Dramatische Hochwasserlage in Bayern. Am Ammersee wird ein Mann (32) von einem Bach mitgerissen. Evakuierungen in Rosenheim.

Passau, Rosenheim, Miesbach, Berchtesgaden, Tegernsee - Am Sonntagmorgen macht ein Fischer im Ammersee eine grausige Entdeckung: Eine Leiche liegt an einer Sandbank – gleich an der Mündung des Mühlbachs in Utting. Schnell ist klar: Es handelt sich um einen 32-jährigen Wirtschaftsinformatiker. Er war laut Polizei bis Mitternacht in einer Gaststätte am Bahnhof gewesen. Danach machte er sich zu Fuß auf den Heimweg. Dabei stürzte er wohl in den Hochwasser führenden Mühlbach und wurde von den Fluten mitgerissen.

Der Mann ist schon das zweite Opfer des Hochwassers: Bereits in der Nacht auf Donnerstag war im Unterallgäu ein 23-Jähriger nach einer Party in einem See nahe Pfaffenhausen ertrunken.

Im Rest des Freistaats haben die starken Regenfälle zu materiellen Schäden geführt: Die A8 wurde am Sonntag bei Grabenstätt (Landkreis Traunstein) in beiden Richtungen gesperrt – das Wasser des Chiemsees hatte die Fahrbahnen komplett überflutet. Auch alle örtlichen Umleitungsstrecken standen nach Polizeiangaben unter Wasser. Die Bahnlinien zwischen München und Salzburg wurden wegen Unterspülungen und nach Murenabgängen unterbrochen.

Die Landratsämter Rosenheim, Miesbach und Berchtesgaden hatten zuvor schon wegen Murenabgängen und Überflutungen Katastrophenalarm ausgelöst. Die Gemeinde Schneizlreuth wurde am Sonntag sogar komplett von der Umwelt abgeschnitten. Die Bewohner wurden von den Behörden aufgefordert, sparsam mit Trinkwasser umzugehen.

In Rosenheim bereitete neben dem Inn vor allem die Mangfall Sorgen. Besonders kritisch war die Lage zwischen Feldkirchen-Westerham und Rosenheim. Der Pegel der Mangfall, so fürchten die Rettungskräfte, dürfte so hoch steigen wie seit über 100 Jahren nicht mehr.

Im Berchtesgadener Land mussten am Sonntagmorgen drei Bauernhöfe evakuiert werden. Eine Mure schwappte durch ein Gästehaus. Verletzt wurde niemand. Überall im Alpenvorland waren die Feuerwehren im Dauereinsatz.

Für den Tegernsee warnte das Landratsamt Miesbach vor einem schweren Hochwasser, ein Ausfall der Stromversorgung drohte. Besonders betroffen waren Seegrundstücke und die Anlieger am Unterlauf der Rottach.

Die aus dem Süden zurückkehrenden Pfingsturlauber wurden von dem Hochwasser überrascht. Auf der österreichischen Tauernautobahn (A10) seien mehrere Muren abgegangen, erläuterte der Polizeisprecher in Rosenheim. Die Fernstraße ist im österreichischen Bundesland Kärnten total gesperrt. Die Autofahrer müssen deshalb auf die ohnedies schon stark befahrene Brennerroute ausweichen. Auch die Inntalautobahn ist in Österreich und Bayern zwar befahrbar. Allerdings kommen die Heimkehrer auf der gesperrten A8 Richtung Salzburg danach nicht mehr weiter. Auch viele Nebenstrecken seien wegen Überflutungen gesperrt, so dass die Heimreise zum Geduldsspiel werden dürfte. Der Polizeisprecher empfahl, auf Radiodurchsagen zu achten.

Nach tagelangem Dauerregen drohte der Dreiflüssestadt Passau ein neues Jahrhunderthochwasser, sagte Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD). Erwartet werde ein Pegelstand von etwa 11 Metern. Das bisherige Jahrhunderthochwasser von 2002 hatte einen Pegelstand von 10,81 Metern erreicht. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) berief ein Krisentreffen ein, um über mögliche Hilfen zu beraten.

Betroffen ist auch die Münchner S-Bahn ins Oberland. Aufgrund von Unwetterschäden ist der Streckenabschnitt  der S 7 Wolfratshausen zwischen Baierbrunn - Ebenhausen gesperrt. Die Züge wenden in Baierbrunn und Ebenhausen. Züge pendeln zwischen Ebenhausen und Wolfratshausen. Nach Möglichkeit wird ein Schienenersatzverkehr zwischen Baierbrunn und Ebenhausen eingerichtet.