Herr Per Gessle, Sie sind gerade im sonnigen Stockholm. Für wie lange denn?
Nicht sehr lange. Ich fahre bald in mein anderes Haus an der Westküste von Schweden und werde dort meine Mutter und meinen­ Bruder treffen. Wir verbringen Ostern­ zusammen. Dann geht es weiter nach Südamerika. Für fünf Wochen.

Und wo waren Sie in den ersten drei Monaten von 2012?
Es war ein aufregendes Jahr bis jetzt. Wir waren in Australien. In Südostasien. In China.­ Wir haben noch nie zuvor in Schanghai gespielt. Jetzt auf Südamerika freue ich mich auch, obwohl wir da erst vor einem Jahr waren. Doch jetzt verschlägt es uns an andere Orte. Nach Venezuela, Peru, Argentinien, Brasilien.

Wie kommen Sie mit dem Jetlag klar?
Gute Frage. Man gewöhnt sich wirklich nie an die Zeitumstellung. Das Auftreten ist nicht schlimm, das ermüdet einen nicht. Im Gegenteil: Das gibt mir sehr viel Energie. Es ist das Reisen, das ermüdend ist. Die Flug­häfen, das ständige Warten, die langen Flüge, und dass deine innere Uhr immer wieder durcheinandergebracht wird. Australien ist uns zehn Stunden voraus, in Südostasien sind es sieben Stunden. Das ist viel. Man braucht mehrere Wochen, um sich daran zu gewöhnen. Jetzt geht es für uns in die andere Richtung. Aber hey - so ist das Leben. Und es ist ein fantastisches Leben. Ich kann mich wirklich nicht beklagen.

Sie kennen also keine Tricks, wie man mit der Müdigkeit klarkommt?
Man muss einfach auf seinen Körper hören.­ Man braucht seinen Schlaf. Vor allem, wenn man auf die Bühne geht. Da muss man fit sein. Ich hasse Medikamente. Deshalb nehme ich auf langen Flügen auch keine Schlaftabletten. Auf der letzten Tour habe ich einfach nur geschlafen und all diese Tipps, dass man doch wach bleiben soll bis zu einem gewissen Moment, ignoriert.

Was macht das Reisen mit einem? Inwieweit­ verändert das einen als Mensch?
Die Welt ist verdammt groß, und es gibt eine Vielfalt, die einfach unglaublich ist. Wenn man etwa von Schanghai nach Stockholm kommt, wundert man sich, wo all die Menschen auf einmal sind. Wenn man aber von einer Kleinstadt wie Halmstad, wo ich geboren wurde, nach Stockholm kommt, fühlt sich diese Stadt zu groß an. Reisen ändert­ schlichtweg die Perspektive. Menschen haben überall auf der Welt andere Einstellungen. In China und Skandinavien ist die Politik eine komplett andere. Oder vergleichen Sie mal Lima in Peru mit Hongkong? Man muss lernen, wie groß die Welt ist. Und wenn ich viel reise, weiß ich meine Heimat Schweden mehr zu schätzen. Es ist sehr sauber hier, die Luft ist nicht verschmutzt. Dann gibt es noch das Klima. Ach ja.

Sie mögen das Wetter in Schweden?
Nicht wirklich. Nur von Mai bis Oktober. Diese Monate sind wirklich wunderbar. In meiner Heimatstadt gibt es dann einen frischen­ Westwind, man spürt das Salz des Meeres. Der Winter hier ist ein großer Witz. Mir macht es also nichts aus, im Januar unterwegs zu sein.

Wo schlafen Sie am besten?
Daheim natürlich. Wir übernachten immer in tollen Hotels. Dennoch kommen sie nicht an das Bett zu Hause ran. In Hotels wacht man manchmal auf, überlegt, wo man eigentlich ist, wo sich das Badezimmer befindet. In Flugzeugen kann ich nicht schlafen. Ich mag auch Fliegen nicht besonders. Es ist nicht so, dass ich Flugangst habe. Ich fühle mich aber nicht sehr wohl in der Luft.

Was machen Sie dann die ganze Zeit im Flugzeug, wenn Sie nicht schlafen können?
Der Flieger ist ein guter Platz zum Lesen. Zu Hause finde ich kaum die Zeit dafür. Doch im Flugzeug habe ich immer ein paar Bücher dabei. Im Moment lese ich die Biografie von Bernie Ecclestone. Ich bin auch ein großer Fan der Formel 1. Auf Flügen höre ich aber auch viel Musik. Das ist schon praktisch, dass man auf einem iPod so viel seiner Lieblingsmusik mitnehmen kann.

Gibt es Dinge, die Sie immer bei sich haben müssen?
Heutzutage ist das natürlich ein Computer, den man überall mitschleppt. Ich habe eigentlich immer ein Instrument bei mir. Meistens eine Gitarre. Ich bin aber ein Typ, der immer sehr spät packt. Ein paar Stunden bevor ich gehen muss. Auch wenn ich für einen Monat weg bin. Meine Frau packt immer schon einen Monat im Voraus. Ich bin da eher praktisch. Ich habe meine Lieblingsjeans, mein liebstes Paar Schuhe.

Sie sind ein Hotelexperte und besitzen selbst eines im schwedischen Tylösand. Was macht ein gutes Hotel aus?
Es kommt darauf an, was man möchte. Für mich ist der erste Eindruck immer der wichtigste. Die Menschen, die dort arbeiten, müssen sehr freundlich sein. Man sollte sich gleich willkommen fühlen. Wenn Sie Spas mögen, ist das wichtig. Wenn Sie gerne gut essen, ist das Restaurant wichtig.

Und wie ist das bei Ihnen?
Meine Frau mag Spas. Ich gehe lieber ins Studio, um zu trainieren. Mir ist das Personal wichtig. Und ein Nichtraucherzimmer. Es ist schrecklich, in einen Raum zu kommen, in dem Leute geraucht haben. Wenn das passiert, wechsle ich immer das Zimmer. Ich brauche keine große Suite. Ich hasse es, wenn man mich in die Präsidentensuite upgradet. Ich will doch nicht Tennis in meinem Hotelzimmer spielen. Ich schließe immer alle Türen und bleibe einfach in meinem Schlafzimmer. Wenn man allein ist, braucht man doch nicht mehr als ein Zimmer.