Innenpolitik Verwirrung um Guttenberg

Die Firma "von Guttenberg" verkauft Stahlzargen und Dämmschalen. Der Minister "zu Guttenberg" hat von solchen Dingen keine Ahnung. Foto: az

Informations-Panne: Der neue Wirtschaftsminister führte früher kein mittelständisches Unternehmen, sondern nur eine Drei-Mann-Firma

MÜNCHEN/BERLIN Die Fachkompetenz des neuen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist immer noch ein großes Thema. Jetzt stellte sich heraus: Der 37-Jährige führte nie ein mittelständisches Unternehmen, sondern war lediglich in einem Drei-Mann-Unternehmen tätig. Aufgabe der "Guttenberg GmbH München": Verwaltung des eigenen Familienvermögens.

Wie kam es zu der Verwirrung? Guttenberg selbst hatte in Interviews stets von seinen "Erfahrungen im Familienunternehmen" gesprochen. Die Deutsche Presse-Agentur verbreitete daraufhin eine Meldung, dass Guttenberg "geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH" sei, einem "Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe". Viele andere Medien, darunter Spiegel-Online, Bild und Tagesspiegel griffen diese Meldung auf – auch die Abendzeitung.

Auch das Ministerium wusste es nicht genau

Tatsächlich gibt es die Trockenbaufirma "Von Guttenberg! in Aschheim – sie hat mit dem neuen Wirtschaftsminister aber nichts zu tun. Auf der Homepage der Firma war heute zu lesen: "Aufgrund nicht zutreffender Informationen wird unser Fachgroßhandel mit Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg in Verbindung gebracht. Unser Unternehmen hat zu der Guttenberg GmbH in München keinerlei Bezug." Unterzeichnet ist der Text von den Geschäftsführern Christoph Freiherr von Guttenberg und Jörg von Guttenberg. Beide waren auf AZ-Anfrage gestern nicht zu erreichen.

Diese Panne ist peinlich genug – aber offenbar weiß man selbst im Wirtschaftsministerium und bei der CSU nicht genau, wo Guttenberg vor Beginn seiner Polit-Karriere eigentlich gearbeitet hat. Auf Nachfrage des NDR-Medienmagazins "Zapp" verwies die CSU auf das Bundeswirtschaftsministerium. Von dort kam per E-Mail die Antwort: "Leider haben auch wir im Moment noch sehr eingeschränkte Informationen zu dem Thema" – stattdessen verwiesen die Ministeriums-Mitarbeiter auf die "falsche" Guttenberg-Firma in Aschheim. Auch Guttenbergs Büros in Berlin und Kulmbach hätten nichts Näheres sagen können.

Guttenberg ist kein Wilhelm

Und noch eine Falschinformation kursiert über zu Guttenberg: Viele Medien hatten ihre Witzchen über seinen langen Namen gemacht und in voller Länge ausgeschrieben: "Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg." Aber: Den "Wilhelm hatte ein Witzbold im Onlinelexikon Wikipedia dazugedichtet.

Einen Namen verloren hat dagegen SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Er soll im Wahlkampf künftig noch "Frank Steinmeier" genannt werden – das sei "lebenspraktischer". Wenigstens handelt es sich hierbei weder um einen Scherz noch eine Panne – sondern eine offizielle SPD-Entscheidung. Steinmeier selbst geht damit cool um: "Alle Freunde von früher rufen mich sowieso nur Frank."

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