Der HSV, Stuttgart und Bremen taumeln Richtung 2. Liga. Der Druck wächst – und die Trainer der Klubs streichen freien Tage. Aktionismus - oder wirklich eine der letzten Chancen, das Ruder herumzureißen?

München -  Mario Basler hatte schon vor dem 19. Spieltag so eine Vorahnung und ätzte via Twitter, Tanja Schumann aus dem Dschungelcamp sei ja „so wie der HSV: alt, unlustig, nicht mehr zu retten“.

Nach dem 0:3 gegen Hoffenheim am Samstag legte Basler noch mal nach: „Das #Dschungelcamp geht übrigens auch morgen weiter. Mit lauter B- und C-Promis im Chaos. Läuft aber nicht mehr bei @RTLde sondern bei @HSV“.

Tatort HSV: „Wir ham die Schnauze voll“, singen die Fans schon während der Partie gegen Hoffenheim, später protestieren sie vor dem Mannschaftsbus. Fünf Pleiten in Folge, das gab es zuletzt im Oktober 1970. „Ich kann es nicht mehr sehen, wie wir die Tore bekommen. Es ist eine Katastrophe, was wir spielen. Am Ende des Tages fehlt die Qualität“, poltert Kapitän Rafael van der Vaart. Harte Worte, die wohl auch an die Adresse von Manager Oliver Kreuzer („Wir sind richtig dick im Abstiegskampf“) gehen. Und Trainer Bert van Marwijk, ebenfalls in der Kritik, weil er seinen Versagern vor der Hoffenheim-Pleite (Tore: Firmino, Süle, Beck) zwei Tage freigegeben hatte, übt sich in Durchhalteparolen: „Ich bin kein Typ, der aufgibt.“ Aber vielleicht ja zum Aufgeben gezwungen wird, bei „Sky“ sagt er schon: „Ich mache mir gar keine Gedanken über meinen Job. Aber wenn man denkt, dass es ein anderer besser kann, dann müssen die mir das sagen." Aber wer wird das tun? Sportdirektor Oliver Kreuzer eher nicht: „Ständig immer alles auf den Trainer zu schieben – das hat man in den letzten Jahren immer gemacht. Immer war der Trainer schuld, immer wieder ist man auf die Trainer los. Ich habe gesagt: Das ist der richtige Trainer für diesen Verein. Da muss man andere Dinge hinterfragen." Zum Beispiel den Sportdirektor selbst, der kein gutes Bild abgibt. Im Umfeld werden schon – für beide Positionen – Namen wie Felix Magath und Mirko Slomka gespielt. Immerhin: Den freien Tag in dieser Woche hat der Trainer gestrichen, geht ins Kurztrainingslager.

Tatort Stuttgart: Mit 1:0 in Leverkusen geführt (Torschütze Leitner), am Ende nach Toren von Kießling und Derdiyok doch noch 1:2 verloren. Oder wie Trainer Thomas Schneider es nennt: „Für mich war es wie: Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Fast regelmäßig kassiert der VfB seine Gegentore in der Schlussphase, vor der Niederlage gegen Leverkusen zuletzt beim 1:2 gegen den FC Bayern. Was die Frage aufwirft: Ist die Mannschaft schlichtweg nicht fit? „Ich habe absolutes Vertrauen zu meinen Spielern“, sagt Schneider. Sportvorstand Fredi Bobic: „Es war eine unglaubliche Woche, im negativen Sinn.“ Der VfB hat nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Tatort Bremen: Trainer Robin Dutt ist bedient. Den freien Montag hat der Coach nach dem 1:3 in Augsburg gestrichen. Stattdessen kündigt er Konsequenzen an: „Ich bin einigermaßen sauer – und das ist noch untertrieben. Intern werden sich einige auf etwas einstellen müssen.“ Ein Eigentor von Callsen-Bracker hatte Werder in Führung gebracht, Werner, Altintop und Hahn drehten das Spiel. Bremens Vorsprung auf Platz 16: nur noch vier Punkte. Aber im Abstiegskampf ist man ja in prominenter Gesellschaft. fen