Im Jahr des Sports in Rihannas Heimat Barbados: Karibischer Zehnkampf

Irgendwo an der Ostküste: Barbados als Wandgemälde Foto: Uli Eder

Barbados ist ein bunter, fröhlicher Punkt auf der touristischen Weltkarte. Lewis Hamilton gibt dort beim Karneval ohne Rennauto Vollgas, Prinz Harry tobt sich beim Polo aus, und der 21. Februar ist seit 2008 "Rihanna Day". Außerdem geht es recht sportlich zu auf der Karibikinsel.

Es ist die Insel, auf der zwar nicht jeder jeden, aber viele kennen viele. Rihanna (29, "Umbrella") kennt wirklich jeder auf Barbados, nur machen die Einheimischen keinen großen Hype um Robyn, wie die R&B-Sängerin dort genannt wird. Klar sind die Leute stolz auf ihren Pop-Star Robyn Rihanna Fenty, wie sie mit vollem Namen heißt. Aber ob sie nun gerade da ist oder nicht, interessiert hier ungefähr so sehr, wie wenn in den Lagerhallen der ältesten Rummarke Mount Gay ein Fass umfällt. Viel wichtiger ist der Tourismus, der schon lange das Zuckerrohr als wichtigste Einnahmequelle abgelöst hat. Um nicht nur die Reichen ins karibische Steuerparadies zu locken, kommen die barbadischen (nicht: barbarischen!) Experten auf mitunter hübsche Ideen. Wie etwa die, 2017 zum "Jahr des Sports" zu erklären. Grund genug, sich auf einige Disziplinen einzulassen, die aus einem faden Strand- einen erlebnisreichen Aktivurlaub werden lassen...

The Green Monkey: 4.000 Dollar für eine Runde Golf

Spielwiese für Megareiche: The Green Monkey Foto:Uli Eder

G wie Golf: Unser Insel-Zehnkampf startet irgendwie frustrierend. Schuld daran ist ein Traum von einem Golfplatz, den wir unter die Räder des Golfcarts nehmen, ohne ihn spielen zu können. Jede Spielbahn ein neues Naturerlebnis, 15 der 18 Löcher mit Blick auf die Westküste. Abschlag für Abschlag ein Ansichtskartenmotiv, Fairways wie samtene Rasenteppiche, die Greens wie mit der Nagelschere manikürt. "The Green Monkey" ist des Golfers Sehnsucht, aber bei der ist hier Endstation, bei 4.000 Dollar Greenfee. US-Dollar und pro Person, versteht sich. Das macht den "Grünen Affen" zu einem der teuersten Sportplätze der Welt, dafür gehört er zu einem der legendärsten Resorts des Planeten - dem Sandy Lane Hotel. Wer dort wohnt, darf übrigens für 390 Dollar abschlagen. Und bevor jetzt jemand beklagt, wie ungerecht die Golfwelt ist, sollte wissen, dass die Nacht im Sandy Lane zwischen 3.000 und 9.000 Dollar kostet und zumindest in der Hochsaison ein Mindestaufenthalt von 14 Tagen gefordert wird. Da bleibt uns nur der schwache Trost, dass Geld bekanntlich nicht immer glücklich macht. Übrigens hat Tiger Woods (41), längst geschiedener und gefallener Golfheld, einst im Golfclub Sandy Lane geheiratet.

Die Villa von Wayne Rooney am 13. Loch von Westmoreland Foto:Uli Eder

 

Auch im Royal Westmoreland, ein paar Kilometer weiter, ist reichlich Geld im Spiel. Dort sind die Fairway-Villen, also Luxushäuser entlang der Spielbahnen, ein Millionen-Geschäft. An Loch 13 hat Wayne Rooney (31), lange Englands bester Fußballer und inzwischen im Herbst seiner Dribbelkünste, ein millionenschweres Ferienhäuschen. Mit einer Golfkarriere ist allerdings kaum zu rechnen, jedenfalls nicht nach Einschätzung von Golflehrer Sean Edey: "Wayne ist nicht besonders begabt". Aber dafür, vor seiner Haustür Spaß zu haben, reicht es allemal. Royal Westmoreland ist kein spektakulärer Golfplatz, aber unberechenbar. Das liegt weniger an den Affenfamilien, die gerne mal am Rand der Fairways hocken, sondern vielmehr werden die Bälle in der hügeligen Landschaft gerne vom Wind verweht. Wer auf Ballsuche gehen möchte, ruft unter (246) 419 7242 an und fragt nach einer Abschlagzeit. Wenn der Platz nicht voll ist von den Rooneys dieser Welt oder anderen Clubmitgliedern, darf man spielen. Kostet auch nur 400 Dollar. Barbados-Dollar, verblüffender Weise, das sind um die 210 Euro.

