Im Herbst Aubinger Heizkraftwerk wird zum Kulturtempel

Das Aubinger Kraftwerk – ein Nazi-Bau von 1937 – ist das letzte noch erhaltene große Industriedenkmal Münchens. Seit es 1987 stillgelegt wurde, steht die Halle leer. Foto: Mathis Nitschke

Im Herbst bespielt ein Musiktheatermacher das leerstehende Industriedenkmal – danach soll es weitere Kulturevents geben.

Aubing - Auf welchem Weg die Jugendlichen immer wieder in die abenteuerliche Hallenruine einsteigen, um heimlich Parties zu feiern, das bleibt wohl ihr Geheimnis. Zumindest für eine Weile jedenfalls, im kommenden Herbst, müssen sie dann mal wirklich draußen bleiben.

Vom 18. bis 22. Oktober nämlich wird das ehemalige Aubinger Heizkraftwerk an der Rupert-Bodner-Straße ganz offiziell zum Kulturtempel: Fünf Tage lang bespielt der Münchner Komponist und Musiktheatermacher Mathis Nitschke (44) das Gebäude mit der "Mixed-Reality-Techno-Oper" namens "Maya".

Und nutzt dabei das verwitterte Ruinen-Innenleben der Halle. Die ist 27 Meter hoch, viele alte Maschinen stehen noch da, im Boden sind Löcher – und was nicht niet- und nagelfest ist, ist besprüht mit wilden Graffiti.

Wie es zu der Opernidee kam? Tja. Der Künstler ist selbst mal neugierig eingestiegen, hat gebannt aufs surreale Ambiente geschaut. "Mir war sofort klar, hier will ich unbedingt was machen." Die Eigentümer, die Brüder Christian und Michael Amberger (Geschäftsführer der Allguth-Tankstellen), die das Gebäude 2005 gekauft haben, waren begeistert.

Ohnehin feilen sie schon lange an der Idee, einen Kunst- und Kulturtempel aus dem Industriedenkmal zu machen. Dafür haben sie den Architekten Peter Haimerl um Entwürfe gebeten. Nachdem der Plan sich zerschlagen hat, dass die Münchner Philharmoniker das Kraftwerk (zumindest während der Gasteigsanierung) als Konzertsaal nutzen könnten, überlegen sie neue Konzepte. Übergangsweise vermieten sie die Räume für Fernseh-Drehs und Fotoshootings. Die Techno-Oper im Herbst soll nun der Auftakt für weitere Events sein.

Und worum geht es nun in der Techno-Oper? Die Einsamkeit in der digitalen Welt. Die Mezzosopranistin Martina Koppelstetter verkörpert dabei Maya, die aus der digitalen Welt kommt. Um mittendrin zu sein im Geschehen, laden sich die Zuschauer eine Maya-App auf ihr Smartphone, bewegen sich frei in der Halle und "verwandeln sich in eine gaffende Menge, gegen die Maya ansingen muss", sagt Nitschke. Man darf gespannt sein.


Mehr unter www.mayaoper.de

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