Carlomaria Grassinger ist tot. Die AZ-Leser helfen seiner Witwe, die das erste Weihnachten ohne ihren Mann verbringt.

MÜNCHEN Ihre Hand ruht sanft auf seiner Wange. Es ist ein zärtliches Bild. Als es im November aufgenommen wurde, ahnte niemand, dass es das letzte gemeinsame Foto des Paares sein würde. Doch dann ging alles ganz schnell. Der Zustand von Carlomaria Grassinger verschlechterte sich rapide. Am Sonntag ist der 83-Jährige im Krankenhaus gestorben. „Ich habe noch gar nicht realisiert, dass er wirklich nicht mehr da ist“, sagt seine Frau Ingrid Kensy, die ihn so lange aufopferungsvoll gepflegt hat. „Ich gehe ins Zimmer und rede mit ihm.“ Was es für sie ein wenig erträglicher macht, ist das Wissen, dass Carlomaria nur wenige Wochen vor seinem Tod noch einmal aufblühte. Die AZ hatte das Paar für die Aktion „Münchner helfen“ besucht, um über sein Schicksal zu berichten. Fünf Euro am Tag für Essen – mehr hatten die beiden nicht zur Verfügung. Bei dem Besuch einer AZ-Reporterin erzählte der bettlägerige Mann sein ganzes Leben. Von seinem Geschäft in der Innenstadt, wo er Drucke und Schnitzsachen verkaufte. „Das Drucken ist mein Leben“, sagte er bei dem Gespräch. Seine Frau berichtet: „Dass Leute für ihn noch Interesse gezeigt haben, dass jemand ihm zugehört hat – das war für ihn ganz, ganz schön.“ Am Schluss sei ihr „Carli“ wohl bereit gewesen für den Tod, sagt Ingrid Kensy. Er war am Samstag mit einem Darmverschluss ins Krankenhaus gebracht worden. Ein Arzt berichtete der Ehefrau, was ihr Mann zu ihm gesagt hat: „Operieren’S mich bitte nimmer, lasst mich sterben.“ Nachdem er es geschafft hatte, quälte seine Frau eine Frage: Wie soll sie dem Mann, mit dem sie 30 Jahre verheiratet war, ein anständiges Begräbnis finanzieren? Das Geld reichte kaum zum Leben. Und der Tod ist bekanntlich teuer. Ingrid Kensy beantragte ein Sozialbegräbnis. Die Stadt bezahlt aber nur die kostengünstigste Variante. Ohne Blumen. Ohne Sterbebilder. Oder Musik am Grab. Dabei hatte sich Carlomaria Grassinger zum Abschied ein Trompetenständchen gewünscht. Die AZ, die ursprünglich Pflegeprodukte und Schlafanzüge für den Mann finanzieren wollte, springt jetzt ein. Wir übernehmen mit Hilfe der Leser-Spenden die Kosten für alles, was beim Sozialbegräbnis nicht drin ist. Auch die Grabstein-Gravur bezahlen wir. Heute wird sich Ingrid Kensy ein letztes Mal am offenen Sarg von ihrem Mann verabschieden. Am 11. Januar ist dann auf dem Westfriedhof die Urnenbestattung. Der Witwe steht nun das erste Weihnachten ohne ihren Mann bevor. Die Einladung einer Freundin will sie ausschlagen und den Abend lieber neben einem Foto ihres Mannes verbringen. „Ich möchte alleine mit Carlo sein.“