Im Schloss Nymphenburg Das neue Naturkundemuseum hat Fenster!

Dino-Skelett optional: Der Neubau für Biotopia – großer Nachfolger an der Stelle des Museum Mensch und Natur – soll auf sich aufmerksam machen, ohne das Schloss-Ensemble zu zerstören Foto: Biotopia/Staab Architekten

Für 95 Millionen Euro baut der Freistaat ein Naturkundemuseum Bayern in einen Seitenflügel des Schloss Nymphenburg – um dessen Architektur gab es einige Aufregung. Die neuen Pläne lassen Biotopia nun viel luftiger und offener wirken

Schloss Nymphenburg - Ob es das große Dinosaurier-Skelett wirklich geben wird, das in der Visualisierung so putzig zwischen den Museumsbesuchern im Hinterhof herumschleicht, ist leider noch unklar. Ansonsten zeigen die Bilder der angepassten Pläne, die das Architektenbüro Staab und das Biotopia-Team gestern Abend im Hubertussaal im Nymphenburger Schloss vorgestellt haben, schon deutlich: Das Naturkundemuseum Bayern wird viel luftiger und offener wirken als noch nach den ersten Entwürfen.

Aufregung um die neuen Bilder

Einige Aufregung hatte es um die ersten Bilder von Staab Architekten zu dem Museumsbau gegeben, mit dem das Berliner Büro vor drei Jahren die Ausschreibung gewonnen hatte – auch wenn das Biotopia-Team immer wieder betonte, dass es sich dabei nicht um finale Entwürfe handelte.Die Kritik der Altstadtfreunde war deutlich: Der Neubau „mit seiner fast fensterlosen Sichtbetonfassade, Blechschindeldächern und breiten Eingangsöffnungen“ halte sich nicht an das universelle Fassadenkonzept des

Hofbaumeisters Joseph Effner und zerstöre das Erscheinungsbild des Schloss-Ensembles.

„Es war wichtig, diese Kritik zu haben“, sagt der Biotopia-Direktor Die Architekten sind auf die vielfältige Kritik eingegangen. Nicht, weil die so laut geäußert wurde – sondern weil eine Überarbeitung der Pläne sowieso geplant war. „Es war aber auch wichtig, diese Kritik zu haben“, sagt der Biotopia-Direktor Michael John Gorman. Gorman wurde im Oktober 2015 zum Chef des Museums berufen, „und da habe ich sofort gesagt: Bitte die Architektur nicht weiterplanen, wir brauchen erstmal ein inneres Konzept für das Museum“. Es habe keinen Sinn, sagt der Ire, eine Hülle zu bauen, wenn man nicht wisse, was drinstecke. „In der heutigen Architektur folgt leider oft der Inhalt der Form, das wollten wir unbedingt anders machen.“

Das sind die neuen Pläne für das Bayerische Naturkundemuseum

Im Januar 2017 stellte das Team seinen Masterplan für Biotopia vor: ein 95 Millionen Euro teures, interaktives Museum, das den Besucher für die Natur begeistert, indem es den Menschen in den Fokus stellt und ihm Parallelen zwischen dem eigenen Leben und dem anderer Lebewesen aufzeigt.

Als dieser Inhalt definiert war, nahm das Architekten-Team seine Arbeit wieder auf. „Wir hatten das Problem bei den ersten Entwürfen, dass explizit keine Fenster gewünscht waren“, erzählt Architekt Volker Staab. „In der Ausschreibung für den Wettbewerb ging man noch davon aus, dass in allen Räumen nur mit Kunstlicht gearbeitet werden soll, damit überall zum Beispiel Videokonzepte möglich sind.“ Dass nach der inneren Überarbeitung des Museums auch die Außensicht angepasst werden kann und es Fenster geben darf, „damit sind wir jetzt auch ganz glücklich“. Die Gebäudefront soll schließlich ins Museum einladen – ohne das Ensemble zu zerstören. „Das ist natürlich die Gratwanderung, wenn man an so einem Ort baut“, sagt Staab.

Die Farbigkeit wird abgestimmt auf die der „dienenden Gebäude“ Das Portal wird kleiner, was auch geht, weil man nun im Erdgeschoss ins Museum schauen kann. Dort gibt es keine Wände – betreten kann man es ohne Eintrittskarte. Die Farbigkeit des Gebäudes wird abgestimmt auf die der ehemals „dienenden Gebäude“ des Schlossrondells: weiß-gelb, mit einer mineralischen, rötlichen Dachverkleidung. Bei der öffentlichen Vorstellung der Pläne gestern äußerten trotzdem noch einige Bürger Bedenken: Eine Anwohnerin sorgte sich um den zunehmenden Verkehr und die damit wachsenden Gefahren für die Schulkinder. Eine andere zeigte sich auch vom neuen Entwurf „eher entsetzt“, weil der 60er-Jahre-Bau an der Maria-Ward-Straße abgerissen wird. Weitere Bürgerinnen und Bürger sorgten sich um die Symmetrie und das Gesamtbild des Schloss-Ensembles.

Die Entwürfe sind nicht endgültig

Auch die neuen Entwürfe sind noch nicht endgültig. „Diese Version gefällt mir deutlich besser“, sagte Asko Hochdorn (CSU), Denkmalschutzbeauftragter im Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg. Landtagspolitiker Robert Brannekämper (CSU) dankte den Anwohnern für ihr Engagement: „Wir sind noch nicht am Zielpunkt, aber auf dem richtigen Weg.“ Wo die Reise endet, wird voraussichtlich klar im Jahr 2024.

JETZT LESEN

1 Kommentar

Kommentieren

  1. null