Monte Carlo - Seinen Kindheitstraum hat sich Formel-1-Pilot Nico Rosberg schon erfüllt. Mit 300 Stundenkilometern fährt der in Monte Carlo aufgewachsene Mercedes-Star beim Grand Prix seinen alten Schulweg entlang.

"Das ist schon cool", sagte der 26-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa vor dem sechsten Saisonrennen. Gegen das Klischee vom Luxusleben an der Côte d'Azur setzt er sich jedoch zur Wehr. "Von der High Society halte ich mich fern, das ist nicht so meine Gesellschaft", beteuerte Rosberg.

Sie waren vor der Ankunft im Fahrerlager von Monaco bei der Fußball-Nationalelf im EM-Trainingscamp. Gibt es Parallelen zwischen Fußball und Formel 1?

Rosberg: "Auf jeden Fall. Fußball ist wie die Formel 1 eine große Sportart. Der Level, die Perfektion sind extrem hoch, auch bei der Vorbereitung. Es war toll, das mal zu erleben, das ganze Drumherum um dieses Trainingslager. Das Hotel, der extra aufgebaute Platz für die Nationalmannschaft, das Fitnesszentrum."

Können Sie von diesen Spitzenfußballern etwas lernen?

Rosberg: "Mit Sicherheit. Genau wie wir spielen sie auf dem höchsten Niveau. Ich habe zum Beispiel mit Tim Wiese gesprochen. Bei Torhütern ist genau wie in unserem Job die Auge-Hand-Koordination sehr wichtig. Da hab ich ihn gefragt, wie er das trainiert."

Fußballprofi ist für viele ein Kindheitstraum. Wie war das bei Ihnen?

Rosberg: "Mein Kindheitstraum war, Formel-1-Rennfahrer zu sein. So weit ich zurückdenken kann, habe ich im Fernsehen Formel-1-Rennen geguckt und gleichzeitig mit den Spielzeugautos auf meiner Rennstrecke gespielt. Durch meinen Vater habe ich viele Rennen erlebt. Da ist mir immer bewusster geworden, dass ich das eines Tages gern machen würde."

Wie ist es denn, jetzt in Monte Carlo auf einer Strecke Formel-1-Rennen zu fahren, die früher Ihr Schulweg war?

Rosberg: "Das ist immer wieder aufs Neue ein tolles Erlebnis. Hier in dieser Stadt bin ich aufgewachsen, hier sind meine Familie und meine Freunde. Aus meiner Wohnung, in der ich das ganze Jahr lebe, fahre ich mit dem Motorroller an die Rennstrecke und dann in meinem Silberpfeil mit 300 über meine Straßen. Das ist schon cool."

Was macht Monaco als Heimatstadt für Sie aus?

Rosberg: "Ganz Südfrankreich ist für mich ein schöner Fleck. Monaco ist sehr sicher, sehr sauber, die Lebensqualität ist sehr hoch. Klar, es ist ein mondäner Ort. Aber man kann gleichzeitig eine ziemlich normale Seite von Monaco erleben. Zum Beispiel in einer Strandkneipe, wo man auch eine Pizza für rund zehn Euro bekommt."

Monaco steht für Geld und Luxus. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Rosberg: "Ich habe keine Jacht, keine Autokollektion. Ich fahre meinen Dienst-Mercedes, habe mir gegönnt, eine schöne Wohnung zu mieten in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Das war's. Ich treffe mich mit meinen Kumpels in der Strandbar und gehe nicht mit der Krawatte ins Hotel de Paris oder ins Casino. Von der High Society halte ich mich fern, das ist nicht so meine Gesellschaft. Ich war erst einmal im Casino, um mir das mal anzuschauen, habe aber gar nicht gespielt."

Sind Sie keine Spielernatur?

Rosberg: "Ich spiele selten Poker mit Freunden. Aber nicht um Geld. Wir spielen darum, wer das Fahrrad putzt."

Sie wollten im Fahrerlager nicht mehr nur der Sohn von Weltmeister Keke Rosberg sein. Hat sich das mit ihrer Siegpremiere nun erledigt?

Rosberg: "Das war nicht mein Ziel. Ich bin sehr stolz auf das, was mein Vater erreicht hat. Aber ich bin Rennfahrer, ich will meine eigene Geschichte schreiben. Ich möchte Rennen gewinnen und die Weltmeisterschaft - im Silberpfeil."

Inwiefern wirkt der Sieg von China noch nach?

Rosberg: "Es hat sich nicht viel getan. Ich habe ein ganz tolles Erlebnis in meinem Gedächtnis. Leider ist diese Emotion recht kurzlebig. Der Wunsch und die Motivation sind natürlich da, das sehr schnell wieder zu erleben."

Nach Punkten liegen Sie derzeit weit vor Ihrem Teamkollegen Michael Schumacher. Wie sehen Sie dieses Ungleichgewicht?

Rosberg: "Der Michael fährt auf einem sehr hohen Niveau. Er hat einfach einen sehr ungünstigen Start in die Saison gehabt, aber das kann passieren und sich von einem Rennen zum nächsten wieder ändern."

Schumacher ist gefragt worden, ob er bereits an Rücktritt denkt. Würden Sie gern weiter mit ihm arbeiten?

Rosberg: "Es funktioniert super zwischen uns und super für das Team. Daher wäre es mir sehr recht, wenn er weitermacht."

Sie haben jüngst davon gesprochen, unter die Gemüsezüchter gehen zu wollen. Was ist da dran?

Rosberg: "Mir macht es Spaß, einen eigenen Garten zu haben. Ich esse sehr gern gesund. Deswegen pflanze ich gerade einen Biogarten."

Mit welchen Gemüsesorten?

Rosberg: "Rote Beete zum Beispiel, Karotten, Kartoffeln. Da ist alles dabei. Zucchini, Avocado. Aber alles Bio, angefangen von der Erde und den Pferdeäpfeln zum Düngen."

Hilft das beim Entspannen?

Rosberg: "Ja, aber vor allem ist meine Freundin leidenschaftliche Köchin, ich esse gern gesund. Es macht einfach Spaß, etwas aus dem eigenen Garten zu essen."