Unser Flaneur lüftet das Geheimnis einer Nebentätigkeit

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Vor anderthalb Jahren, im Sommer 2011, hatte ich einen ungewöhnlichen Nebenerwerbsjob, an den ich gern zurückdenke. Meine Aufgabe war es, ein wenig an den Dialogen des damals kurz vor Drehbeginn stehenden Films über unseren geliebten Bayernkönig Ludwig II. herumzufeilen. Mein Auftraggeber nannte die Tätigkeit "dialog polishing" - schick, schon fast hollywoodhaft.

Ich zog allerdings den Titel "königlich bayerischer Hofpolier" vor. Er schien mir dem würdevollen Thema angemessener. Jetzt ist "Ludwig II." in die Kinos gekommen. Leider werde ich auch im Abspann nicht als "Hofpolier" geführt, sondern als dramaturgischer Berater, was nicht gerade monarchistisch märchenhaft nach den Vergoldungen von Herrenchiemsee und Neuschwanstein und sauberer Handwerkskunst klingt.

Als Mitwirkender, wenn auch nur ganz am Rand, bin ich befangen und sollte kein Urteil abgeben. Trotzdem widerspreche ich dem Genörgel, das der Film bei der Kritik ausgelöst hat. Einzig vermisse ich den Pfauenschrei, den ich erfunden, genau beschrieben und ins Drehbuch geschmuggelt hatte: ein gellend klagender Schrei, mit dem der König gegen die Zumutungen der preußischen Politik wie auch gegen seine Zahnschmerzen protestieren und die Zuschauer rühren sollte.

Die Österreicher haben ihren Erzherzogjodler, da haben die Bayern einen "König Ludwig Schrei" verdient, dachte ich. Aber auch ohne den Schrei finde ich den Film sehenswert, weil er eindringlicher als die bisherigen Ludwig-Filme vor Augen führt, wie quälend und belastend es ist, mit 18 Jahren kaum erwachsen plötzlich die Rolle des Herrschers spielen zu müssen. Gleich zu Beginn ein Krieg.

Da kann man nur in Phantasiewelten flüchten. Prinz Otto schnappt über, weil er in diesen grausamen Krieg zieht, den sein Bruder nicht verhindern konnte. Wie der kleine durchgedrehte Otto im Garten von Versailles den riesigen, fürchterlich eisernen Bismarck anbrüllt, ist eine tolle Szene. Auch Ludwigs Ekel vor den modernen Zündnadelgewehren kommt höchst sympathisch rüber und ist mehr wert als das, was seine Schlösser gekostet haben.