Löwen-Kapitän Christopher Schindler glaubt an den Klassenerhalt des TSV 1860. Die AZ sprach mit dem Innenverteidiger im Trainingslager im spanischen Estepona.

AZ: Herr Schindler, knapp 20 Grad im Trainingslager anstelle von Schnee und Eis in der Heimat – aber ganz schön windig, oder?

CHRISTOPHER SCHINDLER: Stimmt, aber kein Grund, sich zu beschweren. Der Platz ist super, nahe am Hotel, wir können wir zu Fuß gehen – über eine Autobahnbrücke. Das Timing ist bei dem Wetter in München natürlich top.

Beim Abflug nach Estepona stieß noch ein Neuzugang dazu: Jan Mauersberger. Erster Eindruck?

Er bringt viel Erfahrung mit und hat beim KSC in einer sehr gut organisierten Mannschaft gespielt. Wir haben schon erste Gespräche über taktische Dinge geführt. Ich freue mich, dass wir ihn holen konnten.

Mit Mauersberger und Sascha Mölders hat Sportchef Oliver Kreuzer zwei Typen geholt, die genau ins Anforderungsprofil passen.

Die Erfahrung der beiden ist Gold wert. Mölders kennt Abstiegskampf vom FSV Frankfurt sehr gut. Jetzt haben wir mehr Optionen im Sturm, können mit zwei Stürmern spielen. Kein einziger Spieler, der in der Hinrunde gespielt hat, kann sich sicher sein, dass er spielt. Das ist gut.

Das neue Innenverteidiger-Duo könnte bald Schindler und Mauersberger heißen. Der Kapitän und ein 30-jähriger Routinier, der Verantwortung übernehmen will. Wer gibt da die Kommandos?

Als ich Kapitän wurde, habe ich gesagt: Egal, ob mit Binde oder ohne, man muss Verantwortung übernehmen. Ich sage immer noch: Das geht uns ab. Es gibt immer zwei Wege: Entweder durch Statistiken, Tore und Vorlagen seine Aufstellung rechtfertigen, oder durch Verantwortung und Organisationsfähigkeit. Es gibt bei uns drei, vier Spieler, die den Mund aufmachen. Zu wenig, vor allem, wenn du zum Beispiel in Lautern auf dem Betzenberg spielst. Ich bin um jeden Spieler froh, der Verantwortung übernehmen will. Und so schätze ich ihn ein.

Jetzt wären noch zwei Typen im Mittelfeld vonnöten, um die Planungen endgültig abzuschließen.

Auf den Außen sind wir dünn besetzt. Ganz klar, es wäre es gut, wenn wir uns auf dieser Position verstärken. Aber es muss von der Mischung her passen. Ich kann mich noch erinnern, als es vor fünf Jahren hieß: Wir sind zu alt. Jetzt heißt es: Wir brauchen Erfahrung. Am Ende geht es nur um Punkte. In der zweiten Liga geht es nur um Ergebnisse. Und die haben wir nicht geliefert.

14 Punkte und nur 15 Tore – die Bilanz eines Absteigers.

Wir sind in den entscheidenden Situationen zu naiv, machen das Tor nicht, dafür den Abwehrfehler. Wir haben viele Spiele knapp verloren.

Ein Quartett wurde kürzlich als untauglich eingestuft, darunter Korbinian Vollmann.

Ich finde es schade, weil ich weiß, was Korbi (Anm. d. Red. Korbinian Vollmann) kann. In einer anderen Situation schafft er es vielleicht auch hier. Woanders muss er bei Null anfangen und jeden überzeugen. So etwas kann helfen.

Investor Hasan Ismaik schießt derzeit täglich seine Facebook-Botschaften ab.

Ich bin nicht mehr bei Facebook.

Aber Sie dürften mitkriegen, was er da postet: Mal droht er mit Insolvenz, mal will er ein neues Stadion bauen.

Natürlich, aber ich möchte sie nicht kommentieren.

Inwieweit wirken sich solche Störfeuer auf die Mannschaft aus?

Das geht natürlich nicht spurlos vorbei. Ich werde auch darauf angesprochen. Klar wäre es besser, wenn außenherum alles geklärt ist. Letztendlich ist aber so: Wir können nur etwas ausrichten, indem wir uns gut auf die restlichen 15 Spiele vorbereiten.

Was bereitet Ihnen Hoffnung, dass Sechzig – trotz aller Unruhe – nicht absteigt?

Dass wir meistens nur knapp verloren haben. Die beiden bisherigen Transfers. Dazu haben in der letzten Saison gezeigt, dass wir Ergebnisse liefern können, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Was sollen wir jetzt machen? Es geht nicht mehr darum, den richtigen Pass zu spielen, egal – es geht nur noch darum, zu gewinnen. Dieser unbedingte Wille, diese Mentalität, die müssen wir in jedem Training zeigen. Wir müssen angefressen sein. Egal, wer auf dem Platz steht: Das müssen wir leben.