Interview zu Champagner, Wein & Co. Feuchtfröhliche Tipps für Silvester: Lass ploppen!

Eine Flasche Champagner sprudelt beim Öffnen. Allerdings muss es nicht immer der teure Schampus sein, damit es an Silvester schön schäumt. Stéphane Thuriot, Chef-Sommelier im Hotel Königshof, gibt hilfreiche Tipps. Foto: imago/Blickwinkel/Peter Kneffel/dpa/ho/AZ

Damit der Korken nicht an die Wand knallt, der Sekt schön prickelt und nicht etwa nach Rosenkohl riecht: Tipps und Tricks für ein ungetrübtes Silvester-Trinkvergnügen.

München - Der Countdown läuft. In zwei Tagen knallen die Korken. Damit 2018 auch wirklich überschäumend anfängt, hier ein paar spritzige Tipps von einem international ausgezeichneten Experten: Chef-Sommelier Stéphane Thuriot vom Münchner Sterne-Restaurant Königshof.

AZ: Herr Thuriot, muss es an Silvester Champagner sein?
STÉPHANE THURIOT: Dass man an Silvester etwas Prickelndes im Glas zum Anstoßen hat – das ist ein Muss. Champagner, der nur aus drei Rebsorten in der französischen Champagne hergestellt werden darf, ist natürlich das edelste Getränk mit dem höchsten Prestige, und das hat seinen Preis. Doch Spaß haben kann man auch mit günstigeren Alternativen.

Was empfehlen Sie?
Eine gute Alternative zu Champagner ist ein deutscher Winzersekt: Das ist kein Massensekt, sondern Qualität. Ich schätze beispielsweise den Sekt des Weinguts Paul Fürst oder der Sektkellerei Höfer aus Franken. Zu empfehlen sind auch Produkte aus den italienischen Weinbauregionen Franciacorta oder Trento, die in tradioneller Flaschengärung hergestellt sind, also nach dem Champagner-Gärverfahren. Tolle Schaumweine gibt es dort von Bellavista, Ca’ del Bosco oder Ferrari. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet auch ein Crémant von der Loire, zum Beispiel von Bouvet Ladubay oder Domaine des Baumard.

"Um Champagner herzustellen, braucht es drei Jahre Arbeit"

Warum ist Champagner in der Regel so viel teurer?
Um Champagner herzustellen, braucht es mindestens drei Jahre mühsame Arbeit, und das kostet natürlich Geld. Bis eine edle Flasche Dom Pérignon auf den Markt kommt, vergehen sogar sieben Jahre.

Wie findet man seine passenden Silvester-Flaschen?
Wenn man nur auf Empfehlung kauft, kann das schiefgehen. Ein guter Weinhändler oder Fachberater, wo man hingehen sollte, täuscht sich sicher nicht in der Qualität eines Produktes, doch letztlich zählt der eigene Geschmack. Daher mein Tipp: Lassen Sie sich fachkundig beraten. In jeder Kategorie gibt es gute Produkte. Daraus dann den eigenen Favoriten zu finden, klappt nur über Probieren.

Kann man auch im Supermarkt fündig werden?
Fündig werden kann man, die Frage ist nur, was man dort findet. Im Supermarkt gibt es nur Produkte, die in großer Menge hergestellt werden. Richtig problematisch wird es, wenn die Flaschen aus weißem Glas sind und ungeschützt unter Neonlicht in den Regalen stehen.

Verändert das den Geschmack?
Allerdings! Schlimmstenfalls nehmen die Schaumweine den Geschmack von Rosenkohl an! Wenn man schon im Supermarkt einkaufen will, dann zumindest dunkle Glasflaschen und im Karton.

Wie kühle ich meine Silvester-Flaschen?
Im Kühlschrank oder auf dem Balkon. Die Trinktemperatur sollte auf jeden Fall nicht unter acht Grad liegen. Wenn Schaumweine, wie alle Weine, zu kalt sind, riecht es nach nichts, und die Nase ist für den Genuss sehr wichtig.

Welche Gläser nehme ich? Flöten oder Kelche?
Auf jeden Fall Flöten. Sie sehen eleganter aus und haben eine geringere Oberfläche. Bei Kelchen kann die Kohlensäure zu schnell entweichen. Ich persönlich bevorzuge ein elegantes Weißweinglas, in dem sich der Schaumwein perfekt entwickeln kann.

"Ungeübte sollten den Korken festhalten und die Flasche drehen"

Wann öffne ich meine Silvester-Flaschen?
Bei weniger hochwertigen Produkten am besten kurz vor dem Zuprosten. Bei exklusivem Champagner, der ja letztendlich ein sehr hochwertiger, komplexer Wein ist, kann man ihn zehn Minuten vorher langsam in eine gekühlte Karaffe einschenken, damit sich das Aroma noch besser entfalten kann.

Wie öffnet man die Flaschen richtig?
Erst den Drahtverschluss lösen, die Flasche dann leicht schräg halten. Damit kein Unfall passiert, eine Stoffserviette über den Korken geben und diesen dann herausdrehen. Für Ungeübte ist es anders herum oft einfacher: Korken festhalten und Flasche drehen.

Ersetzt der legendäre Löffel in der offenen Flasche wirklich den Verschluss?
(lacht) Das ist das älteste Märchen der Welt. Der Löffel bringt gar nichts. Die Kohlensäure entweicht. Deshalb rate ich, die Silvester-Flaschen auszutrinken. Am 1. Januar haben die meisten ja auch frei.

Wie lagere ich übriggebliebene Flaschen?
Am besten liegend im Keller. Wenn das nicht möglich ist, dann am dunkelsten und kühlsten Ort der Wohnung, notfalls im Schlafzimmer unter dem Bett.

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