Golfen im Regenwald: Apes Hill Foto:Uli Eder

 

Wenn ich die Wahl hätte zwischen Green Monkey und Westmoreland, würde ich im Apes Hill Club abschlagen, um dann im Regenwald mit hundertjährigen Palmen, Guaven und Bananenstauden zu verschwinden. Im Apes Hill begleitet dich die Schönheit des Inselinneren wie eine Orgie in Grün hoch in den Hügeln über dem Meer. Eines der "signature holes", wie die anglophile Golfwelt besonders schöne Spielbahnen nennt, ist dabei Loch zwölf - the one and only - von dem man einen Blick auf die Ostküste von Barbados hat.

Unterhaltsamer Wanderführer: der 74-jährige George Foto:Uli Eder

Langsam zu Fuß und flott im Kart

H wie Hiking: Als in den Achtzigern ein gewisser Richard Goddard nach einem langen Arbeitsleben in Kanada in seine Heimat zurückkehrte, stellte er entsetzt fest, dass die große Mehrheit seiner Landsleute erstens ihre eigene Insel nicht kannten und sich zweitens als Folge mangelnder Bewegung Fettleibigkeit und Diabetes ausbreiteten. Im Januar 1983 organisierte er deswegen das erste Volks-Hiking, und seither ist jeden Sonntag Wandertag für die Einwohner von Barbados. Diese und viele andere Geschichten über seine Insel erzählt George, ein drahtiger, topfitter 74-Jähriger, der einst Lehrer war und noch immer als Wanderführer unterwegs ist. Sein großes Wissen, gepaart mit milder Altersweisheit, macht die Tour durch Zuckerrohrfelder und Regenwald zu einem ganz besonderen Erlebnis. Wer also von Barbados mehr sehen will als die 110 Strandkilometer an den Küsten, der sollte sich die Hochebene im Landesinneren rund um den 336 Meter hohen Mount Hillaby nicht entgehen lassen - und beim Barbados National Trust unbedingt nach George fragen. Unterhaltsamer kann man sich Wissen nicht erwandern.

Auf den Spuren von Lewis Hamilton: Karting im Bushy Park Foto:Apes Hill

 

K wie Karting: Selten, aber doch, werden Businessideen aus einer Laune heraus getroffen. Wie im Fall von Mark Meloniy, einem Multiunternehmer der Insel, der vor ein paar Jahren in feucht-fröhlicher Runde mit Freunden in Rum-Stimmung von einer Schnapsidee begeistert war. Dies darf man durchaus wörtlich nehmen, denn überall würde man eine Rennstrecke vermuten, nur nicht auf einer Karibikinsel. Auf Barbados aber wurde im Mai 2014 der "Bushy Park" eröffnet, ein Schmuckstück mit variablen Rennstrecken, die von kleinen Tribünen gesäumt werden. Weil Mister Meloniy selbst gerne Gas gibt, kommt im Bushy Park wohl Spaß vor Kommerz. Aber nicht nur Touristen können hier in flotten Go Karts schnelle Runden drehen, denn die Strecke ist bereits so etwas wie das motorsportliche Herz der Karibik. Von vielen Inseln kommen die Piloten, um sich in unterschiedlichen Rennserien zu messen. Und einmal im Jahr findet das "Festival of Speed" statt, die barbadische "Lightversion" des Originals im englischen Goodwood. Bei der Premiere im letzten Jahr bewegte Formel 1-Star Lewis Hamilton (32) seinen Mercedes-AMG um den Rundkurs. Ehrengast beim nächsten Termin (14. Oktober) wird Kollege Jenson Button (37) sein, auch er ein Weltmeister der Formula One.

