Höchste Gefahr in den Alpen Münchner rettet verschütteten Sachsen aus Lawine

, aktualisiert am 22.01.2018 - 11:30 Uhr
Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes in den Berchtesgadener Bergen, wo am Sonntag zwei Männer von einer Lawine verschüttet wurden. Foto: BRK/BGL

Gleich an drei Bergen in Oberbayern sind am Sonntag Schneemassen gen Tal gerutscht. Die Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Ein Verunglückter ist später im Krankenhaus verstorben.

München - Bei drei Lawinenabgängen sind in Oberbayern am Sonntag mehrere Skifahrer verletzt worden – einer von ihnen ist im Krankenhaus gestorben.

Sachse stirbt im Krankenhaus

Der 30-jährige Mann aus Sachsen hatte am Sonntagvormittag eine Skitour im Geigelsteingebiet (Lkr. Traunstein) unternommen, teilte die Polizei am Abend mit. Er war mit einem 57-jährigen Münchner unterwegs, den er kurz zuvor getroffen hat. Gemeinsam wollten sie am Mittag am "Sattel" in Richtung Südosten über einen steilen Rücken abfahren. Während der Abfahrt bemerkte der Münchner, dass von hinten eine Lawine heranrollte – er schaffte es jedoch, an der Oberfläche zu bleiben und sich selbst aus den Schneemassen zu befreien.

Weil er seinen Begleiter nicht mehr finden konnte, suchte er ihn mit einem Laweinenverschüttungssuchgerät (LVS-Gerät). Kurz darauf konnte er ihn finden und aus dem Schnee graben. Der 30-Jährige war nicht mehr ansprechbar, weswegen der 57-Jährig sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begann. Tourengeher, die zufällig vor Ort waren, unterstützten ihn dabei.

Wegen der Witterung konnte zunächst kein Hubschrauber am Einsatzort landen, die Rettungskräfte mussten über das Tal, teilweise mit Pistenraupen, zum Unfallort fahren. Die Reanimationsmaßnahmen beim 30-jährigen Oberwiesenthaler wurden bis zum Eintreffen des Noarztes aufrechterhalten. Danach brachte ihn der Rettungsdienst in ein Krankenhaus, wo er wenig später verstarb.

Brünnsteinschanze: Lawine verschüttet Münchner

An der Brünnsteinschanze (Lkr. Rosenheim) kam es am Sonntag zu einem weiteren Lawinenabgang. Ein 35-jähriger Münchner war mit seiner Frau und seinem Schwager auf einer Skitour unterwegs. Bei der Abfahrt auf der Nordost-Seite erfasste ihn ein Schneebrett, nachdem sie in eine steile Waldschneise eingefahren sind. Die Lawine riss ihn etwa 200 Meter mit und verschüttete ihn rund einen Meter tief.

Gleich darauf konnte er jedoch von seinem Schwager mittels LVS-Gerät geortet und ausgegraben werden. Die Bergwacht übernahm die Erstversorgung des 35-Jährigen, welcher anschließend in ein Krankenhaus gebracht wurde. Er erlitt durch den Unfall mehrere Frakturen und eine Unterkühlung.

Lawine reißt zwei Bad Reichenhaller mit

Glück hatten am Sonntag auch zwei Bad Reichenhaller (42, 45), die unabhängig voneinander auf einer Skitour Richtung Zenokopf in den Reichenhaller Bergen unterwegs waren. Als sich einer der beiden in einer Rinne neben einem Steilhang befand, löste er ein Schneebrett aus, welches ihn etwa 30 Meter mitriss und völlig verschüttete. Der zweite Bad Reichenhaller geriet ebenfalls in die Lawine, wurde jedoch nur teilweise verschüttet und konnte sich selbstständig befreien.

Er setzte unmittelbar darauf einen Notruf ab und konnte den Verschütteten, zusammen mit weiteren Skibergsteigern, innerhalb von wenigen Minuten aus den Schneemassen befreien. Beide Männer blieben, bis auf starke Unterkühlungen, bei dem Unfall glücklicherweise unverletzt.

Höchste Lawinengefahr in den Alpen

In großen Teilen der Alpen herrscht jetzt die höchste Lawinenwarnstufe. Bei heftigen Niederschlägen wächst die Gefahr gefährlicher Abgänge immer weiter. Durch wärmere Luft sei Niederschlag bis zu 2.000 Metern Höhe als Regen gefallen, was die Schneedecke zusätzlich labil werden lasse, warnten Fachleute in der Schweiz und Österreich am Montag. "Man muss verbreitet in der Schweiz mit großen Lawinen rechnen", sagte Christine Pielmeier vom Davoser Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) im Schweizer Rundfunk. "Heute ist die heikelste Phase, Entspannung erwarten wir eigentlich erst im Laufe des Dienstags." (Lesen Sie dazu: Ausnahmezustand mancherorts in den Alpen)

Auch in Österreich war die Lage problematisch. In Tirol galt für manche Gebiete die höchste Lawinenwaranstufe. In beiden Ländern waren Straßen- und Bahnverbindungen in zahlreiche Orte abgeschnitten, darunter die Wintersportorte Zermatt und Andermatt in der Schweiz und St. Anton und Galtür in Österreich.

In der Schweiz seien in südlichen Regionen teilweise innerhalb einer Woche drei Meter Neuschnee gefallen, sagte Pielmeier. So extreme Schneehöhen wie dort habe es seit 1999 nicht mehr gegeben. Die höchste Lawinengefahr galt in einem breiten Streifen durch die ganze Schweiz von West nach Ost, vom Wallis bis nach Graubünden.

"Die Lawinen können sehr weit vorstoßen, warnte das SLF. "Exponierte Siedlungen sowie Verkehrswege sind mehrheitlich gefährdet." Von Schneesport abseits gesicherter Pisten werde "dringend abgeraten".

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