Watschn statt Kuscheln: Jérôme Boateng vom FC Bayern München wischt dem Gegner eine – und wird selbst abgewatscht. "Hirnlos!" findet’s Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und kündigt eine drastische Strafe an. Auch Pep Guardiola greift jetzt durch.

München - Endlich mal keine englische Woche. Heißt für die Profis des FC Bayern: Vollgas im Training, nebenbei Zeit für die Imagepflege. Jérôme Boateng backt am Montag ab 14 Uhr für „Sky“ Pizza beim Italiener, schreibt später um 16 Uhr in einem Elektrokaufhaus in der Einsteinstraße Autogramme. Man könnte auch sagen: Er tut Buße.

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Für seinen deplatzierten Auftritt beim 4:1 in Hamburg, den die Verantwortlichen des FC Bayern nutzten, um etwas klarzustellen: Schluss mit Kuscheln! Die von Sammer jüngst zitierte Wohlfühloase: nur noch eine Fata Morgana. Boatengs Kopf-an-Kopf-Duell mit Hamburgs Kerem Demirbay und anschließender Gesichtswatschn, die folgerichtig mit Rot bestraft wurde, bleibt jedenfalls nicht ohne Konsequenzen.

Erzürnt enterte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach Spielschluss die Bayern-Kabine, stellte den Übeltäter zur Rede. „Wenn man sich fünf Minuten vor Schluss beim Stand von 4:1 eine solche Rote Karte einfängt, kann man das schon hirnlos nennen!“, zürnte Rummenigge. Und kündigte an: „Er wird eine Strafe im hohen fünfstelligen Bereich kriegen.“ Boateng ist Wiederholungstäter, flog bereits das vierte Mal in drei Jahren mit glatt Rot vom Platz.

Dreimal wegen Unbeherrschtheiten: 2011 in Hannover schubste er Schulz, 2012 foulte er gegen Borissow grob von hinten. Nur bei der Notbremse gegen ManCity 2013 konnte man ihn von böser Absicht freisprechen. „Wenn man nicht hören kann, beziehungsweise keine Erfahrung daraus zieht, dann muss man eben fühlen“, stellte ihn Rummenigge ins Achtung: „Dann muss man dem Spieler zeigen, dass er sich im Trikot von Bayern München disziplinarisch sauber und seriös zu verhalten hat.“

Boateng ging kommentarlos, ließ nur später per „BamS“ ausrichten: „Das war blöd von mir. Da kann ich mich nur entschuldigen.“ Boateng als Sündenbock – es passt zum neuen, etwas schärferen Ton der Bayern-Verantwortlichen, die nach dem Debakel gegen Real Madrid nun unbedingt das Pokal-Finale gegen Dortmund (17. Mai) gewinnen wollen. Als Statement.

Waren Rafinha (gegen Dortmund, Rot) und Franck Ribéry (gegen Real, Uefa ermittelt) wegen ähnlicher Vergehen zuletzt noch in Schutz genommen worden, hat es Boateng nun hart erwischt. Noch härter könnte ihn treffen, wenn Trainer Pep Guardiola deshalb auch gegen den BVB auf ihn verzichtet.

„Wir wollen uns optimal aufs Pokalfinale vorbereiten, deswegen wäre es besser gewesen, wenn er auch gegen Stuttgart hätte spielen können“, kritisierte Dante. „Das war unnötig“, urteilte Toni Kroos. Guardiola machte indes in Hamburg bereits seine Drohung vom Freitag wahr, seine eigene Spielidee jetzt noch kompromissloser durchzusetzen.

So ließ er Stoßstürmer Mario Mandzukic auf der Bank versauern, setzte auf einen variablen Dreiersturm mit Robben, Müller und Götze. Ein Vorgriff auf den Abschied des Kroaten, da im Sommer ja auch Robert Lewandowski kommt? Begeistert war Mandzukic nicht. Zuletzt hatten sich auch Götze und Müller öffentlich mit ihrer On-Off-Rolle in Peps Team unzufrieden gezeigt.

Was den Bossen missfiel. „Spieler, die sich bei Bayern München nicht wohlfühlen, müssen zu mir ins Büro kommen, dann können wir darüber sprechen – ganz einfach“, sagte Rummenigge in frostigem Tonfall. Bestimmt keine Aufforderung zum Kuscheln.

 

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