Eine Runde Mountainbike mit Frohnatur Randy Foto:Uli Eder

Randy's Radlstunde und das erste Polomatch

M wie Mountainbiken: Zu behaupten, die Leute reisten des Radfahrens wegen nach Barbados, wäre leicht übertrieben. Aber es gibt Mountainbikes und schöne Routen, und wer auf der Insel hoch zu Stahlross unterwegs sein mag, ohne sich stressen zu wollen, der ist bei einem wie Randy genau richtig. Rastalocken, Dauergrinsen, "life is good"-Einstellung. Randy radelt jeden Morgen um seinen Acker, auf dem er Gemüse zum Eigenverbrauch anbaut, und wenn er dann nach dem Rechten gesehen hat, geht es sofort an den Strand, um die Wellen zu beobachten. Randys größte Leidenschaft ist das Surfen, und wenn die Bedingungen gut sind, muss er sofort aufs Brett. Was aber, wenn er gleichzeitig als Bikeführer gebucht ist? "Dann kann es vorkommen, dass die Tour abgesagt werden muss", grinst Randy. So locker wie seine Einstellung ist dann auch Randys Radlstunde: gemütliches Pedaletreten über Straßen und Feldwege mit ein paar spektakulären Aussichten über die Ostküste. Ganz so, wie es Touristen mögen.

Immer schön langsam: Polo-Novizen bei ihrem ersten Match Foto:Uli Eder

 

P wie Polo: Für einen, der letztmals als Kleinkind auf dem Schaukelpferd geritten ist, eine Horrorvorstellung - Polo-Trainerstunde. Und dann stellt sich mit James Dickson, dem Manager des Apes Hill Polo Club, einer vor, den man eher bei den Navy Seals verortet hätte: Hagere Gestalt, kantiges Gesicht, kahl rasiertes Oberhaupt. Das konnte ja heiter werden! Wurde es auch, ernsthaft. Die Polopferde waren bestens geschult, reagierten auf die Zügel wie mit einem Joystick dirigiert. James entpuppte sich als großartiger Lehrer beim einstündigen Crashkurs und lobte lautstark mit einem langgezogenen "Shooooot", wenn die Probanden mit dem Stick den Ball getroffen hatten. Das funktionierte - man muss es leider zugeben - nur im Schritt einigermaßen, beim leichten Trab eher nicht, und an Galopp war ohnehin nicht zu denken. Aber was soll's? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Polo nicht nur elitär, sondern auch die zweitschwierigste Sportart ist, die es gibt - vor Golf, hinter Stabhochsprung. Einmal im Sattel bekommt man eine Ahnung davon, dass diese Dissertation richtig sein könnte. Gleichzeitig aber fasziniert der Sport so sehr, dass James und seine vierbeinigen Kameraden gerne interessierte Besucher an ihm schnuppern lassen wollen. Wer also schon immer davon geträumt hat, einmal gegen die regelmäßig auf Barbados urlaubenden Prinzen Harry (32) oder William (35) die Keule zu schwingen: James Dickson könnte helfen. Wird allerdings etwas länger als einen Urlaub brauchen.

Road Tennis-Weltmeister Mark Griffith (links) in Aktion Foto:Uli Eder

Exotisch: Road Tennis und Segway-Polo

R wie Road Tennis: "Das ist unser Weltmeister", stellt Präsident Dale Clarke stolz einen jungen Mann vor, den diese Aussage leicht peinlich zu berühren scheint. Aber wenn man so will, ist Mark Griffith aus Bridgetown, Barbados, der Champ im Road Tennis. Was das ist? Ganz einfach: Eine sechs mal drei Meter auf die Straße gemalte Tischtennisplatte ohne Netz, dafür mit einem acht Inch hohen Brett, das sind knapp über 20 Zentimeter. Gespielt wird mit einem Gummiball (alternativ Tennisball), den sich die Gegner mit großen Holzpaddels zum Stückpreis von nicht mal 25 Dollar um die Ohren schlagen. Gezählt wird wie früher beim Tischtennis bis 21. Auf Barbados wird Road Tennis seit den 30er-Jahren gespielt, fast jedes Wochenende gibt es irgendwo ein Turnier. Wenn Mark antritt, steht der Sieger auch so gut wie fest. Denn der Weltmeister ist Profi, kassierte kürzlich nach einem gewonnenen Finale ein Mittelklasseauto plus Bares im Gesamtwert von um die 70.000 Barbados-Dollar, das sind mehr als 30.000 Euro. "Ich kann gut von meinem Sport leben", sagt der Champ. Sein Präsident wiederum hofft, dass möglichst viele Touristen Spaß am Road Tennis finden und "Big Tischtennis" auf der ganzen Welt verbreiten: "Unseren Sport kann man überall spielen, und billig ist er auch." Und anstrengend. Eine Viertelstunde unter karibischer Sonne gegen den Champ genügte, um schweißgebadet wie japsend den Court zu verlassen. Aber es ist wahr: Road Tennis macht Laune, ist allerdings wegen der ständig gebückten Spielhaltung für Bandscheibengeschädigte nicht zu empfehlen.

