Heute vor 25 Jahren 400.000 gegen Fremdenhass: Als München leuchtete

Heute vor 25 Jahren setzten die Münchner mit der Lichterkette ein starkes Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit – hier am Friedensengel. Foto: imago

Am 6. Dezember 1992 setzten 400.000 Münchner mit der Lichterkette ein Zeichen gegen Fremdenhass.

München - Was für eine unglaubliche Zahl: 400.000 Menschen auf einer Demonstration – so viele Münchner kamen heute vor 25 Jahren für ein helleres Deutschland zusammen. Es war die Zeit der vielen Brandanschläge auf Asylbewerberheime in Deutschland. Monate, in denen die Menschen Angst hatten, Deutschland könne in ganz finstere Zeiten zurückfallen.

Aber so viele gleich? Die Initiative hatte klein begonnen. Vier junge Leute, Christoph Fisser, Gil Bachrach, Chris Häberlein und Giovanni di Lorenzo hatten damals die Idee gehabt. "Wir haben es ohne Parteien, Kirchen, Verbände gemacht", erinnerte sich di Lorenzo, heute Chefredakteur der "Zeit", später. "Wir sind von Geschäft zu Geschäft gezogen, haben sogar in Kaufhäusern agitieren dürfen."

"Schon ein Vierteljahrhundert her?"

Di Lorenzo ist heute überzeugt, dass es sogar mehr als 400.000 Menschen waren, die eine Kette durch die Stadt bildeten. "Bei 400 000 hat die Polizei aufgehört zu zählen", sagt er. Ob es nun ein paar mehr waren oder nicht: Sehr viele Münchner erinnern sich noch immer an das Gefühl dieses besonderen Tages. Sie werden sich heute denken: "Schon ein Vierteljahrhundert ist das her?"

In einer Erklärung des Vereins "Lichterkette" erinnern viele Münchner daran, dass die Sorgen von damals immer noch aktuell sind. "Auch heute wird Angst geschürt und Stimmung gemacht gegen Menschen, die bei uns Schutz suchen", sagt OB Dieter Reiter (SPD). Die Schauspielerin Iris Berben erklärt: "25 Jahre sind vergangen und heute brauchen wir mehr Licht als jemals zuvor – wie traurig".

Der Verein "Lichterkette", den die Initiatoren gründeten, ist heute ein anerkannter Verband, der Mentoren für junge Migranten sucht, junge Zuwanderer in Schulen ihre Geschichte erzählen lässt, den Austausch zwischen christlichen, muslimischen, jüdischen Jugendlichen fördert. So hat der 6. Dezember 1992 über die Symbolik des Massenprotests hinaus viel bewirkt.

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