Claudiu Dumitriu ist der wohl bekannteste Tierschützer Rumäniens. Der Aktivist kämpft in seiner Heimat gegen brutale Hundefänger und korrupte Beamte.

München - Eigentlich ist Claudiu Dumitriu eher zufällig Tierschützer geworden: durch die Freundschaft zu dem Geschichtsprofessor Codrut Feher. Dieser beklagte sich eines Tages, dass Tierfänger die Straßenhunde verschleppt hätten, die er jeden Abend vor seinem Haus fütterte. Dumitriu, damals noch Manager eines multinationalen Konzerns, half ihm, die Vierbeiner zu befreien. 2012 gründeten die Freunde den Verein „Alianta pentru Combaterea Abuzurilor“ („Allianz zur Bekämpfung der Missbräuche“) – und heute ist Dumitriu einer der bekanntesten Aktivisten Rumäniens.

Mitte Juli wurden er und zwei Münchner Mitstreiter in Bukarest von Hundefängern in einen Hinterhalt gelockt. Die Angreifer verletzten einen der Deutschen und demolierten Dumitrius alten Skoda. Die AZ hat den Tierrechtler bei einem Zwischenstopp in München getroffen.

AZ: Herr Dumitriu, Sie haben die Männer angezeigt, die Sie attackiert haben. Was ist daraus geworden?
CLAUDIU DUMITRIU: Diesmal ist etwas Außergewöhnliches passiert: Die Polizei hat über die Fingerabdrücke auf meiner Karosserie drei der Täter ermittelt. Sie waren als Verbrecher registriert, als gewalttätige Diebe. Schlimm daran ist, dass diese Gangster zum Hundefangen eine Polizei-Eskorte bekommen haben.

Werden die drei bestraft?
Die Fingerabdrücke sind ein starker Beweis. Zudem habe ich sie identifiziert. Ich finde, dass diese Typen ins Gefängnis gehören und den Schaden bezahlen müssen. Aber das wird erst im Prozess entschieden.

Die Häscher sollen das Streuner-Problem in Bukarest lösen. Wie viele wilde Hunde gibt es dort?
Wir schätzen, es waren einmal 40 000. Die Behörden behaupten, es seien 65 000 gewesen und man habe noch nicht einmal die Hälfte gefangen.

Stellen die Tiere denn tatsächlich eine Gefahr dar?
Maximal fünf bis zehn Prozent. Aber die Frechheit ist: Die aggressiven Rüden werden gar nicht von der Straße geholt. Die erwischt man schlecht und außerdem kassiert ein Hundefänger dasselbe für einen braven Hund, der schwanzwedelnd auf ihn zukommt. Warum soll er dann mehr arbeiten? Diese Typen fangen nur freundliche Hunde ein – und nicht nur das: Sie nehmen auch Privatleuten ihre Hunde weg. Ich habe gesehen, wie sich eine Frau schützend über ihren Hund geworfen hat. Die Tierfänger haben so sehr an ihr gezerrt, dass sie am Arm verletzt wurde.

2013 wurde ein Vierjähriger totgebissen. Sieben Tage später wurde das Einfangen und Töten von Straßenhunden per Gesetz genehmigt. Wie ist der aktuelle Stand?
Das Gesetz erlaubt, dass die Hunde nach 14 Arbeitstagen getötet werden. Aber unser Verein und „Vier Pfoten“ haben erreicht, dass die Umsetzung außer Kraft gesetzt wurde.

Laut Staatsanwaltschaft ist jetzt klar, dass sich der Bub auf ein Firmengelände verirrt hatte und dort von den Wachhunden angefallen wurde.
Genau – und deshalb gibt es eigentlich keinen Grund mehr für dieses tödliche Gesetz.

Warum wird dann weiter Hatz auf Hunde gemacht?
Da geht es um sehr viel Geld.

Wer verdient daran?
Allein in Bukarest wurde ein Budget von etwa 13 Millionen Euro für die Hundefängerei freigegeben – aus Steuergeldern. Drei private Firmen, die einen Vertrag mit den Behörden haben, erhalten davon 50 Euro pro eingefangenem Hund. Diese Firmen gehören über Strohmänner Politikern oder ihren Verwandten. Sie haben in Bukarest angeblich 32 000 Hunde von der Straße geholt. Das macht einen Gewinn von 1,6 Millionen Euro nur fürs Einfangen.

Und wie geht’s weiter?
Das Tier kommt ins Tierheim. Dubiose Tierärzte stellen riesige Rechnungen. Die nächsten Posten sind das Futter, die Gehälter für das Personal und am Ende die Einschläferung und die Vernichtung der Tierkörper. Das erledigt eine Privatfirma, die auch sehr viel Geld erhält. Angesetzt sind für all diese Schritte 150 bis 250 Euro pro Hund. Aber tatsächlich liegen die realen Kosten pro Tier nur bei 30 bis 50 Euro. Sie bekommen die Medikamente nicht, die abgerechnet werden und auch nur sehr wenig Futter. Und ganz wichtig: Die Anzahl der Hunde ist gefälscht. Deshalb wollen die Hundefänger ja niemanden dabei haben – die fangen fünf Hunde ein und rechnen 20 ab. Millionen Euro landen auf diesem Weg in privaten Taschen und niemanden interessiert es.

Warum machen Sie trotzdem weiter?

Für mich gibt es kein Zurück mehr. Ich habe zu viel Tierleid gesehen. Außerdem haben wir Einiges erreicht. Etwa, dass die Tötungsstation in Brasov für Tierschützer geöffnet wurde, dass die Tiere dort gefüttert und versorgt werden. Seitdem ist diese Einrichtung ein Vorzeige-Tierheim. Und letzten Endes geht es nicht allein um Tierquälerei. Es geht auch um Korruption und Demokratie.

Claudiu Dumitriu und sein Verein sind dringend auf Spenden angewiesen:
Asociatia Alianta pentru Combaterea Abuzurilor
IBAN: RO49OTPV210000613179EU01
BANK: OTP BANK ROMANIA SA
SWIFT: OTPVROBU