üben bescheiden schnaufend Selbstkritik und würdigen die Leistungen des Gegners.

Nur die Politik parfümiert sich noch immer mit penetrantem Eigenlob. Ungebrochen wird von der Partei geschwärmt, als sei das eine Geliebte. Besonders pervers das Bekenntnis von Dirk Niebel, vorgetragen auf dem Dreikönigstreffen der FDP. Mit dem schiefen Maul eines von Breughel geschaffenen, nach Luft schnappenden Karpfens malte sich dieser Mensch vor seinem Publikum aus, wie schön seine geliebte Partei ohne ihren Chef Philipp Rösler wäre. Der wirkte wie ein schüchterner Märchenprinz gegen den rabiaten Liebhaber, den man sich beim Inzest mit seiner Partei so wenig vorstellen mag wie den übergeschnappten Hofnarren Brüderle, der so aussieht, als würde er die FDP eher mit süßsauren Weinküssen zur Hingabe bewegen wollen.

Auch wenn Niebel bei seinem Auftritt leider nicht sein zwei Nummern zu kleines Safarihemd aus dem Schrank des Entwicklungshilfeministeriums trug, das seine Massigkeit und seinen Machtanspruch deutlicher zur Schau stellt als ein Allerweltsanzug, bekommt er für seinen Auftritt von mir das faule Ei der Woche in Gold für die kitschigste Anbetung der eigenen Partei. Dicht gefolgt von Seehofer, der seine CSU nicht weniger distanzlos lobt und liebt, allerdings mit zusammengebissenen Zähnen. Das faule Ei in Silber an Seehofer.

Kaum weniger entnervend allerdings das honigsüße Gesumm, mit dem Claudia Roth ihre Grünenpartei verklärt. Bronze. Man kann von den SPD-Politikern halten, was man will, in Sachen Eigenlob und Selbstliebe liegen sie sympathisch zurück – oder sind ihrer Zeit voraus. Obszön geseierte Liebeserklärungen an die SPD wird man weder von Ude noch von Steinbrück hören.