Auch beim Segwaypolo ist Körperbeherrschung gefragt Foto:Hemer Butterflies

 

S wie Segwaypolo: Elektrische Roller statt Pferden? Da rümpft der Novize, der am Sport der Millionäre schnuppern durfte, pikiert die Nase. Immerhin wird Segwaypolo, das Anfang der Jahrtausend-Wende im Silicon Valley erfunden wurde, weitgehend nach den Regeln des Originals gespielt. Wie es sich anfühlt, mit einer Hand Gas zu geben und mit der andern auf den Ball zu dreschen, konnten wir leider nicht erfahren. Unsere Schnupperstunde fiel wegen Dauerregen aus, vermutlich herrschte erhöhte Aquaplaning-Gefahr. Immerhin erfuhren wir, dass Apple-Mitbegründer Steve Wozniak (66) ein begeisterter Player ist. Und dem, der sich beim Lesen dieser Zeilen eine Segwaypolo-Karriere vorstellen kann, empfehlen wir die Weltmeisterschaften vom 27. bis 30. Juli im nordrhein-westfälischen Hemer. Die Jungs vom Team Barbados sind übrigens Titelverteidiger, dafür hat das andere gemeldete Insel-Team den lustigeren Namen: Barbados Rum Runners.

Gute-Laune-Team: Tauchlehrer Robert und Oschell von Barbados Blue Foto:Uli Eder

Wracktauchen, Windsurfen und Meditieren

T wie Tauchen: Gleich neben dem Hilton Hotel, einer vor gut einem halben Jahrhundert begangenen architektonischen Bausünde an einem wunderschönen Strand, liegt der Carlisle Bay Marine Park. In ihm in Schnorcheltiefe versunken sind sechs Schiffswracks mit unterschiedlichen Schicksalen, die vor allem Taucher faszinieren: Eine torpedierte deutsche Fregatte aus dem Zweiten Weltkrieg, ein aufgegebenes Partyboot und ein Handelsschiff, das sein Kapitän absichtlich versenkte, um nicht mehr zur See fahren zu müssen, sind die Attraktionen. Da trifft es sich gut, dass "Barbados Blue" vor Ort eine Tauchbasis hat. Die reizende Oschell hinterm Tresen sieht zu, dass die Hobbytaucher Flaschen und Flossen bekommen, und dann geht es mit Tauchlehrer Robert unter Wasser, um bunte Fischschwärme und mit etwas Glück Meeresschildkröten zu bewundern.

"De Action Man" Brian Talma zu seiner aktiven Zeit Foto:Barbados Tourist Board

 

W wie Windsurfen: Was für den Rest der Welt Robby Naish (54) ist, ist für Barbados Brian Talma - eine Windsurflegende. "De Action Man" nennen sie den inzwischen 52-Jährigen, der nun von seinem guten Ruf und seiner Kite- und Surfschule am Sandy Beach lebt. Gerne hätten wir mit ihm über die Surfreviere rund um Barbados gesprochen und über alte Zeiten geplaudert. Leider aber gab es keine Action mit dem Action Man, der hatte wohl Besseres zu tun. Allerdings wurde er von seinem Kumpel Robert insofern ganz wunderbar vertreten, als der unserem Mädel-Quartett im Schnelldurchlauf die ersten Stehversuche mit Brett und Segel vermittelte. Die Reviere für Könner liegen anderswo: Silver Sands am Südzipfel, Drill Hall Beach bei Bridgetown und die berühmt-berüchtigte "Soup Bowl" an der Ostküste. Womöglich hätte uns Brian Talma an einem dieser Hotspots zeigen können, was er noch drauf hat.

Beliebt: Yoga am Strand Foto:Aral Tasher@unsplash

 

Y wie Yoga: Natürlich muss man nicht zur Yoga-Stunde nach Barbados. Um mit sich selbst gelenkig ins Reine zu kommen, tut es auch das Fitnessstudio um die Ecke. Aber erstens hätte bei unserem Insel-Zehnkampf eine Disziplin gefehlt, und zweitens hat es durchaus Charme, an einem feinen Sandstrand im Lotus-Sitz Padmasana die Beine zu kreuzen. Die warmen Sonnenstrahlen, die sanfte Windbrise, die rauschenden Wellen - man möchte die Augen gar nicht mehr öffnen bei dieser Meditation mit Barbados-Spirit. Ooommm. Weitere Informationen: www.visitbarbados.org/de

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