Uli Hoeneß wurde in seiner Haftzeit offenbar übel mitgespielt. Beckenbauer hofft auf das Comeback: „Er ist das Gesicht des FC Bayern

München - Noch bis Juni darf spekuliert werden – dann wird klar sein, welche Rolle Uli Hoeneß künftig beim FC Bayern ausfüllen wird. Das verriet Ehrenpräsident Franz Beckenbauer am Samstag bei Sky. Er habe am vergangenen Donnerstag mit Hoeneß auf der Bayern-Geschäftsstelle an der Säbener Straße gesprochen. Hoeneß werde „nach der Haftentlassung in Urlaub gehen, dann hat er wieder Zeit, nachzudenken“, sagte Beckenbauer: „Im Juni wird er seine Entscheidung bekannt geben. Wie er sich entscheiden wird, das weiß ich nicht. Das hat er mir auch nicht gesagt.“

Hoeneß’ Zukunft wird nicht zuletzt davon abhängen, welche Spuren die Haft bei ihm hinterlassen hat. Wie nun bekannt wurde, hat der Weltmeister von 1974 schwer gelitten. Laut eines Berichts des „Focus“, der aus dem Beschluss des Landgerichts Augsburg zu Hoeneß’ vorzeitiger Entlassung zitiert, sei der Bayern-Macher verleumdet, erpresst und ausspioniert worden. Ein Fall von Erpressung ist bereits öffentlich geworden, der Täter inzwischen verurteilt. Hoeneß habe in der Haft unter den psychischen Belastungen gelitten, heißt es weiter. Von „totaler medialer Beobachtung“ ist die Rede, außerdem habe er sich nie vor „massiven Nachstellungen oder öffentlichen Bloßstellungen“ sicher sein können.

Dennoch sei Hoeneß ein vorbildlicher Häftling gewesen. In der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech, wo er zunächst einsaß, habe er ihm aufgetragene Tätigkeiten wie die Arbeit in der Kleiderkammer „gewissenhaft und sorgfältig“ erledigt. Gegenüber Bediensteten und Mitgefangenen sei Hoeneß stets respektvoll aufgetreten, überdies kameradschaftlich und hilfsbereit gewesen. Nie habe er irgendwelche Allüren an den Tag gelegt oder angedeutet, dass er sich „für etwas Besseres“ hielt.

Dieses Verhalten trug ebenso zur vorzeitigen Entlassung bei wie die Tatsache, dass sich Hoeneß durch seine – letztlich unzulängliche – Selbstanzeige selbst „ans Messer geliefert“ habe, wie das Landgericht in seinem achtseitigen Beschluss feststellt. Positiv bewertet wurde neben Hoeneß’ sozialem Engagement auch, dass er die fällige Steuerrückzahlung in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro „eigeninitiativ“ und „vollumfänglich“ beglichen habe. Das Geld, so die Kammer laut „Focus“, stammte „aus dem eigenen erworbenen Vermögen“ von Hoeneß.

Alte Weggefährten und Freunde hatten zuletzt betont, dass Hoeneß fast schon wieder der Alte sei. „Am Anfang war das für ihn alles ein Schock, eine schwierige Zeit, aber er ist inzwischen wieder topfit“, sagte der frühere Bayern-Spieler Hasan Salihamidzic der AZ. Im November habe er Hoeneß getroffen. Und „da war alles wieder gut. Jeder von uns ehemaligen Spielern des FC Bayern wünscht sich, dass Uli wieder der wird, der er vorher war. Er gehört an die Spitze des Klubs.“

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Seit Anfang 2015 arbeitet Hoeneß bereits als Freigänger im Nachwuchsbereich der Bayern, muss allerdings noch bis zu seiner Entlassung am 29. Februar fünf Nächte pro Woche im Freigängerhaus der Justizvollzugsanstalt Landsberg/Lech verbringen. Am vergangenen Montag bereits hatte das Landgericht Augsburg dem Antrag des 64-Jährigen auf Aussetzung der restlichen Haftstrafe stattgegeben.

Ob sich Hoeneß allerdings tatsächlich mit der Aufgabe im Jugendbereich zufriedengeben wird, scheint fraglich. Schon während seiner Haft war er weiter in wichtige Entscheidungen der Klubspitze eingebunden, er warb intensiv für eine Vertragsverlängerung Pep Guardiolas, traf sich mehrfach mit dem Spanier, um ihn von einem Verbleib zu überzeugen. Letztlich ohne Erfolg. Doch seine Initiative zeigte, dass er sich nicht zurücknimmt, dass seine Meinung noch immer Gewicht hat. Eine Rückkehr ins Präsidentenamt des FC Bayern gilt deshalb als wahrscheinlichste Option.

Karl Hopfner, der den Posten von Hoeneß vor anderthalb Jahren übernahm, hat bereits angekündigt, bei einer Wahl nicht gegen Hoeneß antreten zu wollen. Im November auf der Mitgliederversammlung könnte es zur Ablösung kommen, Hopfner dürfte wohl Chef des Aufsichtsrats bleiben. Beckenbauer jedenfalls würde Hoeneß gern wieder auf dem Bayern-Thron sehen. „Er ist nun einmal das Gesicht des FC Bayern. In welcher Position, das muss er selbst wissen.“

Hoeneß selbst wird sich erst in ein paar Monaten zu dem Thema äußern. Bis dahin steht der Satz, den er auf der Mitgliederversammlung 2014, kurz vor seinem Haftantritt, den Bayern-Fans zurief: „Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch nicht!“ Maximilian Koch