Interview zur Menschenfeindlichkeits-Studie CSU-Stadtrat Marian Offman: "Die Moscheen müssen noch offener werden"

CSU-Stadtrat marian Offman: "Es gibt Feindlichkeiten, die Sie nie wegbekommen" Foto: Gregor Feindt

Der CSU-Stadtrat Marian Offman über die Schlüsse, die sich aus der LMU-Studie zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ziehen lassen – und wie man auf sie reagieren kann.

AZ-Interview mit Marian Offman: Er ist unter anderem integrationspolitischer Sprecher der Rathaus-CSU in München. Die AZ hat mit ihm über die LMU-Studie gesprochen, die zeigt, dass neun von zehn Münchnern ein Problem mit Moslems haben. (den Artikel zur Studie können Sie hier nachlesen)

AZ: Herr Offman, haben die Zahlen Sie überrascht?
MARIAN OFFMAN: Überhaupt nicht. Grundsätzlich sind sie ja denen von 2013 ziemlich ähnlich. Nur die extrem hohe Zahl beim Thema Islamophobie habe ich so nicht erwartet.

Die Studie unterscheidet zwischen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, der Abwertung von Flüchtlingen und der von Muslimen. Verwässert das nicht das Ergebnis?
Ich finde es schon interessant, dass die Ausländerfeindlichkeit relativ niedrig ist im Vergleich zur Islamophobie. Das ist schon gut, wenn man da differenziert. So sieht man zum Beispiel, was mich positiv erstaunt hat: dass die Ablehnung von Flüchtlingen im Vergleich niedrig ist.

Ist das also ein Grund zum Aufatmen?
Viele Menschen geben bei solchen Umfragen ja sozial erwünsche Antworten. Aber sie reagieren in ihrer abwertenden Haltung gegenüber Menschen und Gruppen schon auch auf Ereignisse. Weil die Flüchtlingszahl zurückgeht, geht auch die Ablehnung zurück. Wenn Menschen Bilder von Giftgas-Opfern sehen, berührt sie das anders, als wenn sie hören, dass wegen der Flüchtlinge Steuern erhöht werden.

Es wurde nicht nur die Ablehnung von Fremden abgefragt.
Nein. Mich hat auch die hohe Ablehnung gegenüber arbeitslosen Menschen schockiert. Das ist ein Alarmzeichen für die Sozialpolitik, wenn die so mindergeschätzt werden. Da sollte für mehr Akzeptanz geworben werden.

Die Wissenschaftler empfehlen, die Politik müsse "verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen". Wie geht denn das?
Ich persönlich gebe schon seit zehn Jahren Führungen in der Synagoge, über das Judentum und Gemeinsamkeiten der Religionen. Das ist nach meiner Erfahrung schon ein guter Weg, um Vorurteile abzubauen.

Zu einer solchen Führung kommt ja aber tendenziell jemand, der relativ offen ist.
Der einzige Weg, Menschenfeindlichkeiten abzubauen, ist es, die Menschen persönlich kennenzulernen. Die Moscheen müssen noch offener werden, das Thema muss noch mehr im Gespräch sein. Ich gehe zu Pegida-Veranstaltungen und zeige Gesicht dagegen.

Haben Sie schon einmal ein sinnvolles Gespräch geführt mit einem Demonstranten?
Nein, mit denen ist Reden nicht möglich. Die Leute, die da jenseits der Absperrung stehen, kann ich nicht überzeugen. Fremdenfeindlichkeit steckt oft sehr tief. Manchmal kann man da eben nichts machen.

Das klingt resigniert.
Es gibt einfach Feindlichkeiten, die werden Sie nie wegbekommen. Ich persönliche tue aber alles, um gegenzusteuern. Im Kleinen geht es zum Beispiel darum, bei feindlichen Situationen einzuschreiten, Stellung zu beziehen.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Studie?
Ich finde erfreulich, dass vor allem bei jungen Menschen der Rassismus nicht so ausgeprägt ist wie bei älteren. Das deutet doch positiv in die Zukunft. Trotzdem sagt mir die Studie, dass es notwendig ist, weiter daran zu arbeiten, dass es besser wird. Dass man alles versucht, die Gesellschaft vor diesen feindlichen Menschen zu schützen und sie von den Parlamenten fernzuhalten.

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