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Hoffnungsvoll am Kap Südafrika: Mit dem Rad gegen den Wind

Gregor Preiss aus Kapstadt, vom 07.02.2012 05:00 Uhr
Wer Rad fährt, sieht mehr vom Land, zum Beispiel die zwölf Apostel des Tafelbergs in Kapstadt. Foto: look-foto.de
Wer Rad fährt, sieht mehr vom Land, zum Beispiel die zwölf Apostel des Tafelbergs in Kapstadt. Foto: look-foto.de

Kapstadt - Der Wind bläst so stark, dass er die Schwerkraft auszuhebeln scheint. Obwohl es auf der R44 zwischen Hermanus und Gordon’s Bay bergab geht, bewahrt nur schiere Muskelkraft im niedrigsten Gang vor dem Stehenbleiben. „Scheiß Wind“, schimpft der Radurlauber aus Deutschland. „Herrlich, was?“, entgegnet Reiseleiter Kevin, halb Deutscher, halb Südafrikaner – und somit dem Besucher in der Frage, wie man Dinge auch positiv sehen kann, um 50 Prozent voraus.

Es ist Tag elf unserer Radreise, die uns von Port Elizabeth auf meist wenig befahrenen Nebenstraßen nach Kapstadt führt – etappenweise auf dem bereitgestellten Achtgangrad, einen Teil der Strecke chauffiert uns Ben, ein Kenianer vom Stamm der Massai, mit dem Bus. Sämtliche Launen des Wetters liegen bereits hinter uns. Sonne, Hitze, Regen und Hagel – der südafrikanische Frühling ist unberechenbar. Die einzige Konstante ist der Wind, genauer: der Gegenwind. Er umweht das Kap der Stürme beständig aus westlicher Richtung, bis er den Radtouristen an den Nerven zehrt. Doch sehen wir es südafrikanisch: Wind macht den Kopf frei – und schärft den Blick auf die Landschaft. Eben das, was zählt beim Radfahren.

Der rund 750 Kilometer lange Küstenstreifen der Gardenroute gehört aufgrund seiner Artenvielfalt zu den sechs floristischen Königreichen. Das weite Grasland des Fynbos (Afrikaans, abgeleitet von feiner Busch) beheimatet mehr als 9000 Pflanzenarten; die Hälfte davon ist endemisch, also nur dort vorhanden. „Vorsicht beim Austreten“, rät Kevin. Denn neben Springbock und Antilope fühlen sich auch Puffotter und Kapkobra in dem dichten Bewuchs wohl. Am besten stapft man fest mit den Füßen auf den Boden – Vibrationen halten die Schlangen fern.

Welche Wesen mögen sich erst in dem lianenverhangenen Urwald der Bloukrans-Schlucht verbergen, in dem sich J. R. R. Tolkien für sein Meisterwerk „Herr der Ringe“ inspirieren ließ? Wir radeln weiter durch Schluchten und Halbwüsten sowie über Pässe – vorbei an zwei Ozeanen, an unzähligen Jacarandas, Bougainvilleas in Rot, Gelb und Orange, an Weinbergen, Aprikosen- und Granatapfelplantagen, Straußenfarmen, Pinguinkolonien, Eukalyptus und Gelbholzbäumen. Stuttgart 21 lässt grüßen: Einige der Hunderte Jahre alten Bäume wurden für den Bau der Autobahn N2 versetzt – zum Preis von für südafrikanische Verhältnisse unglaublichen 20 Millionen Euro.

Kommentare (1)
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FEB
07
08:30 Uhr, geschrieben von Andy
Fahrradfahren...
Fahrradfahren DURCH Kapstadt halte ich allerdings für nicht ungefährlich. Zum einen ist die Rücksichtnahme im Verkehr eher mau ausgestaltet, zum anderen ist der Kriminalitätsfaktor in der Stadt nicht außer Acht zu lassen. Auch am helllichten Tag. Anders sieht es dann außerhalb der Stadt aus, erst recht entlang der wunderbaren Garden Route. Schönes Fleckchen Erde, wo ich gerne wieder hin möchte. Vor allem der Tsitsikamma-Nationalpark am Bloukransriver ist atemberaubend schön!
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