Kanzlerin als "Character": Bei der Graffiti-Aktion "Isart 2012" gestalten renommierte Münchner Künstler die Pfeiler und Wände der Brudermühlbrücke neu - die Bilder

chicster-Tipp für Street Art-Fans: „Isart 2012“ heißt die Graffiti-Aktion an der Brudermühlbrücke, bei der über 20 renommierte Meister der Spraydosen – Kollektive ebenso wie Solo-Artists – ihre Ideen auf Pfeiler und Wände sprühen. Mit am Start sind Satone, Z-Rok und Flin, JBCB (Burns 124 und Rise), WY (Slam, Rookie, Hobby), Buntlack (Riko, Baks, Sonic, Alois), CS (2Face, Al Rock, Lewy und Scout), Graphism (Eazy, Opus und Lawone), WAF (Dator und Zack) sowie Special Guests: Diablo, Dyset, Because, Kurls, Sense und andere. Noch bis 29. Juli kann man die Entstehung dieser Art von urbaner Kunst live bestaunen und die Graffitikünstler zu ihren Werken befragen. Eine endgültig letzte Chance dazu bietet am Samstag, dem 4. August, die Finissage zwischen 15 und 17 Uhr.

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Das Projekt „Isart“ besteht schon seit einigen Jahren: Einmal jährlich wird dabei dem Unterbau der Brudermühlbrücke ein neues Gesicht verliehen. Organisiert wird das Projekt von der Künstlergruppe „Graphism“, zusammen mit der Graffiti-Truppe der „Färberei“ und dem Kreisjugendring. Während sonst Graffiti-Künstler von überall her geladen sind, liegt der Focus in diesem Jahr ganz auf der Münchner Szene. Das symbolisiert auch das Motiv des Flyer-Auftritts: Eine Hommage an das legendäre Münchner Olympia-Design von vor 40 Jahren.

Joerg und Michael von Graphism sowie Solo-Sprayer Kurls haben sich heuer ein sehr spezielles Motiv ausgedacht: Das „Euro-Boot“, mit Angela Merkel am Steuer. „Sie gibt alles, um das Schiff sicher durch die Stürme auf den Märkten zu manövrieren, während die Finanz-Haie drum herum lauern“, erläutert Michael das Bild.

Wie viele Spraydosen werden bis zur Fertigstellung verbraucht sein? „Etwa 40“, schätzt Joerg. „Glücklicherweise werden wir vom Kreisjugendring gefördert, das geht sonst natürlich ganz schön ins Geld.“ Noch gibt es abgesehen von Mega-Star Banksy wenige Graffiti-Artists, die von ihrer Kunst leben können: Flying Förtress gehört dazu (er selbst ist nicht auf der Isart vertreten; man munkelt jedoch, dass jemand aus seiner Crew dabei wäre... ...und wenn das tatsächlich so sein sollte, dann wäre es durchaus möglich, dass dieser "jemand" an dem "Coffee-Break/James Brown"-Motiv beteiligt war, erste Wand links am Radweg... ...mehr wollte der Munkler nicht preisgeben).

Der in München geborene Flying Förtress, Designer und Illustrator, lebt und wirkt seit ca. 5 Jahren in Hamburg. Mit seinen „Teddy Troops“ schaffte er den Durchbruch: Die kleinen Bären-Figuren mit Helmen stehen als Charakteristikum für seine Arbeit. Vereinzelt sieht man sie als Motive noch in München und anderen internationalen Metropolen an Wänden – oder in Galerien und Büchern.

Apropos „Bücher“: Immer mehr Fotobände mit Graffiti-Arbeiten drängen auf den Markt, auch eigene München-Editionen gibt es. Wie geht man als Graffiti-Künstler damit um, dass man selbst schauen muss, wo man die Kohle für sein Handwerkszeug herbekommt – und andere verdienen an den Bildern; das ist ja eigentlich massive Urheberrechtsverletzung? Kurls sieht das relativ gelassen: „Wir machen ja Kunst für den öffentlichen Raum, wir wollen also, dass unsere Bilder gesehen werden. Natürlich ist das nicht ganz okay, wenn andere sich an unseren Ideen und Motiven bereichern. Aber die müssen selbst mit ihrem Gewissen klar kommen.“