An der Westenriederstraße wird ein Stück der mittelalterlichen Zwingermauer wieder aufgebaut – 150 Meter neben der Stelle, an der die 140 Steine jahrhundertelang lagen.

MÜNCHEN Viel übrig ist nicht mehr von den mittelalterlichen Zeugen der Münchner Vergangenheit. Isartor, Karlstor, Sendlinger Tor – und ein Stück alte Stadtmauer in der Jungfernturmstraße. Um so erfreulicher ist das kleine Fundstück, das jetzt gerade an der Westenriederstraße rekonstruiert wird – natürlich aus Originalsteinen.

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„Translozierung” ist der Fachbegriff für das, was in der kleinen Grünanlage von erfahrenen Steinmetzen und -innen gemacht wird. Die rund 140 grob behauenen Nagelfluh-Steine stammen aus 150 Metern Entfernung. Sie wurden bei den Bauarbeiten auf dem ehemaligen Parkplatz neben dem „Sedlmayer” gefunden – und werden jetzt in der Nachbarschaft wieder aufgebaut.

Bei den Funden handelt es sich um Reste der alten Zwingermauer und eines Verteidigungsturmes, die parallel zur und vor der alten Stadtmauer anrennende Feinde abhalten sollten. „Hier wird ein Teil der ehemaligen Befestigungsarchitektur sichtbar und begreifbar gemacht”, sagt Florian Hochstätter vom Baureferat. Und Ludwig Semmler von der Unteren Denkmalschutzbehörde ergänzt: „Es ist ein Glücksfall, dass wir eine Stelle haben, an der wir die Funde wieder aufbauen können.” Und das exakt an einer Stelle, an der im 14. Jahrhundert ebenfalls die insgesamt vier Kilometer lange Zwingermauer verlief.

Immerhin 40 Meter davon können die Arbeiter bis Mitte September in einer bis drei Lagen an Steinen rekonstruieren – die Reste des ebenfalls exakt an dieser Stelle gelegenen Befestigungsturms inklusive.

Der kleine archäologische Park im Schlagschatten des Isartors soll ein Platz zum Sitzen und Ratschen werden, inklusive einer erklärenden Tafel über seine geschichtliche Bedeutung. Er macht deutlich, dass das Isartor kein isoliert stehender Solitär war, sondern Teil des doppelten Münchner Verteidigungswalles.

Die „Translozierung” – also Umsetzung – der 140 steinernen Zeitzeugen kostet 115000 Euro. Das Geld stammt aus dem städtischen Kulturbaufonds. 

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