Was eine Münchnerin (50) erlebte, die vier Jahre als Jobvermittlerin bei der Arbeitsagentur gearbeitet hat, plötzlich auf der Straße sitzt – und dann selbst zur Arbeitsvermittlung muss

MÜNCHEN Vier Jahre lang hat Vera K. (Name geändert) als Jobvermittlerin gearbeitet. Vier Jahre lang hat sie Arbeitslose und Arbeitssuchende beraten, vermittelt, ver- oder getröstet. Doch dann braucht sie plötzlich selber Trost. Plötzlich wird ihr Vertrag nicht verlängert. Sie ist arbeitslos. Und als sie sich arbeitslos meldet, sitzt sie am Schreibtisch ihrer Nachfolgerin – bloß auf der anderen Seite.

Sie sei erst ihr dritter Kunde, sagt die zu Vera K.. Sie kenne sich mit dem System noch nicht aus. Ob sie sich selbst im Computer eintragen könne? „Was ich bei der Arge gemacht habe, ist das, was ich kann: Mit Menschen arbeiten, ihnen Möglichkeiten aufzeigen“, sagt die Münchnerin.

2006 war sie, zuvor in der Erwachsenenbildung und als Personaldisponentin tätig, von der Stadt als Jobvermittlerin eingestellt worden. Nach zwei Jahren wird sie, nocheinmal befristet für zwei Jahre, von der Arbeitsagentur eingestellt. Derselbe Job, dasselbe Büro, nur eben ein anderer Arbeitgeber.

Sie betreut etwa 500 Arbeitslose aus ihrem Stadtteil. Trotz mehrfacher Bitte wird sie nicht versetzt. Zudem werden Arbeitslose oft in Kurse gesteckt, obwohl man weiß, dass die sie nicht weiterbringen werden. „Dann rennt der Teamleiter durchs Büro und brüllt: Wir brauchen noch 15 Leute für den Kurs, weil der im Vorhinein bezahlt wurde!“, erzählt die Fünfzigjährige. Vera K. sagt von sich, sie sei eine engagierte Mitarbeiterin gewesen. Trotzdem: Nach vier Jahren ist Schluss. „Plötzlich hieß es, ich sei nicht geeignet, um in eine unbefristete Anstellung übernommen zu werden.“ Dabei hat sie zweimal die Probezeit bestanden und zahlreiche Schulungen gemacht. „Es ist ein Armutszeugnis für die Arge, wenn ich jetzt plötzlich ungeeignet sein soll,“ sagt Vera K.

Derzeit arbeiten 106 Arge-Mitarbeiter in befristeten Verträgen. So kann die Arge, wie es heißt, den „flexiblen Personalkörper bedarfsorientiert“ anpassen. „Zudem können nicht alle befristeten Verträge in feste Stellen übernommen werden, da dies durch die Bundesregierung jährlich neu genehmigt werden muss“, so die Agentur für Arbeit.

Wie es jetzt weitergehen soll? Vera K. weiß es nicht. Mit dem Zeugnis, das sie bekommen hat, kann sie sich in der freien Wirtschaft nicht bewerben. „Dilettantisch“, ist ihr vernichtendes Urteil. Vera K. klagt auf ein besseres Arbeitszeugnis - und gewinnt.

Von der Arge ist dann ein Jobvorschlag für sie eingegangen: Arbeitsvermittlerin bei der Arge, da suche man dringend Leute. „Aber ich habe da schon vier Jahre gearbeitet“, hat sie ihrer Jobvermittlerin gesagt. „Ach so“, antwortet die. „Dann geht das natürlich nicht.“